{"id":8206,"date":"2025-02-13T14:52:23","date_gmt":"2025-02-13T13:52:23","guid":{"rendered":"https:\/\/revolinks.de\/?p=8206"},"modified":"2025-03-11T13:55:24","modified_gmt":"2025-03-11T12:55:24","slug":"bombenkrieg-gegen-dresden-1945-gedenken-aber-wie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/revolinks.de\/index.php\/2025\/02\/13\/bombenkrieg-gegen-dresden-1945-gedenken-aber-wie\/","title":{"rendered":"Bombenkrieg gegen Dresden 1945: Gedenken, aber wie?"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Vor achtzig Jahren begann die weitfl\u00e4chige Zerst\u00f6rung von Wohngebieten in Dresden durch alliierte Bomber. Keine drei Monate vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Innenstadt in Schutt und Asche gelegt. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr den Angriff sind umstritten. Von <\/em><em>Karsten Schmitz<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Am 13. Februar 1945, einem Dienstag, tauchten gegen zehn Uhr abends britische Flugzeuge am Himmel \u00fcber Dresden auf. Was sie bedeuteten, war jedem Einwohner der Stadt klar. Eine Viertelstunde zuvor war Luftalarm ausgel\u00f6st worden, der 175. seit Beginn des Krieges. Bislang waren in Dresden und Umgebung vornehmlich Fabriken und der Bahnhof Friedrichstadt angegriffen worden.<\/p>\n<p><strong>Angriffsziel: Wohngebiete<\/strong><\/p>\n<p>Doch diesmal sollten die Wohngebiete zum Ziel der Bomben werden. Nachdem spezielle Fliegereinheiten die Stadt mit Lichtkaskaden ausgeleuchtet und Zielpunkte markiert hatten, setzte ein Fl\u00e4chenbombardement ein, das drei Viertel der Altstadt innerhalb von nur 15 Minuten zerst\u00f6rte.<\/p>\n<p><strong>Drei Stunden sp\u00e4ter erfolgte eine zweite Angriffswelle, die jene Menschen \u00fcberraschte, die aus den Kellern und Schutzbunkern gekommen waren. 1500 Tonnen Stabbrandbomben gingen auf ein Stadtgebiet von 15 Quadratkilometern nieder. Ziel dieses Bombardements war die Schaffung eines Feuersturms \u2013 einer unl\u00f6schbaren, sich selbst n\u00e4hrenden Brandwalze.<\/strong><\/p>\n<p>Legt man die Brandherde in der entsprechenden Dichte und die bombardierte Fl\u00e4che dazu in Form eines F\u00e4chers an, dessen Spitze gegen den Wind zeigt, so schafft man die f\u00fcr einen Feuersturm optimalen Voraussetzungen.<\/p>\n<p>Genau das geschah in Dresden: Die zahlreichen Einzelfeuer verbanden sich zu einem eben solchen Feuersturm, der schnell Orkanst\u00e4rke erreichte. Der Luftsog entwickelte eine so elementare Gewalt, dass er gro\u00dfe Objekte und Menschen herumwirbelte oder in die Br\u00e4nde zog. Die Hitze erreichte extreme Temperaturen. Asphalt, Glas und Metall schmolzen.<\/p>\n<p>Weitere Menschen fielen den fortgesetzten Angriffen zum Opfer, die die US Air Force in den kommenden zwei Tagen flog. Die Gesamtzahl der Toten schwankt je nach historischer Untersuchung zwischen 22 700 und 25 000.<\/p>\n<p><strong>Dresden: kein Einzelfall<\/strong><\/p>\n<p>Der Ablauf der Geschehnisse zwischen dem 13. und 15. Februar 1945 ist klar, die Bewertung weniger. Die Zerst\u00f6rung Dresdens hat gro\u00dfes Leid unter den Betroffenen hervorgerufen \u2013 gleichzeitig fand sie in einem Krieg statt, den Nazi-Deutschland begonnen hatte und der von deutscher Seite als Vernichtungskrieg gef\u00fchrt wurde.