{"id":7962,"date":"2024-10-17T08:15:21","date_gmt":"2024-10-17T06:15:21","guid":{"rendered":"https:\/\/revolinks.de\/?p=7962"},"modified":"2024-10-17T16:08:41","modified_gmt":"2024-10-17T14:08:41","slug":"der-plan-der-generaele-israel-bedroht-400-000-mit-dem-hungertod","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/revolinks.de\/index.php\/2024\/10\/17\/der-plan-der-generaele-israel-bedroht-400-000-mit-dem-hungertod\/","title":{"rendered":"Der \u203aPlan der Gener\u00e4le\u2039: Israel bedroht 400 000 mit dem Hungertod"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Was will Israel im Gazastreifen? Die Verwandlung des K\u00fcstenstreifens in eine Tr\u00fcmmerw\u00fcste zerst\u00f6rt jede Perspektive f\u00fcr diejenigen, die den grausamen Vernichtungsfeldzug der israelischen Streitkr\u00e4fte \u00fcberleben. Netanjahu verk\u00fcndete, das zweite Kriegsjahr werde das Jahr das \u00bbtotalen Sieges\u00ab. Der Plan zu seiner Umsetzung scheint bereits im Gang zu sein.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Von Karl Naujoks<\/strong><\/p>\n<p>Die amerikanische Nachrichtenagentur <em>Associated Press<\/em> (AP) meldete vorgestern:<strong> \u00bb<\/strong>Ein israelischer Luftangriff auf den Hofbereich eines Krankenhauses im Gazastreifen t\u00f6tete mindestens vier Menschen und l\u00f6ste ein Feuer aus, das auf ein Zeltlager f\u00fcr Kriegsvertriebene \u00fcbergriff. Mehr als zwei Dutzend Menschen erlitten schwere Verbrennungen&#8230;\u00ab<\/p>\n<p>Bilder von AP zeigten Kinder unter den Verwundeten. Ein Mann tr\u00e4gt ein Kleinkind mit bandagiertem Kopf auf dem Arm und weint. Ein anderes kleines Kind mit einem bandagierten Bein wird auf dem Boden des \u00fcberf\u00fcllten Krankenhauses eine Bluttransfusion gelegt. Laut der Leitung des Krankenhauses wurden vier Menschen get\u00f6tet und 40 verwundet, 25 Menschen wurden mit schweren Verbrennungen in ein Krankenhaus im s\u00fcdlichen Gazastreifen verlegt.<\/p>\n<p><strong>Bilanz des Grauens<\/strong><\/p>\n<p>Berichte wie diese kommen mittlerweile nahezu t\u00e4glich aus dem Gazastreifen. Israel greift seit einem Jahr gezielt Journalisten, Krankenh\u00e4user und medizinisches Personal, Kirchen und Moscheen, humanit\u00e4re Hilfsorganisationen und Schulen an. Die israelischen Streitkr\u00e4fte haben das Hauptquartier der UN in Gaza und unz\u00e4hlige Wohnh\u00e4user in Schutt und Asche gelegt. Und schlie\u00dflich haben sie mehrfach mit Bomben und Granaten Zeltlager attackiert.<\/p>\n<p><strong>Das sind nach UN-Standards allesamt Kriegsverbrechen, doch die rot-gr\u00fcn gef\u00fchrte Bundesregierung betrachtet die Unterst\u00fctzung der Netanjahu-Regierung immer noch als Teil der deutschen \u203aStaatsr\u00e4son\u2039.<\/strong><\/p>\n<p>In Zahlen: \u00dcber 42 000 Pal\u00e4stinenser wurden laut pal\u00e4stinensischem Gesundheitsministerium in Gaza get\u00f6tet. Das d\u00fcrfte eine sehr konservative Sch\u00e4tzung sein, da noch viele Leichen unter dem Schutt vermutet werden. Das renommierte Medizinjournal <a href=\"https:\/\/www.thelancet.com\/journals\/lancet\/article\/PIIS0140-6736(24)01169-3\/fulltext\">Lancet<\/a> geht von mindestens vier unbeabsichtigte Toten auf einen beabsichtigt Get\u00f6teten aus. Mindestens die H\u00e4lfte der von Israel Get\u00f6teten sind Frauen oder Kinder. Rund 90% der 2,3 Millionen z\u00e4hlenden Bev\u00f6lkerung im Gazastreifen floh vor dem Krieg innerhalb des eigenen Landes, viele dabei mehrfach. Weite Teile des K\u00fcstenstreifens gleichen einer Tr\u00fcmmerw\u00fcste.<\/p>\n<p><strong>Netanjahus Motivation<\/strong><\/p>\n<p>So unfassbar grausam die israelische Kriegsf\u00fchrung ist, so unklar waren die Pl\u00e4ne der israelischen Regierung f\u00fcr die Zeit danach. Wahrscheinlich hatte Netanjahu schlichtweg keinen Plan, sondern war getrieben von seinem Willen, die \u203aGelegenheit\u2039 nach dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 f\u00fcr einen vernichtenden Angriff auf die gesamte pal\u00e4stinensische Bev\u00f6lkerung zu nutzen.<\/p>\n<p>Seit immer deutlicher wurde, dass er daf\u00fcr auch das Leben der israelischen Geiseln zu opfern bereit war und ist, und daf\u00fcr reichlich Widerstand innerhalb Israels bekam, ging es ihm vor allem um das eigene politische \u00dcberleben. Das erkl\u00e4rt jedenfalls die <a href=\"https:\/\/revolinks.de\/index.php\/2024\/09\/26\/pager-terror-bombenangriffe-gegen-den-libanon-netanjahu-will-die-eskalation\/\">planm\u00e4\u00dfige Eskalation des Krieges<\/a> gegen den Libanon und die Hisbollah, die nun auch vor Angriffen gegen dort stationierte UN-Soldaten nicht mehr Halt macht.<\/p>\n<p><strong>Der Plan der Gener\u00e4le<\/strong><\/p>\n<p>Es mag keinen Plan f\u00fcr Gaza gegeben haben. Nun scheint einer umgesetzt zu werden, der von pensionierten Gener\u00e4len und ranghohen Offizieren in der Knesset \u2013 dem israelischen Parlament \u2013 Ende September vorgestellt worden ist. Dieser \u203aPlan der Gener\u00e4le\u2039 sieht die Abriegelung des n\u00f6rdlichen Drittels des Gazastreifens inklusive der Stadt Gaza vor, um die in den Tr\u00fcmmern verbliebenen Hamas-Anh\u00e4nger auszuhungern.<\/p>\n<p><strong>Mit ihnen w\u00fcrden rund 400 000 Bewohner eingeschlossen werden. Die israelische Armee gibt ihnen eine Woche, das Gebiet zu verlassen. Danach w\u00fcrden alle verbleibenden Pal\u00e4stinenserinnen und Pal\u00e4stinenser als \u203aKombattanten\u2039 eingestuft \u2013 und damit zu \u203alegitimen Zielen\u2039 f\u00fcr die Ermordung durch israelische Streitkr\u00e4fte. <\/strong><\/p>\n<p>Offenbar hat die israelische Armee mit der Umsetzung des Plans der Gener\u00e4le begonnen. Seit Monatsbeginn werden laut UN-Angaben kaum noch Hilfslieferungen in das betroffene Gebiet gelassen. Alle Bewohnerinnen und Bewohner des n\u00f6rdlichen Gazastreifens haben in der letzten Woche Evakuierungsaufforderungen erhalten, inklusive der in Krankenh\u00e4usern versorgten Patienten.<\/p>\n<p><strong>Vorbild Algerienkrieg<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Plan entspricht der Kriegsf\u00fchrung der franz\u00f6sischen Armee im Kolonialkrieg gegen Algerien (1954 \u2013 1962). Damals wurden zum H\u00f6hepunkt des Konflikts mit der dort k\u00e4mpfenden algerisch-muslimischen Nationalen Befreiungsfront (FLN) fast ein Drittel des algerischen Territoriums zu \u203averbotenen Zonen\u2039 erkl\u00e4rt, innerhalb derer jeder angetroffene Mensch als Angeh\u00f6riger der als \u203aterroristisch\u2039 eingestuften FLN angesehen und get\u00f6tet wird. Die Gebiete wurden aus der Luft bombardiert, unter anderem mit Napalm. Viele Hirten und andere Unbeteiligte blieben und zahlten das mit ihrem Leben. Die meisten aber flohen und siedelten sich v\u00f6llig verarmt in den Slums der St\u00e4dte an.