{"id":7828,"date":"2024-08-21T10:00:09","date_gmt":"2024-08-21T08:00:09","guid":{"rendered":"https:\/\/revolinks.de\/?p=7828"},"modified":"2024-08-26T12:28:20","modified_gmt":"2024-08-26T10:28:20","slug":"jena-hoecke-in-die-flucht-geschlagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/revolinks.de\/index.php\/2024\/08\/21\/jena-hoecke-in-die-flucht-geschlagen\/","title":{"rendered":"Jena \u2013 H\u00f6cke in die Flucht geschlagen"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Die AfD hat Spitzenwerte in den Umfragen zur Landtagswahl in Th\u00fcringen. Die faschistische Bedrohung ist ernst. Aber es gibt auch die andere Seite der Medaille: \u00dcber 2500 Antifaschistinnen und Antifaschisten konnten einen Wahlkampfauftritt von Bj\u00f6rn H\u00f6cke in Jena verhindern. <\/strong><strong>Revo<em>L<\/em><\/strong><strong><em>inks<\/em><\/strong><strong> sprach mit <em>Zeki Demir<\/em>, einem der antifaschistischen Blockierer.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>RL: Zeki, du warst gestern in Jena auf der Blockade gegen die AfD und ihren Th\u00fcringer F\u00fchrer, Bj\u00f6rn H\u00f6cke. Was wollte der in Jena?<\/strong><\/p>\n<p><strong>ZD:<\/strong> Am Dienstag wollte der Faschist H\u00f6cke nach Jena kommen, um auf einer AfD-Veranstaltung \u2013 einem sogenannten \u203aB\u00fcrgerdialog\u2039 \u2013 zu sprechen. Laut neuesten Umfragen zu den Landtagswahlen am 1. September liegt die AfD mit 28 \u2013 30 Prozent auf Platz eins. Die faschistische Gefahr steht vor der T\u00fcr, und sie ist sehr ernst. Das macht den antifaschistischen Kampf dringender denn je.<\/p>\n<p><strong>Was habt ihr dagegen unternommen?<\/strong><\/p>\n<p>Erst einmal gab es eine gro\u00dfe Mobilisierung, die das Ziel verfolgte, H\u00f6ckes Auftritt gar nicht erst stattfinden zu lassen. Die Organisationen, Parteien und B\u00fcndnisse stellten all ihre Differenzen hintan, um dieses Ziel zu erreichen. Die Hauptorganisatoren der Aktion waren die B\u00fcndnisse Widersetzen und Rechtsruck stoppen Jena. Gruppen wie Jusos, Gr\u00fcne Jugend, Linksjugend [solid], sowie Aktivisten der Jenaer Pal\u00e4stina-Solidarit\u00e4t waren mit Kufiyeh [dem \u203aPal\u00e4stinensertuch\u2039, RL] auf der Demonstration. Andere politische Gruppen wie Die Linke, das B\u00fcndnis Sahra Wagenknecht, die MLPD und der Funke waren ebenfalls auf der Demo. Gewerkschaften wie Verdi, IG Metall und GEW haben sich auch an der Aktion beteiligt, wobei die IG Metall besonders aktiv war.<\/p>\n<p>So waren am entscheidenden Tag mehr als 2500 Menschen auf den Stra\u00dfen, die zum Stadtteilzentrum in Jena-Lobeda f\u00fchrten, dem Versammlungsort der Faschisten. Die wurden aus drei Hauptrichtungen mit Sitzblockaden dichtgemacht, so dass die Faschisten ihre eigene Veranstaltung nicht erreichen konnten. <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/politik\/deutschland\/jena-demonstration-hoecke-afd-100.html\">Ihr Treffen mussten sie schlie\u00dflich absagen.<\/a> Der Wagen mit H\u00f6cke versuchte noch, die Menschenkette zu durchbrechen und hat auch mehrere Blockadeteilnehmer touchiert. Die Polizei hat ihm dabei noch assistiert. <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/C-7qEK5Mboj\/?img_index=10\">Aber wir haben den Wagen zum Stehen gebracht. H\u00f6cke floh aus dem Auto und suchte zusammen mit seinen Bodyguards das Weite.<\/a><\/p>\n<p><strong>Die Polizei hat sicherlich nicht tatenlos zugeschaut, oder? Es gab Berichte von \u00bbunverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfiger Polizeigewalt\u00ab.<\/strong><\/p>\n<p>Ja, es war das alte Spiel: Deutsche Polizisten sch\u00fctzen die Faschisten. Sie haben versucht, den Nazis den Weg mit Schlagst\u00f6cken, Pfefferspray und Faustschl\u00e4gen in die Gesichter der Antifaschistinnen und Antifaschisten freizupr\u00fcgeln. Es gab viele Verletzte. Unsere Blockadeteilnehmerinnen und \u2013teilnehmer haben sich aber nicht beeindrucken lassen \u2013 wenn der Staat seelenruhig dabei zuschaut, wie die Faschisten sich aufbauen, oder diesen Aufbau gar noch unterst\u00fctzt, m\u00fcssen wir die Sache eben in die eigenen H\u00e4nde nehmen.<\/p>\n<p><strong>Es ist ja nicht \u00fcblich, dass Menschen ihren K\u00f6rper und ihre Gesundheit einsetzen, um die Nazis zu stoppen. F\u00fcr viele war das sicherlich ein gro\u00dfer Schritt. Was f\u00fcr Menschen haben sich an euren Blockaden beteiligt?<\/strong><\/p>\n<p>Es war ein sehr breites Spektrum aus Gewerkschafts-, Vereins- und Parteimitgliedern, aber auch Musiker, Studenten, Lohnabh\u00e4ngige und andere Menschen waren motiviert, an den Blockaden teilzunehmen. Es war eine richtig bunte Mischung der Bev\u00f6lkerung. Die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus den St\u00e4dten Th\u00fcringens, insbesondere viele aus Jena. Es ist aber auch klar, dass andere Aktivistinnen und Aktivisten aus dem ganzen Land in die Stadt angereist sind, um die Faschisten zu stoppen.<\/p>\n<p><strong>Die Jenaer Blockade war ja ein voller Erfolg. Die AfD-Nazis mussten ihre Veranstaltung schlie\u00dflich absagen. Wie ist euch das gelungen?<\/strong><\/p>\n<p>Die AfD konnte nun seit langer Zeit Erfolge verbuchen und Zulauf gewinnen, weil sie von breiten Teilen der Bev\u00f6lkerung als einzige Protestpartei wahrgenommen wird. Selbst Die Linke hat alle, die Hoffnungen in sie gesetzt haben, verraten, sobald auch nur die kleinste Aussicht auf die Beteiligung an einer Regierungskoalition gewunken hat \u2013 sie ist vom neoliberalen Einheitsbrei aus SPD, CDU, FDP und Gr\u00fcnen immer weniger zu unterscheiden. Deshalb war es wichtig, den AfD-Nazis ihre Maske einer \u203aAlternative\u2039 vom Gesicht zu rei\u00dfen, um die darunter steckende Fratze des Faschismus zum Vorschein zu bringen. Auch die correctiv-Recherchen zur so genannten \u203aRemigrations\u2039-Konferenz in Potsdam haben die wahren Absichten der AfD enth\u00fcllt \u2013 die Deportation aller Migranten und Andersdenkender.<\/p>\n<p>Darauf konnten wir aufbauen und uns vergr\u00f6\u00dfern. Immer mehr Leuten wurde klar, dass die AfD keine Protestpartei, sondern eine faschistische Verbrecherbande ist.<\/p>\n<p>Faschisten bauen sich auf, wenn sie St\u00e4rke auf der Stra\u00dfe demonstrieren. Einige Wochen zuvor haben wir gesehen, wie sie sich beim Leipziger CSD martialisch in Szene gesetzt haben. In Jena konnten wir sie, wie beim AfD-Parteitag in Essen zuvor leider nicht ganz, erfolgreich in die Schranken weisen. Uns allen hat eingeleuchtet: Wir m\u00fcssen die AfD stoppen, um ein neues 1933 zu verhindern. Schlie\u00dflich hatte H\u00f6cke ja auch provokativ einen Stimmanteil von \u00bb33 Prozent plus x\u00ab f\u00fcr seine Partei prophezeit. Das war eine Kampfansage.<\/p>\n<p>In Jena haben wir gezeigt, dass wir diesen Kampf gewinnen k\u00f6nnen. Wir konnten die Faschisten zum ersten Mal seit langer Zeit erfolgreich blockieren und sie auf der Stra\u00dfe aufhalten. Das war ein sehr wichtiger Erfolg, der nur durch den Beitrag aller an der antifaschistischen Bewegung Beteiligten erreicht werden konnte.<\/p>\n<p><strong>Zeki, wir danken dir f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die AfD hat Spitzenwerte in den Umfragen zur Landtagswahl in Th\u00fcringen. Die faschistische Bedrohung ist ernst. Aber es gibt auch die andere Seite der Medaille: \u00dcber 2500 Antifaschistinnen und Antifaschisten konnten einen Wahlkampfauftritt von Bj\u00f6rn H\u00f6cke in Jena verhindern. 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