<\/p>\n<p>Die Zerst\u00f6rung von Coventry, Rotterdam, Warschau und anderen europ\u00e4ischen St\u00e4dten ging der Bombardierung deutscher St\u00e4dte voraus. Auch war Dresden nicht die Stadt, deren Bewohner im Krieg am meisten gelitten haben \u2013 allein in Leningrad (dem heutigen St. Petersburg) starben durch die 900-t\u00e4gige Belagerung durch die Wehrmacht zwischen 800 000 und einer Million Menschen.<\/p>\n<p>Die japanische Hauptstadt Tokio wurde in der Nacht vom 9. M\u00e4rz 1945 von der US Air Force mit Brandbomben angegriffen. Binnen sechs Stunden wurden 185 000 Menschen get\u00f6tet und \u00fcber 260 000 Geb\u00e4ude zerst\u00f6rt. Im August folgten die verheerenden US-Atombombenabw\u00fcrfe auf die St\u00e4dte Hiroshima und Nagasaki.<\/p>\n<p><strong>Deutungsstreit<\/strong><\/p>\n<p>Massenbombardements von St\u00e4dten trafen Millionen Menschen in allen kriegf\u00fchrenden Staaten. Das hielt die Erben der Nazis nach 1945 bis zur AfD heute nicht davon ab, Dresden und die deutsche Bev\u00f6lkerung als die wesentlichen Opfer des Kriegs darzustellen. In den 2010er Jahren mobilisierte die NPD j\u00e4hrlich zu Gedenkm\u00e4rschen in Dresden mit der Parole vom \u00bbBombenholocaust\u00ab, der angeblich an der Elbstadt ver\u00fcbt worden sei. Bj\u00f6rn H\u00f6cke war auf mindestens einer dieser Demonstrationen dabei.<\/p>\n<p>Diese Bagatellisierung des Holocausts greifen Linke zu Recht an. Die Frage aber, ob \u2013 und wenn ja: wie \u2013 man der Opfer der Bombardierung gedenken sollte, ist offen. Mit diesem Beitrag wollen wir dazu einige Anregungen liefern.<\/p>\n<p><strong>Imperialist Harris<\/strong><\/p>\n<p>Beim Luftkrieg gegen Deutschland ging es nicht um die Vernichtung punktueller Ziele, sondern um den gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen volkswirtschaftlichen Schaden. Arthur Harris, damals Oberbefehlshaber des Bomberkommandos der britischen <em>Royal Air Force<\/em>, forderte von seiner Regierung ein eindeutiges Bekenntnis zu dieser Absicht:<\/p>\n<p><strong><em>\u00bbDas Ziel der kombinierten Bomberoffensive sollte unmissverst\u00e4ndlich als Vernichtung deutscher St\u00e4dte, T\u00f6tung deutscher Arbeiter und Zusammenbruch des zivilisierten Lebens in ganz Deutschland benannt werden.\u00ab <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Entscheidend ist hier der Begriff \u00bbArbeiter\u00ab. Er deutet auf einen wesentlichen Unterschied zwischen der Kriegf\u00fchrung in der kapitalistischen Moderne und in fr\u00fcheren Zeiten hin. Moderne Kriege zwischen Industriestaaten werden wesentlich durch das einsetzbare Industriepotenzial entschieden. Die arbeitende Zivilbev\u00f6lkerung wird als Element der industriellen Produktion zum Angriffsziel. Harris formulierte es so: \u00bbEs ist klar, dass jeder Zivilist, der mehr produziert, als er f\u00fcr den eigenen Lebensunterhalt braucht, einen positiven Beitrag zu den deutschen Kriegsanstrengungen leistet und daher ein geeignetes, wenn auch nicht unbedingt lohnendes Angriffsziel ist.\u00ab<\/p>\n<p><strong>Krieg gegen \u203aHumankapital\u2039<\/strong><\/p>\n<p>Zwar konzentrierten sich die ersten Bombardements auf Industrieanlagen. Dabei gab es allerdings Probleme: Die Angriffe mussten bei Tag geflogen werden, was der deutschen Luftabwehr hohe Abschussquoten erlaubte. Zudem war die Treffergenauigkeit der alliierten Bomber verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gering. Au\u00dferdem stellte sich heraus, dass die Sch\u00e4den an den Industrieanlagen schnell behoben werden konnten. Etwas wirksamer waren die Angriffe auf Verkehrswege und Transportkapazit\u00e4ten.