<\/p>\n<p>Das Problem der franz\u00f6sischen Armee war, dass sie die FLN nicht unter der muslimisch-algerischen Bev\u00f6lkerung erkennen konnte. Sie ging dann nach der genozidalen Logik vor: Du kannst einen Fisch im See nicht durch einzelne Schwerthiebe t\u00f6ten, du musst den gesamten See austrocknen. Das versucht die israelische Armee nun zu kopieren.<\/p>\n<p>Doch in einem unterscheiden sich die Kolonialkonflikte in Algerien und Pal\u00e4stina. W\u00e4hrend Frankreich die algerischen Muslime als B\u00fcrger zweiter Klasse innerhalb der Kolonie behalten wollte, verfolgt Israel die zionistische Idee, die pal\u00e4stinensische Bev\u00f6lkerung aus dem angeeigneten Gebiet herauszudr\u00e4ngen.<\/p>\n<p><strong>Die israelische Regierung will am Ende ein m\u00f6glichst \u203aethnisch reines\u2039 Gebiet schaffen, in der die j\u00fcdische Bev\u00f6lkerung 80 Prozent oder mehr der Einwohner stellt. Das sagt die israelische Staatsf\u00fchrung auch ganz offen. Die gesamte Berichterstattung in den deutschen Medien ist darauf ausgerichtet, diese Zielsetzung der israelischen Politik zu verschleiern.<\/strong><\/p>\n<p>Bereits zu Beginn des Krieges hat <a href=\"https:\/\/revolinks.de\/index.php\/2023\/11\/26\/solidaritaet-mit-palaestina\/\"><em>RevoLinks<\/em><\/a> argumentiert, dass auch der aktuelle Krieg um Gaza nur ein weiterer Krieg in dieser jahrzehntelangen Saga der Vertreibung der urspr\u00fcnglich ans\u00e4ssigen arabischen Bev\u00f6lkerung im historischen Pal\u00e4stina darstellt. Ein Beleg daf\u00fcr ist, dass im Schatten des Gazakriegs auch im Westjordanland systematisch arabische Siedlungen von radikalen Siedlern angegriffen und \u203aethnisch ges\u00e4ubert\u2039 werden, ohne dass die Hamas dort irgendeinen Einfluss h\u00e4tte.<\/p>\n<p><strong>\u00bbBesser sterben als gehen\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>Bislang war nicht klar, wie diese Fortsetzung der Vertreibung innerhalb eines K\u00fcstenstreifens um Gaza-Stadt umgesetzt werden soll, solange Millionen dort eingepfercht sind und die \u00e4gyptische Armee die S\u00fcdgrenze abriegelt. Der Plan der Gener\u00e4le scheint aus Sicht der israelischen Strategen die Antwort zu sein.<\/p>\n<p>Doch auch nach der Evakuierungsorder scheinen viele nicht zur Flucht bereit zu sein. Einige sind zu alt, zu krank oder haben Angst, ihre H\u00e4user zu verlassen. Aber die Meisten bef\u00fcrchten, dass es nirgendwo sicher ist und dass sie niemals zur\u00fcckkehren d\u00fcrfen. Israel hat bereits viele, die vor dem Krieg geflohen sind, gehindert, nach Gaza-Stadt zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n<p>Jomana Elkhalili, eine 26-j\u00e4hrige pal\u00e4stinensische Entwicklungshelferin, die f\u00fcr Oxfam arbeitet, sagte Journalisten von AP: \u00bbAlle Bewohner Gazas haben Angst vor dem Plan. Trotzdem werden sie nicht fliehen. Sie werden den Fehler nicht noch einmal begehen &#8230; Wir wissen, dass es dort nicht sicher ist\u00ab. Dabei bezog sie sich auf den s\u00fcdlichen Gazastreifen \u2013 dort, wo der Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung in trostlosen Zeltlagern zusammengepfercht lebt und Luftangriffe h\u00e4ufig ihre Unterk\u00fcnfte treffen.<\/p>\n<p><strong>\u00bbDeshalb sagen die Menschen im Norden, dass es besser ist zu sterben als zu gehen.\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>Der \u203aArchitekt\u2039 des Plans der Gener\u00e4le, Giora Eiland, ehemals Pr\u00e4sident des israelischen Nationalen Sicherheitsrates, sieht darin kein Problem. Er geht davon aus, dass der Vorenthalt von Wasser, Nahrung und Medizin ihren m\u00f6rderischen Zweck erf\u00fcllt: \u00bbEntweder werden sie aufgeben oder verhungern\u00ab. Eiland weiter: \u00bbDas hei\u00dft nicht, dass wir unbedingt jede einzelne Person t\u00f6ten m\u00fcssen. Das wird nicht notwendig sein. Die Menschen werden dort [im Norden] einfach nicht mehr leben k\u00f6nnen. Ihnen wird das Wasser ausgehen.\u00ab<\/p>\n<p>Die israelische Regierung wolle nach Umsetzung des Plans auf unbestimmte Zeit die Kontrolle \u00fcber den Norden behalten und den Gazastreifen zun\u00e4chst in zwei Gebiete teilen. Wenn die Strategie im Norden funktioniert, kann sie in anderen Teilen des K\u00fcstenstreifens wiederholt werden, auch in den Zeltst\u00e4dten der Fl\u00fcchtlinge im S\u00fcden.<\/p>\n<p><strong>Protest gegen Biden in Berlin<\/strong><\/p>\n<p>Am vergangenen Montag hat ein B\u00fcndnis verschiedener israelischer Menschenrechtsorganisationen, darunter B\u2019Tselem, Gisha, Yesh Din and Physicians for Human Rights-Israel, davor gewarnt, es g\u00e4be \u00bbalarmierende Anzeichen, dass das israelische Milit\u00e4r\u00ab den Plan nun heimlich umsetzt. Sie appellierten an die Staaten der Welt, sie h\u00e4tten die Verpflichtung, Verbrechen wie Aushungerung und gewaltsame Vertreibung zu verhindern. Warteten sie weiter ab, w\u00fcrde Israel den n\u00f6rdlichen Gazastreifen ausl\u00f6schen.<\/p>\n<p><strong>Das Problem ist offenkundig: Die Staaten der Welt warten nicht nur ab \u2013 sie beteiligen sich am V\u00f6lkermord. <\/strong><\/p>\n<p>Die R\u00fcstungsexporte aus Deutschland hatten sich in den ersten Monaten des Kriegs verzehnfacht. Nach der Anklage durch Nicaragua wegen Beihilfe zum V\u00f6lkermord beim Internationalen Gerichtshof fuhr die Bunderegierung klammheimlich die Genehmigungen ab M\u00e4rz zur\u00fcck. Nach offener Kritik durch CDU-Chef Merz, bei dem sich die Vorstandsvorsitzenden deutscher R\u00fcstungsunternehmen beschwert hatten, erkl\u00e4rte Kanzler Scholz im Bundestag in der letzten Woche, Deutschland w\u00fcrde weiter Waffen an Israel liefern.<\/p>\n<p>Doch niemand hat den V\u00f6lkermord mehr unterst\u00fctzt als die Vormacht des \u203aWestens\u2039, die USA. Im ersten Jahr des Krieges lieferte sie der israelischen Regierung R\u00fcstungsg\u00fcter, Waffen und Munition im Wert von 17,9 Milliarden Dollar.<\/p>\n<p><strong>Nun kommt der daf\u00fcr Hauptverantwortliche \u2013 US-Pr\u00e4sident Biden \u2013 zum Staatsbesuch nach Berlin. Grund genug, gegen den V\u00f6lkermord in Gaza und die Waffenlieferungen an Israel zu demonstrieren. <\/strong><\/p>\n<p>Unter dem Motto <em>Genocide Joe: Not Welcome<\/em> werden sich Gruppen aus der Pal\u00e4stina-Solidarit\u00e4tsbewegung gemeinsam mit linken Gruppen am 18. Oktober ab 17 Uhr am Alexanderplatz versammeln und mit einem gemeinsamen Demonstrationszug zum Brandenburger Tor gegen die US-amerikanische und deutsche Unterst\u00fctzung des V\u00f6lkermords im Gazastreifen protestieren. Die <em>Revolution\u00e4re Linke<\/em> unterst\u00fctzt diesen Aufruf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was will Israel im Gazastreifen? 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