{"id":7709,"date":"2024-07-24T17:44:04","date_gmt":"2024-07-24T15:44:04","guid":{"rendered":"https:\/\/revolinks.de\/?p=7709"},"modified":"2024-07-25T21:28:58","modified_gmt":"2024-07-25T19:28:58","slug":"streiken-lohnt-sich-ig-bau-erkaempft-massive-lohnzuwaechse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/revolinks.de\/index.php\/2024\/07\/24\/streiken-lohnt-sich-ig-bau-erkaempft-massive-lohnzuwaechse\/","title":{"rendered":"Streiken lohnt sich! IG BAU erk\u00e4mpft massive Lohnzuw\u00e4chse"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><strong>Im Mai haben die Bauleute der IG BAU viele Baustellen in ganz Deutschland bestreikt. Im Juni gab es eine Einigung. Ergebnis: Der h\u00f6chste Lohnzuwachs im Bau seit Jahrzehnten. Das zeigt: K\u00e4mpfen zahlt sich aus \u2013 und doch wurden auch unn\u00f6tige Zugest\u00e4ndnisse gemacht, meint Jannis Wahoff.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Im Mai standen \u00fcberall im Land immer wieder Baustellen still. Der Grund: Ein Streik der Bauleute der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Sie forderten 500 \u20ac mehr im Monat \u2013 und zwar f\u00fcr alle: F\u00fcr alle Lohn- und Gehaltsgruppen, und auch f\u00fcr Azubis.<\/p>\n<p>Die IG BAU nutzte die Gunst der Stunde. Nicht nur marschierten deutschlandweit tausende Bauleute auf Streikdemos. Die IG BAU erh\u00f6hte den Druck mit Blick auf die Fu\u00dfball-EM. So hatten manche St\u00e4dte dem Europ\u00e4ischen Fu\u00dfballdachverband UEFA vertraglich die Fertigstellung mancher Baustellen bis zum Mai vertraglich zugesichert. Die IG BAU k\u00fcndigte an, dass genau diese Baustellen bestreikt werden k\u00f6nnten. Das zeigte Wirkung und erh\u00f6hte die Verhandlungsbereitschaft der Arbeitgeberseite.<\/p>\n<p><strong>Erster Streik seit 17 Jahren<\/strong><\/p>\n<p>Bis es tats\u00e4chlich zu Streiks kam, war es ein langer Weg: W\u00e4hrend es bei Tarifrunden anderer Gewerkschaften bereits w\u00e4hrend der Verhandlungen oft zu Warnstreiks kommt, gibt es im Bauhauptgewerbe ein Abkommen mit einer besonders langen \u201eFriedenspflicht\u201c. W\u00e4hrend der Verhandlungen und der verpflichtenden Schlichtungsrunde darf nicht gestreikt werden.<\/p>\n<p>Erst wenn die Schlichtung von einer Seite abgelehnt wird, darf gestreikt werden. Dieses System ohne M\u00f6glichkeit zu Warnstreiks ist der Grund daf\u00fcr, dass es seit 17 Jahren gar keine Streiks im Baugewerbe mehr gab. Ohne K\u00e4mpfe wurden dann oft faule Kompromisse akzeptiert.<\/p>\n<p><strong>Bauwirtschaft verkalkuliert sich<\/strong><\/p>\n<p>In der aktuellen Tarifrunde lag Mitte April ein Schlichterspruch vor. Er sah \u00fcber zwei Jahre gestreckt zun\u00e4chst ein Lohnplus von 250 Euro vor (allerdings nicht f\u00fcr Azubis), dann im zweiten Schritt ungef\u00e4hr 4% Lohnzuwachs. Die IG BAU nahm diesen Vorschlag an \u2013 doch der Bauwirtschaft war das zu viel. Die Arbeitgeber boten stattdessen zweimal plus 3 % bei einer Laufzeit von zwei Jahren an.<\/p>\n<p>Die Vertreter der Bauunternehmen behaupten unterdessen, es g\u00e4be eine gro\u00dfe Krise in der Branche. Das war eine glatte L\u00fcge. Lediglich der Einfamilienhausbau steckt in Schwierigkeiten &#8211; die Baubranche als Ganze hat 2023 fette Gewinne gemacht, bei einem Umsatz von 162 Milliarden Euro!<\/p>\n<p>Im Streik forderte die IG BAU dann 500 Euro pro Jahr mehr f\u00fcr alle. Besonders f\u00fcr Azubis w\u00fcrde das den Lebensunterhalt sichern: Je nach Ausbildungsberuf und -jahr lag die Verg\u00fctung hier oft unter 1000 Euro \u2013 das war schon vor zehn Jahren wenig. Heute ist so eine Entlohnung f\u00fcr meist k\u00f6rperlich anstrengende Vollzeitausbildungen eine Beleidigung.<\/p>\n<p><strong>Bauarbeiter trotzen der Polizei<\/strong><\/p>\n<p>Die Gewerkschaftsb\u00fcrokratie h\u00e4tte den Streik gern vermieden. Doch die Kampfbereitschaft war hoch und trieb sie nach vorn.<\/p>\n<p>Dies zeigte sich an einem Beispiel: <strong>So sollte etwa am 14. Mai in Duisburg eine Streikkundgebung wegen nicht fristgerechter Anmeldung aufgel\u00f6st werden. Die Kolleginnen und Kollegen widersetzten sich dem Verbot der Polizei und marschierten stattdessen laut durch die Innenstadt. Weil die Gewerkschaft gute Forderung aufstellte, waren die Bauleute bereit, f\u00fcr sie zu k\u00e4mpfen!<\/strong><\/p>\n<p>Diese Kampfeskraft kam f\u00fcr viele unerwartet und f\u00fchrte zu einem neuen Kompromiss, den die Gremien der IG BAU und der Kapitalverb\u00e4nde im Juni annahmen. Er beinhaltet die \u00fcberf\u00e4llige Angleichung der L\u00f6hne zwischen Westen und Osten, Lohnerh\u00f6hungen von mindestens 260 Euro, und dann prozentuale Lohnerh\u00f6hungen in zwei weiteren Schritten.<\/p>\n<p><strong>Luft nach oben<\/strong><\/p>\n<p>Das ist der beste Tarifabschluss im Bau seit Jahrzehnten. Es zeigt auch, wie viel die Lohnabh\u00e4ngigen zu gewinnen haben, wenn sie sich organisieren und zusammen k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Allerdings ist das Ergebnis nicht perfekt. Der neue Tarifvertrag l\u00e4uft \u00fcber drei Jahre und damit viel zu lang. Eine k\u00fcrzere Laufzeit h\u00e4tte die gewonnene Kampfkraft fr\u00fcher neu anzapfen und damit die Gewerkschaft auch noch attraktiver f\u00fcr viele Kolleginnen und Kollegen machen k\u00f6nnen. Auch wurden die Azubis nicht im gleichen Ma\u00dfe wie gefordert ber\u00fccksichtigt und schuften weiter unter Mindestlohn.<\/p>\n<p>Ungeachtet dieser leichtfertigen Zugest\u00e4ndnisse durch den hauptamtlichen Apparat hat die Streikwelle nun nach vielen Jahren der Flaute im Klassenkampf auch den Bau erreicht. Die dabei gewonnenen Erfahrungen der Solidarit\u00e4t sind besonders wichtig in Zeiten, wo die Faschisten der AfD sich als \u201eArbeiterversteher\u201c gegen die Ampelparteien pr\u00e4sentieren und das Gift des Rassismus auf die Baustellen tragen. Im Bau \u2013 wie in anderen Branchen &#8211; gewinnen wir nur, wenn wir gemeinsam k\u00e4mpfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Im Mai haben die Bauleute der IG BAU viele Baustellen in ganz Deutschland bestreikt. Im Juni gab es eine Einigung. Ergebnis: Der h\u00f6chste Lohnzuwachs im Bau seit Jahrzehnten. 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