<\/p>\n<p>Doch insgesamt war die Kosten-Nutzen-Rechnung der britischen und US-amerikanischen Bombenangriffe gegen deutsche Industrieanlagen negativ. Deshalb wandten sich die Alliierten ab Mitte 1942 einem anderen Element der Volkswirtschaft zu:\u00a0 dem \u203aHumankapital\u2039.<\/p>\n<p><strong>Die Bombardierung von gro\u00dfen Wohnvierteln musste nicht pr\u00e4zise sein. Bombardierungseins\u00e4tze konnten daher auch nachts geflogen werden, mit geringeren Verlusten. Bei pr\u00e4ziser Ausf\u00fchrung und entsprechenden Witterungsverh\u00e4ltnissen \u00fcbernahm der Feuersturm das eigentliche Zerst\u00f6rungswerk \u2013 eine ressourcensparende Wirkung. <\/strong><\/p>\n<p>In England (Watford) und in den USA (Eglin und Dugway Ground) wurde die Bauweise verschiedener deutscher und japanischer St\u00e4dte nachgestellt, um die Verfahren f\u00fcr die Entfachung m\u00f6glichst gro\u00dfer Feuersbr\u00fcnste zu simulieren und zu verfeinern. In Bezug auf Deutschland konzentrierten sich die Milit\u00e4rstrategen auf den Haustyp der Mietskaserne, in dem 80 Prozent der Arbeiterschaft lebte. Nach vorsichtigen Sch\u00e4tzungen wurden in den Feuerwalzen in rund 150 deutschen St\u00e4dten 570 000 Menschen get\u00f6tet. Zehn Millionen wurden obdachlos.<\/p>\n<p><strong>Kapitalistische Kriege: Terror gegen Zivilbev\u00f6lkerung<\/strong><\/p>\n<p>Solche Bombardements hatte es in diesem Ausma\u00df zuvor noch nicht gegeben. Das Ziel, die Zivilbev\u00f6lkerung zu treffen, war indes keineswegs neu. Bereits der erste dokumentierte Luftangriff diente der Terrorisierung der Bev\u00f6lkerung: Venedig, Hauptstadt einer im Zuge der b\u00fcrgerlichen Revolution 1848 entstandenen Republik, wurde 1849 durch Truppen der Habsburger Monarchie belagert. Mithilfe unbemannter Ballons lie\u00dfen die \u00f6sterreichischen Milit\u00e4rs Bomben auf die Stadt niedergehen, die als letzte Bastion der norditalienischen Revolution\u00e4re und Republikaner galt. Im Ersten Weltkrieg dienten Flugzeuge zun\u00e4chst der Fernaufkl\u00e4rung und dem taktischen Luftkrieg. Strategische Bombardements vollzog beispielsweise das deutsche Milit\u00e4r mithilfe von Zeppelinen. Im Jahr 1914 fielen L\u00fcttich, Antwerpen und Dover, 1915 London diesen Luftangriffen zum Opfer. Ab dem folgenden Jahr kamen neben den Sprengbomben auch Brandbomben zum Einsatz, die den Schaden immens erh\u00f6hten. Ab 1917 l\u00f6sten extra konstruierte Gro\u00dfflugzeuge die Zeppeline ab.<\/p>\n<p><strong>Kolonialm\u00e4chte: Luftkrieg gegen Befreiungsk\u00e4mpfe<\/strong><\/p>\n<p>Auch nach Ende des Ersten Weltkrieges im Jahr 1918 setzten die Kolonialm\u00e4chte die Luftwaffe ein. So kam Arthur Harris mit der Verwendung von Luftminen das erste Mal in Indien in Ber\u00fchrung, wo die Briten sie in Grenzkonflikten gegen einheimische Stammesangeh\u00f6rige einsetzten. Er beteiligte sich an der Entwicklung von Bomben mit verz\u00f6gerter Detonation, die dann bei der Niederschlagung von Aufst\u00e4nden der mesopotamischen Bev\u00f6lkerung im heutigen Irak Verwendung fanden, die gegen die britische Besatzung k\u00e4mpfte.<\/p>\n<p>Als das faschistische Italien sich 1935 und 1936 \u00c4thiopien als Kolonie einverleibte, setzte es Giftgas aus der Luft gegen Soldaten, Zivilbev\u00f6lkerung und landwirtschaftliche Anbaufl\u00e4chen ein. Es lie\u00df gro\u00df angelegte Bombardements fliegen, um eine schnelle Kriegsentscheidung herbeizuf\u00fchren. Dabei \u00e4scherten die italienischen Verb\u00e4nde nicht nur ganze D\u00f6rfer ein, sondern bombardierten gezielt Lazarette des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds.<\/p>\n<p><strong>Schon vor Beginn des Zweiten Weltkriegs war die Zivilbev\u00f6lkerung also bevorzugtes Opfer von Bombenangriffen. Das Nazi-Regime kn\u00fcpfte an dieser Entwicklung an und eskalierte sie. <\/strong><\/p>\n<p>Die Blutspur der deutschen Luftwaffe f\u00fchrt von der 1936 bombardierten spanischen Stadt Guernica \u00fcber die polnischen Orte Wielu, Frampol und Warschau nach Rotterdam und schlie\u00dflich zu den englischen Metropolen London, Birmingham, Coventry, Manchester und Sheffield. Da jedes Land, das die M\u00f6glichkeiten dazu hatte, auch den Luftkrieg gegen die Zivilbev\u00f6lkerung f\u00fchrte, gingen Anfang der 1940er Jahre zahllose europ\u00e4ische St\u00e4dte in Flammen auf.<\/p>\n<p><strong>Verkl\u00e4rung Dresdens<\/strong><\/p>\n<p>Trotzdem wurde und wird die Stadt an der Elbe zu einer Ausnahme verkl\u00e4rt. Warum gerade Dresden? Etwa 80 deutsche St\u00e4dte sind zuvor bombardiert worden und ungef\u00e4hr zwanzig danach. Bis zum August 1944 blieb Dresden nur deshalb von Luftangriffen verschont, weil es au\u00dferhalb der Reichweite der alliierten Bomber lag.<\/p>\n<p>Wie jede andere Stadt war auch Dresden ins Visier der Alliierten geraten, weil die dort lebende Bev\u00f6lkerung gro\u00df genug war, dass sich der Angriff lohnte. Dar\u00fcber hinaus besa\u00df die Stadt eine strategische Bedeutung f\u00fcr die Infrastruktur und die Kriegsproduktion Sachsens.<\/p>\n<p>Allerdings: F\u00fcr Nazi-Deutschland war der Krieg 1945, also zum Zeitpunkt der Bombardierung Dresdens, l\u00e4ngst nicht mehr zu gewinnen. Dennoch fiel in den letzten vier Monaten, zwischen Januar und April 1945, zwei Drittel der gesamten auf Deutschland abgeworfenen Bombenlast \u2013 vor allem auf Wohngebiete. Und das, obwohl die deutsche Luftabwehr kaum mehr in der Lage war, die Pr\u00e4zisionsbombardierung von Industrieanlagen und milit\u00e4rischen Einrichtungen zu verhindern. Warum das Ganze?<\/p>\n<p><strong>Wettlauf der Siegerm\u00e4chte<\/strong><\/p>\n<p>Hierzu existieren unterschiedliche Theorien: Anl\u00e4sslich ihres zehnten Jahrestages erkl\u00e4rte DDR-Ministerpr\u00e4sident Otto Grotewohl die Bombardierung Dresdens wie folgt: \u00bbDieses unsinnige Verbrechen diente ebenso wie die Zerst\u00f6rung von Br\u00fccken, Talsperren und anderen lebenswichtigen Einrichtungen durch die SS dem Zweck, eine Tr\u00fcmmerzone zu schaffen, die den siegreichen Sowjetarmeen das weitere Vordringen unm\u00f6glich machen sollte.\u00ab<\/p>\n<p>Die Zerst\u00f6rung Dresdens als Machtdemonstration gegen\u00fcber den Sowjets? Das klingt erst einmal plausibel. Schlie\u00dflich war der Zweite Weltkrieg seit Stalingrad auch ein Wettrennen der k\u00fcnftigen Siegerm\u00e4chte um Einflusssph\u00e4ren. F\u00fcr den Atombombenabwurf auf Hiroshima im milit\u00e4risch besiegten Japan trifft diese Argumentation sicherlich zu \u2013 hier ging es eindeutig darum, das US-amerikanische Milit\u00e4rpotenzial zu demonstrieren, bevor die in Fernost vorr\u00fcckende Rote Armee Japan erreicht. In Hinblick auf die Bombardierung Dresdens sind aber Zweifel angebracht.<\/p>\n<p>Es ist ein reger Briefwechsel zwischen dem britischen Premierminister Winston Churchill und dem sowjetischen Staatschef Josef Stalin \u00fcberliefert. Churchill erstattete detailliert Bericht \u00fcber die Erfolge der St\u00e4dtebombardements, legte oft sogar Luftaufnahmen und Dias bei. Beispielsweise erhielt Stalin am 12. Januar 1944 eine Geheimbotschaft von Churchill mit folgendem Wortlaut:<\/p>\n<p>\u00bbTeilen Sie mir bitte rechtzeitig mit, wann wir aufh\u00f6ren sollen, Berlin zu zerst\u00f6ren, damit gen\u00fcgend Unterk\u00fcnfte f\u00fcr die Sowjetarmee stehen bleiben.\u00ab<\/p>\n<p>Stalin antwortete: \u00bbUnsere Armeen haben in der letzten Zeit wirklich Erfolge erzielt, aber bis nach Berlin ist es f\u00fcr uns noch sehr weit. (\u2026) Folglich brauchen Sie die Bombardierung Berlins nicht abzuschw\u00e4chen, sondern sollten sie m\u00f6glichst mit allen Mitteln verst\u00e4rken.\u00ab<\/p>\n<p><strong>Auch der Angriff auf Dresden wurde den Sowjets durch die US-Milit\u00e4rbotschaft in Moskau vorab mitgeteilt. Sie erhoben keine Einw\u00e4nde. <\/strong><\/p>\n<p>Der in Moskau lebende KPD-F\u00fchrungskader Anton Ackermann \u00e4u\u00dferte sich im Februar 1945 in Kenntnis der schweren alliierten Luftangriffe anerkennend dar\u00fcber, wie \u00bbdie amerikanischen und englischen Luftflotten t\u00e4glich st\u00e4rker auf das r\u00fcckw\u00e4rtige Gebiet jener deutschen Armeen wirken, die der Roten Armee gegen\u00fcberstehen und dieser somit vom Westen her helfen.\u00ab<\/p>\n<p><strong>Logik imperialistischer Kriegsf\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Eine andere Theorie lautet, dass es das Ziel der sp\u00e4ten Bombardierung Dresdens war, die deutsche Bev\u00f6lkerung so zu traumatisieren, dass sie dankbar jede von den Siegerm\u00e4chten diktierte Ordnung akzeptieren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich war die Demoralisierung tiefgreifend: 91 Prozent der Deutschen sagten nach 1945, die Bombardierung sei ihr schlimmstes Kriegserlebnis gewesen. Und faktisch wurde die Nachkriegsordnung, anders als nach der Niederlage 1918 und der dann folgenden Revolution, im Wesentlichen von den Herrschenden der Siegerm\u00e4chte bestimmt.<\/p>\n<p>Weitverbreitete Forderungen wie die Verstaatlichung der Schl\u00fcsselindustrie und die Enteignung der Kriegsindustriellen wurden von den Alliierten ignoriert, entsprechende Bewegungen unterdr\u00fcckt. Ob das allerdings das Ziel des sp\u00e4ten Bombenfeldzugs war, ist damit nicht bewiesen.<\/p>\n<p>Vielleicht trifft auch die simple Erkl\u00e4rung des britischen Historikers Frederick Taylor zu. Er meinte, die Alliierten h\u00e4tten Deutschland im Fr\u00fchjahr 1945 in ein Tr\u00fcmmerfeld verwandelt, weil sie in der Lage dazu waren.<\/p>\n<p>Taylor argumentiert: \u00bbDie Milit\u00e4rs wollten auf die M\u00f6glichkeit des Fl\u00e4chenbombardements nicht verzichten. Denn das ist das Einzige, was man bei schlechtem Wetter machen konnte (\u2026) Die Milit\u00e4rs verf\u00fcgten \u00fcber diese riesige Flotte \u2013 und dieses Ungeheuer, das sie aufgebaut hatten, konnten sie nicht unten lassen. Das war jenseits ihres Denkens.\u00ab<\/p>\n<p>Was auch immer die genauen Erw\u00e4gungen hinter der Bombardierung Dresdens waren \u2013 entscheidend ist, dass sie im Wesentlichen der Logik moderner kapitalistischer Kriegsf\u00fchrung entsprechen, in der die Zivilbev\u00f6lkerung als Teil der gegnerischen Volkswirtschaft ins Fadenkreuz ger\u00e4t. Daran hat sich bis heute nichts ge\u00e4ndert. Zwar wurden 1949 nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs Fl\u00e4chenbombardements in der Genfer Konvention umfassend neu geregelt und begrenzt. Doch das hat am generellen Vorgehen nichts ge\u00e4ndert, wie etwa die Bev\u00f6lkerung Nordvietnams in den 1970er Jahren oder die Bev\u00f6lkerungen in Irak, Syrien und Gaza nach der Jahrhundertwende schmerzlich zu sp\u00fcren bekamen.<\/p>\n<p><strong>Instrumentalisierung<\/strong><\/p>\n<p>Um auf die Frage nach dem Gedenken an die Dresdner Opfer zur\u00fcckzukommen: Hier ist zun\u00e4chst festzuhalten, dass es in den vergangenen Jahrzehnten von unterschiedlichen Seiten instrumentalisiert worden ist. Lediglich in den ersten vier Jahren nach Kriegsende gab es keinen nennenswerten Versuch, sie politisch zu vereinnahmen. So wurde in den ersten Gedenkakten dem Nationalsozialismus die letztendliche Verantwortung f\u00fcr die Zerst\u00f6rung der Stadt zugewiesen.<\/p>\n<p>Doch mit Einsetzen des Kalten Kriegs begann in der DDR die D\u00e4monisierung der britischen und US-amerikanischen Truppen, die sich am \u00bbunschuldigen Dresden\u00ab vergangen h\u00e4tten. Bei Gedenkfeierlichkeiten variierten die Opferzahlen des Luftangriffs \u2013 je nach au\u00dfenpolitischer Lage. Entspannte sich der Kalte Krieg, sanken sie; heizte er sich auf, stiegen sie wieder an.<\/p>\n<p>Die Schuld f\u00fcr die Zerst\u00f6rung lastete man den \u00bbangloamerikanischen Luftgangstern\u00ab (urspr\u00fcnglich eine Wortsch\u00f6pfung von Joseph Goebbels) an. Eine Analyse imperialistischer Kriege und ihrer Methoden fand nicht statt.<\/p>\n<p>Nach der Wende wurde diese Art von Gedenkkultur fortgesetzt \u2013 nur dass jetzt die Lobeshymnen f\u00fcr die Sowjetunion ausblieben. Aber auch bei der CDU suchte man den Hinweis, dass die Nazis den Krieg angefangen hatten, vergebens. An diese Art von Gedenken kann heute die faschistische AfD nahtlos ankn\u00fcpfen.<\/p>\n<p><strong>Das hat viele Antifaschistinnen und Antifaschisten dazu bewogen, das Gedenken per se in Frage zu stellen. Eine solche Haltung \u00fcbersieht aber die berechtigte Klage der Einwohner Dresdens \u00fcber das Schicksal ihrer Stadt und ihrer Familien.<\/strong><\/p>\n<p>Die Frage ist weniger, ob man gedenken sollte, sondern wie. Erfreulicherweise gibt es hier Ankn\u00fcpfungspunkte zu einer alternativen Gedenkkultur. Schon zu DDR-Zeiten veranstaltete eine kirchliche Friedensgruppe vor der Ruine der Frauenkirche eine symbolische Kerzenaktion und wandte sich in Flugbl\u00e4ttern gegen die zunehmende Militarisierung. Im Jahr 1982 versammelten sich am selben Ort hunderte Demonstrantinnen und Demonstranten. Sie erhoben, wie es auch die <em>Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes<\/em> tat, eine Forderung, die die richtigen Konsequenzen aus der Bombardierung zieht: \u00bbNie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor achtzig Jahren begann die weitfl\u00e4chige Zerst\u00f6rung von Wohngebieten in Dresden durch alliierte Bomber. 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