{"id":8221,"date":"2025-02-25T14:50:38","date_gmt":"2025-02-25T13:50:38","guid":{"rendered":"https:\/\/revolinks.de\/?p=8221"},"modified":"2025-02-26T18:14:50","modified_gmt":"2025-02-26T17:14:50","slug":"rechtsruck-bei-den-bundestagswahlen-eine-analyse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/revolinks.de\/index.php\/2025\/02\/25\/rechtsruck-bei-den-bundestagswahlen-eine-analyse\/","title":{"rendered":"Rechtsruck bei den Bundestagswahlen: Eine Analyse"},"content":{"rendered":"<h3><strong>AfD profitiert von Ampel-Versagen und CDU-Rassismus. Der Wiederaufstieg der Linkspartei zeigt, was m\u00f6glich ist<\/strong><\/h3>\n<h3><strong><em>Am 23. Februar fanden die Wahlen zum neuen Bundestag statt. Sie stellen einen Wendepunkt in der politischen Entwicklung Deutschlands dar. Die politische \u203aMitte\u2039 hat weiter verloren, w\u00e4hrend die faschistische AfD ihren Stimmenanteil auf 20,8 Prozent hat verdoppeln k\u00f6nnen. Wie ist das Ergebnis zu erkl\u00e4ren?<\/em><\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a01. <\/strong><strong>Dramatischer Rechtsruck<\/strong><\/p>\n<p>Die Bundestagswahlen 2025 haben den bef\u00fcrchteten Rechtsruck gebracht. Die AfD konnte ihr Ergebnis auf fast 21 Prozent hochschrauben. Nicht trotz, sondern wegen der Rekordwahlbeteiligung. Das zeigt ein Blick auf die W\u00e4hlerwanderungen. Die AfD konnte 1,81 Millionen vormalige Nichtw\u00e4hlerinnen und -w\u00e4hler f\u00fcr sich mobilisieren. Das ist weit mehr als jede andere Partei. Insgesamt erhielt die AfD mehr als 10,3 Millionen Stimmen.<\/p>\n<p>Sie wird mit 152 Sitzen die Oppositionsf\u00fchrerin sein. Das wird die \u203aNormalisierung\u2039 der AfD weiter vorantreiben. Wir werden die n\u00e4chsten Jahre damit zu tun haben, dass die AfD in fast jeder Nachrichtensendung und in vielen Talkshows im Fernsehen ihre Propaganda verbreiten kann. Auf kommunaler Ebene wird die Partei vielerorts wie selbstverst\u00e4ndlich die sogenannte Brandmauer schleifen.<\/p>\n<p>Besonders schlimm ist: Die AfD hat in den Bundesl\u00e4ndern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg noch einmal deutlich gegen\u00fcber den bereits schwindelerregend hohen Ergebnissen bei den letzten Landtagswahlen zugelegt. Wer sich angesichts von fast 40 Prozent f\u00fcr die AfD im H\u00f6cke-gef\u00fchrten Th\u00fcringen mit den 8,8 Prozent f\u00fcr Die Linke bundesweit beruhigt, versteht nicht die Dramatik der Ereignisse.<\/p>\n<p><strong>2. AfD profitiert vom Versagen der Ampel-Parteien<\/strong><\/p>\n<p>Schuld an dieser Entwicklung ist das Totalversagen von SPD und Gr\u00fcnen in der Ampelkoalition. Mit ihrer Politik haben sie sich vollkommen von den Lohnabh\u00e4ngigen im Land entfremdet. W\u00e4hrend Energieunternehmen mit Milliarden an Subventionen gepampert wurden, mussten die kleinen Leute immer mehr f\u00fcr Energieverbrauch zahlen, neben den steigenden Kosten f\u00fcr Mieten, Gastst\u00e4ttenbesuche und Lebensmittel. Der Durchbruch der AfD in den Umfragen kam 2023 mit <strong><a href=\"https:\/\/revolinks.de\/index.php\/2024\/11\/13\/woran-die-ampel-gescheitert-ist\/\">Habecks Heizungsgesetz<\/a><\/strong>, das \u00c4ngste vor unkontrollierbaren Kosten durch den erzwungenen Einbau von W\u00e4rmepumpen erzeugte.<\/p>\n<p>Zugleich hatten SPD und Gr\u00fcne keine andere Antwort auf die wiederkehrenden rassistischen Kampagnen von AfD und <em>Bild<\/em> als einfach mitzumachen. Olaf Scholz reagierte auf das Umfragehoch der AfD im Herbst 2023 mit der Ank\u00fcndigung: \u00bbWir werden im gro\u00dfen Stil abschieben\u00ab.<\/p>\n<p>Die Entt\u00e4uschung \u00fcber die Ampel-Politik f\u00fchrte zum Durchbruch der AfD bei den Wahlen in Ostdeutschland im September 2024, die der Partei den entscheidenden R\u00fcckenwind f\u00fcr die Bundestagswahlen gab.<\/p>\n<p><strong>3. Merz Tabubruch: Ein Rohrkrepierer, der nur der AfD genutzt hat<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Friedrich Merz Vorsto\u00df, als er mitten im Wahlkampf pl\u00f6tzlich und demonstrativ mit der AfD gemeinsam parlamentarische Initiativen gegen das Asylrecht und Migranten einbrachte, war Wahlkampfwerbung frei Haus f\u00fcr die Faschisten. Die AfD stand ohne jedes Zutun im Mittelpunkt des Wahlkampfgeschehens und konnte argumentieren, dass Merz nichts anderes tut, als ihre Politik umzusetzen.<\/p>\n<p><strong>Der Widerstand kam von der Stra\u00dfe.<\/strong> Merz l\u00f6ste eine Welle des Massenwiderstands aus, wie wir ihn mitten in einem Bundestagswahlkampf seit der Wiedervereinigung noch nicht gesehen haben. Hundertausende, wenn nicht Million demonstrierten \u00fcber drei Wochen im ganzen Land gegen die AfD und Merz Versuch, mit ihr zu kooperieren.<\/p>\n<p>Der Druck war so stark, dass Merz sich in den letzten zwei Wochen des Wahlkampfs gen\u00f6tigt sah, immer wieder seine Distanz zur AfD zu betonen. Das Wahlergebnis der Unionsparteien war dann mit 28,5 Prozent auch denkbar schlecht \u2013 anders als uns hinterher die <em>Bild<\/em>-Zeitung und andere CDU-nahe Medien Glauben machen wollten.<\/p>\n<p><strong>Es ist das zweitschlechteste Ergebnis f\u00fcr die Konservativem seit ihrem Bestehen.<\/strong> Das hei\u00dft: Alle Parteien der \u203aMitte\u2039 haben bei dieser Wahl weiter massive Einbr\u00fcche zu verzeichnen \u2013 eine Situation, die an den Niedergang der b\u00fcrgerlich-reformistischen Mitte in den letzten Jahren der Weimarer Republik erinnert.<\/p>\n<p><strong>4. Verhaltene Reaktion von SPD und Gr\u00fcnen<\/strong><\/p>\n<p>Gr\u00fcne und SPD haben das Schleifen der \u203aBrandmauer\u2039 durch Merz scharf kritisiert. Doch ihre Kritik blieb formal \u2013 der Antrag und das folgende Gesetzesvorhaben seien \u00bbnicht europarechtskonform\u00ab. Das hie\u00df im Umkehrschluss: Inhaltlich gaben SPD und Gr\u00fcne den Vorst\u00f6\u00dfen gegen Migration und Asyl Recht.<\/p>\n<p>Diese flaue Reaktion war nichts als die Fortsetzung der Politik, die SPD und Gr\u00fcne in der Ampelkoalition verantwortet haben. Immer wieder sind sie in den \u00dcberbietungswettbewerb f\u00fcr immer mehr Abschiebungen eingestiegen. Sie speisten damit die Umlenkung eines verbreiteten Gef\u00fchls der Frustration und Zukunftsangst gegen S\u00fcndenbocke, insbesondere gegen Migrantinnen und Migranten.<\/p>\n<p>Die Medien haben ihrerseits systematisch die zugrundeliegende L\u00fcge gepusht, Zuzug bedeute mehr Unsicherheit. In diesem Klima, und angesichts der Entt\u00e4uschung mit den Ampel-Parteien, hat selbst die Bewegung von Hunderttausenden gegen die AfD und Merz Tabubruch den Rechtsruck nur eind\u00e4mmen, aber nicht zur\u00fcckdrehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>5. Der Wiederaufstieg der Linkspartei: Ausdruck der Massenbewegung gegen rechts<\/strong><\/p>\n<p>Paradox: die AfD steigt in den Umfragen und gewinnt die Wahlen, doch im Wahlkampf geh\u00f6rten die Stra\u00dfen vielerorts den Linken. In Berlin ist die Linkspartei mit knapp 20 Prozent st\u00e4rkste Partei geworden. Die Partei erlebt eine Phase des Enthusiasmus, weil sie gezeigt hat, dass man als linke Partei mit Antirassismus mehr Stimmen gewinnen kann als durch Kapitulation vor dem Rassismus der AfD.<\/p>\n<p>Das macht Mut, wie auch die vielen Neueintritte in die Partei. Ende Februar hat die Linkspartei die Marke von 100 000 Mitgliedern geknackt. Sie ist heute st\u00e4rker denn je, und hat die meisten Stimmen unter den Erstw\u00e4hlerinnen und -w\u00e4hlern geholt. Gespeist aus antirassistischer Solidarit\u00e4t haben wir hier eine breite Basis f\u00fcr die Fortsetzung des Kampfs gegen die AfD.<\/p>\n<p><strong>6. Widerspr\u00fcche bei der Linkspartei<\/strong><\/p>\n<p>Doch das darf uns nicht blind f\u00fcr die Grenzen des Aufschwungs machen. Die Linkspartei konnte nur wenig Nichtw\u00e4hlerinnen und Nichtw\u00e4hler gewinnen (290 000) \u2013 im Gegensatz zur AfD (1,81 Mio.) und zur CDU\/CSU (900 000). Das hei\u00dft: die hohe Wahlbeteiligung geht vor allem auf die zus\u00e4tzliche Mobilisierung von rund 3,8 Millionen Nichtw\u00e4hlerinnen und -w\u00e4hler zur\u00fcck, die allerdings mehrheitlich nach rechts gegangen sind \u2013 mit mehr als 70 Prozent zur AfD oder zur Merz-Union.<\/p>\n<p>Die Linkspartei konnte nur 7,5 Prozent der vormaligen Nichtw\u00e4hlerinnen und -w\u00e4hler f\u00fcr sich gewinnen. Unterm Strich ist ihr Erfolg vor allem auf ehemalige SPD- und Gr\u00fcnenw\u00e4hler (560 000 und 700 000). Au\u00dferdem hat die Linkspartei die Gr\u00fcnen als beliebteste Partei unter den Erstw\u00e4hlerinnen und -w\u00e4hler abgel\u00f6st.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft: die Linkspartei hat viele Menschen nicht erreicht, die sich \u00fcber die letzten zwanzig Jahre zutiefst vom \u203aSystem\u2039 entfremdet haben. Es handelt sich um eine Linksverschiebung innerhalb des reformistischen W\u00e4hlerspektrums, als Reaktion auf die Rechtsentwicklung von Gr\u00fcnen und SPD in der Ampelkoalition.<\/p>\n<p>Das gesagt, bleiben zwei Probleme f\u00fcr die Linkspartei:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Linkspartei wird zahlenm\u00e4\u00dfig im Parlament ungef\u00e4hr dastehen, wie sie vor 20 Jahren angefangen hat \u2013 allerdings sitzen ihr nun rund 150 faschistische Abgeordnete gegen\u00fcber. Die antifaschistische Bewegung auf der Stra\u00dfe wird so nicht weitergehen. Doch die parlamentarische Tr\u00e4gheit und staatsb\u00fcrgerliche Attit\u00fcde, f\u00fcr die Alterspr\u00e4sident Gysi und seine Ko-\u203aSilberlocken\u2039 Bartsch und Ramelow stehen, reichen im Kampf gegen die AfD nicht aus.<\/li>\n<li>Vor allem aber wird Die Linke sofort mit der Frage nach der Beteiligung an europ\u00e4ischen Antworten auf die pro-russische Politik der US-Regierung unter Trump konfrontiert sein. Linken-Spitzenkandidat Jan van Aken hat sich bereits offen gezeigt, was die Entsendung von Truppen in die Ukraine angeht. Auch die Fortsetzung des israelischen Kriegs gegen Pal\u00e4stina wird die Frage aufwerfen, ob Die Linke sich erneut wegduckt und es vorzieht, angesichts der Repressionen gegen die Pal\u00e4stina-Solidarit\u00e4t in Deutschland weiter zu schweigen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Kurzum: Die Ursachen, die die Linkspartei zwischen 2022 und 2024 in eine existenzielle Krise getrieben haben, bleiben bestehen. Doch ihr Erfolg bei den Wahlen zeigt, was m\u00f6glich ist, wenn gro\u00dfe soziale Bewegungen die Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse ver\u00e4ndern. Die AfD kann geschlagen werden, ihr Aufstieg ist umkehrbar.<\/p>\n<p><strong>7. BSW im Sinkflug<\/strong><\/p>\n<p>Das BSW ist extrem knapp an der F\u00fcnf-Prozent-H\u00fcrde gescheitert. Sahra Wagenknecht verwies am Wahlabend darauf, dass das BSW ungeachtet dessen in nur einem Jahr nach ihrer Gr\u00fcndung bessere Ergebnisse bei Wahlen erreicht hat als je eine Partei zuvor. Formal ist das richtig. Doch es \u00e4ndert aber nichts daran, dass das BSW in eine tiefe Krise geraten wird.<\/p>\n<p>Erstens waren die Erwartungen weit h\u00f6her. Zweitens befinden sich bereits zwei BSW-Landesverb\u00e4nde in Landesregierungen, die sich von einer Parteichefin ohne Mandat nicht ewig hineinreden lassen werden. Ein Richtungskampf kann jederzeit ausbrechen, zumal die Angst vor neuen Mitgliedern dem BSW im ersten Jahr des Aufschwungs nun alle Dynamik geraubt hat.<\/p>\n<p>Die Entscheidung, zusammen mit CDU\/CSU und AfD im Bundestag f\u00fcr das \u203aZustrombegrenzungsgesetz\u2039 zu stimmen, hat das BSW die entscheidenden Stimmen gekostet. Anders als Wagenknecht meint, hat sie mit diesem prinzipienlosen Einknicken vor dem Rassismus der Rechten viel Sympathie verspielt, ohne Stimmen in anderen Milieus zu generieren.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr spricht auch ein Blick auf die W\u00e4hlerwanderungen. Das BSW hat von allen dazugewonnen, nur nicht von der AfD: Von den 2,47 Millionen Stimmen stammen nur 60 000 von ehemaligen AfD-W\u00e4hlern; der Rest der 2,46 Millionen Stimmen kam ziemlich gleichm\u00e4\u00dfig verteilt von den anderen Parteien.<\/p>\n<p><strong>Das BSW wurde im letzten Jahr nicht wegen, sondern trotz der Zugest\u00e4ndnisse an den AfD-Rassismus gew\u00e4hlt.<\/strong> Wagenknecht versteht das nicht; deshalb ist der Zersetzungsprozess des BSW ein Jahr nach Gr\u00fcndung bereits absehbar.<\/p>\n<p><strong>8. Priorit\u00e4t der kommenden Regierung: Aufr\u00fcstung<\/strong><\/p>\n<p>Wer geglaubt hat, der scharfe Ton zwischen den Kontrahenten Merz auf der einen und Scholz und Habeck auf der anderen Seite w\u00fcrde eine Regierungsbildung schwierig machen, untersch\u00e4tzt das Ausma\u00df an Opportunismus auf allen Seiten. Am Vorabend der Wahl polarisierte Merz in M\u00fcnchen noch in scharfen T\u00f6nen gegen Gr\u00fcne und SPD. