{"id":7911,"date":"2024-09-22T14:55:49","date_gmt":"2024-09-22T12:55:49","guid":{"rendered":"https:\/\/revolinks.de\/?p=7911"},"modified":"2024-09-24T09:49:51","modified_gmt":"2024-09-24T07:49:51","slug":"berlin-afd-auf-volksfest-gestoppt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/revolinks.de\/index.php\/2024\/09\/22\/berlin-afd-auf-volksfest-gestoppt\/","title":{"rendered":"Berlin: AfD auf Volksfest gestoppt!"},"content":{"rendered":"<h3>\u00bbUnter dem Strich haben wir heute nun ein B\u00f6lschefest ohne Nazi-Stand\u00ab<\/h3>\n<p><strong><em>Gestern, Samstagnachmittag auf dem B\u00f6lschefest in Berlin-Friedrichshagen: eine bunte Gruppe aufgebrachter und entschlossener Anwohner bewegt sich vom S-Bahnhof durch das Festgewimmel Richtung S\u00fcden. Vor dem Stand der AfD sammeln sie sich und skandieren lautstark Parolen, darunter \u00bbAfD-Nazis \u2013 Raus aus dem B\u00f6lschefest\u00ab! Der Protest endet im Tumult, als die Polizei einen der Protestierenden herauspickt und unter Einsatz von Gewalt abf\u00fchrt. Wir haben den Festgenommenen interviewt.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em><strong>RevoLinks:<\/strong><\/em> <strong>Frank, Du bist gestern auf dem B\u00f6lschefest von der Polizei festgenommen worden, weil Du an einem Protest gegen die AfD teilgenommen hast. Was ist passiert?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Am Freitagabend haben junge Leute mitbekommen, dass die AfD am s\u00fcdlichen Ende der etwa 1,5 km langen B\u00f6lschestra\u00dfe einen gro\u00dfen Stand aufgebaut hat. Das war eine Provokation. Am gestrigen Samstag und heutigen Sonntag werden viele Tausende, wenn nicht Zehntausende Besucher erwartet. Irgendjemand hat die Information \u00fcber Chatkan\u00e4le verbreitet. Gestern morgen schlug dann eine junge Linke vor, sich am S-Bahnhof Friedrichshagen zu versammeln. Da bin ich mit einigen Genossen von der <em>Revolution\u00e4ren Linken<\/em> hingegangen. Einen klaren Plan hatten wir nicht.<\/p>\n<p><strong>Wie viele Leute sammelten sich dort? Und waren politische Kr\u00e4fte beteiligt?<\/strong><\/p>\n<p>Ich sch\u00e4tze, am Anfang waren es 20 bis 30 Leute. Sichtbarer Anlaufpunkt war ein Lastenrad der Partei Die Linke mit Sonnenschirm, das eine junge Genossin aus dem Viertel mitgebracht hatte. Die Situation war unklar. Jemand bat mich, eine kurze Ansprache zu halten, um \u00fcberhaupt die Protestierenden vom Laufpublikum unterscheiden zu k\u00f6nnen. In dem Moment identifizierte die anwesende Polizei mich als Ansprechperson und versuchte mich \u00fcberzeugen, auf den Abschnittsleiter zu warten und eine Kundgebung anzumelden.<\/p>\n<p><strong>Wie hast Du darauf reagiert?<\/strong><\/p>\n<p>Da war ja keine Kundgebung, und ich wollte keine anmelden. Offenbar wollte die Polizei unbedingt vermeiden, dass wir zur AfD gelangen w\u00fcrden. Sie h\u00e4tten uns einen Platz ein paar hundert Meter au\u00dfer Sicht- und Rufreichweite zugewiesen. Das h\u00e4tte sich dann f\u00fcr uns wie eine Niederlage angef\u00fchlt und die Nazis h\u00e4tten sich ins F\u00e4ustchen gelacht. Um das zu vermeiden, l\u00f6ste sich daraufhin der Pulk kurzentschlossen auf und zog einzeln oder in kleinen Gruppen durch das Festgewimmel zu dem AfD-Stand, der etwa ein Kilometer weiter s\u00fcdlich lag.<\/p>\n<p><strong>Wie hat die AfD da auf euch reagiert?<\/strong><\/p>\n<p>Die AfD wurde von einer Reihe Polizisten abgeschirmt. Das war allerdings schon ein Erfolg f\u00fcr sich, da so die Festbesucher nicht mehr so zahlreich an den Stand herankamen. Da begannen wir zu klatschen und zu rufen. Die erste Parole war: \u00bbWir sind viele, wir sind bunt, wir tun unseren Unmut kund!\u00ab Dann forderten wir in Parolen und kurzen Ansprachen, dass die Veranstalter der AfD keinen Stand auf dem B\u00f6lschefest genehmigen sollten.<\/p>\n<p><strong>Wie viele wart ihr?<\/strong><\/p>\n<p>Die Stimmung stieg und immer mehr Leute blieben bei uns stehen, um uns zu unterst\u00fctzen. Am Ende waren es zwischen 70 und 80 Leute, das hat jemand gez\u00e4hlt. Viele hatten improvisierte Schilder, einer hatte einen bemalten Regenschirm gegen die AfD, andere Aufkleber auf dem Hemd mit Parolen gegen Rassismus und f\u00fcr ein solidarisches Miteinander.<\/p>\n<p><strong>Waren Parteien anwesend?<\/strong><\/p>\n<p>Es waren Leute aus B\u00fcrgerinitiativen unterschiedlicher Art dort, Leute von Die Linke, auch diverse Mitglieder kleinerer revolution\u00e4rer Gruppen. Die Leute vom benachbarten SPD-Stand haben uns Trillerpfeifen gegeben, damit wir die AfD besser st\u00f6ren. Die Mehrzahl der Protestierenden waren aber eindeutig einfach nur unorganisierte Leute aus dem Viertel, die die AfD und ihren Rassismus nicht ausstehen k\u00f6nnen. Ich kannte einige vom Sehen her.<\/p>\n<p><strong>Kannst Du uns etwas zum Hintergrund des Konflikts sagen? Es war nicht das erste Mal, dass das B\u00f6lschefest zum Schauplatz von Auseinandersetzungen mit der AfD geworden ist.<\/strong><\/p>\n<p>Das stimmt. Das B\u00f6lschefest ist ein buntes Volksfest im Berliner S\u00fcdosten, an dem jedes Jahr viele Tausende, wenn nicht Zehntausende Besucher teilnehmen. 2017 bekam die AfD das erste Mal einen Standplatz zugewiesen, mittendrin vor der Kirche gegen\u00fcber dem Marktplatz. Das war eine Provokation f\u00fcr viele. Leute aus dem Umfeld von \u201eAufstehen gegen Rassismus\u201c und der Partei DIE LINKE organisierten den Widerstand. 2019 zogen dann rund 50 Leute mit M\u00fcllt\u00fcten vor den AfD-Stand. Sie forderten passierende Festbesucher auf, den Nazi-M\u00fcll zu nehmen und gleich in die bereitgestellten M\u00fcllt\u00fcten zu werfen. Das hat die AfD massiv gewurmt. Die Festveranstalter waren \u00fcber den Stress genervt und haben in den folgenden Jahren an keine Partei mehr St\u00e4nde vermietet.<\/p>\n<p><strong>Dann wart ihr die AfD nach 2019 los?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, zumindest auf dem B\u00f6lschefest, was ein gro\u00dfer Erfolg ist. Im benachbarten K\u00f6penick gibt es auch ein Volksfest. 2019 hatte die AfD ihren Stand relativ ungehindert durchf\u00fchren k\u00f6nnen und am selben Abend noch f\u00fchlten sich vermutlich angetrunkene Nazis ermutigt, auf Immigranten oder Linke Jagd zu machen.<\/p>\n<p><strong>Wieso war die AfD dann dieses Jahr wieder da?<\/strong><\/p>\n<p>Davon waren wir auch vollkommen \u00fcberrascht. Vorgestern kam ich von der Arbeit und hatte nicht die Idee, dass wir hier ein Problem haben w\u00fcrden. Und dann sah ich mich gestern Nachmittag auf einem Polizeirevier wieder.<\/p>\n<p><strong>Was hat die Polizei denn gemacht?<\/strong><\/p>\n<p>Die Polizei hatte den ganzen Tag lang Leute postiert. Sie ahnten wohl schon, dass die AfD einen Affront in Friedrichshagen darstellen und Unmut auf sich ziehen w\u00fcrde. Nachdem wir eine Stunde skandiert und geklatscht haben, wurde ich von einem Beamten individuell angesprochen mit der Bitte, mitzukommen und den Abschnittsleiter zu sprechen. Ich habe gesagt, dass ich gerne mit ihm spreche, aber nur an dem Ort, wo ich gerade stand \u2013 also inmitten der anderen AfD-Gegner. Offenbar hat die Polizei sich dazu nicht imstande gesehen. Stattdessen wurde zwischenzeitlich eine Sondereinheit angefordert, wahrscheinlich vom nahegelegenen Fu\u00dfballstadion. Die Beamten griffen mich von hinten v\u00f6llig \u00fcberraschend an, rissen mich an den Armen und am Hals mit und warfen mich in einen Einsatzwagen.<\/p>\n<p><strong>Wir haben die anderen Protestierenden reagiert?<\/strong><\/p>\n<p>Die Reaktion war spontan emp\u00f6rt, ein Riesentohuwabuhu. Alle riefen und viele wollten mir zu Hilfe kommen. Noch w\u00e4hrend des gewaltsamen Polizeiangriffs f\u00fchlte ich mich als Teil des gemeinsamen Widerstands. Es war ein solidarisches Gef\u00fchl, das hat mir sehr geholfen. Mir wurde im Nachhinein von vielen erz\u00e4hlt, die es einfach nicht glauben konnten, wie mitten auf einem Volksfest die Polizei in dieser Brutalit\u00e4t einen Menschen herauspickt, abf\u00fchrt und irgendwohin bringt. Und das, wo im ersten Halbjehr die Demokratiebewegung gegen die AfD auf allen Medienkan\u00e4le gelobt worden ist und die Regierung Zivilcourage angemahnt hat. Die Berliner SPD-Innensenatorin Spranger verteidigt in der Praxis aber das Recht der AfD, ihr rassistisches Gift \u00fcberall zu verbreiten.<\/p>\n<p><strong>Wohin haben sie dich denn gebracht?<\/strong><\/p>\n<p>Nach einer Weile hatte sich die Polizei abgestimmt und mich mit sieben Beamten als Bewachung auf ein nahegelegenes Revier beim Allendeviertel gefahren. Da war kein Beamter am Wochenende anwesend. Der Einsatztrupp musste den Schreibkram auf der Wache selbst erledigen. Schon verr\u00fcckt: Wenn in dem Viertel gerade ein \u00dcberfall an einem Samstag stattfindet, w\u00fcrde kein Anwohner jemanden auf der Wache antreffen. Aber um auf dem Volksfest den AfD-Stand zu sch\u00fctzen, f\u00e4hrt eine schwerger\u00fcstete Einheit wie in einem Ufo herum und greift Leute an. Nun habe ich eine Strafanzeige wegen \u201eWiderstand gegen die Staatsgewalt\u201c am Hals, au\u00dferdem eine Ordnungswidrigkeit wegen Teilnahme an einer \u201eungenehmigten Demonstration\u201c oder \u00e4hnliches.<\/p>\n<p><strong>Hat sich der Stress denn gelohnt?<\/strong><\/p>\n<p>Auf jeden Fall! Viele sind im Viertel zusammengekommen. Das macht klar: Ganz egal, wie heute die Wahlen im benachbarten Brandenburg ausgehen \u2013 wir sind immer noch in der Mehrheit und k\u00f6nnen die AfD behindern, auch spontan. Nach dem Stress wurde f\u00fcr heute dann der AfD-Stand abgesagt! Das ist ein voller Erfolg, mehr h\u00e4tten wir nicht erreichen k\u00f6nnen. Die Absage wurde dann zwar auch auf die St\u00e4nde von CDU und SPD erweitert, aber es ist klar, dass der AfD-Stand das Problem ist. Unter dem Strich haben wir am heutigen zweiten Festtag nun ein B\u00f6lschefest ohne Nazistand \u2013 eine gute Generalprobe f\u00fcr das kommende Wahljahr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbUnter dem Strich haben wir heute nun ein B\u00f6lschefest ohne Nazi-Stand\u00ab Gestern, Samstagnachmittag auf dem B\u00f6lschefest in Berlin-Friedrichshagen: eine bunte Gruppe aufgebrachter und entschlossener Anwohner bewegt sich vom S-Bahnhof durch das Festgewimmel Richtung S\u00fcden. Vor dem Stand der AfD sammeln sie sich und skandieren lautstark Parolen, darunter \u00bbAfD-Nazis \u2013 Raus aus dem B\u00f6lschefest\u00ab! Der Protest [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":7917,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[71,72],"tags":[],"class_list":["post-7911","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-deutschland","category-faschismus-antifaschismus"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/revolinks.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7911","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/revolinks.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/revolinks.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/revolinks.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/revolinks.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7911"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/revolinks.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7911\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7918,"href":"https:\/\/revolinks.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7911\/revisions\/7918"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/revolinks.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7917"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/revolinks.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7911"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/revolinks.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7911"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/revolinks.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7911"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}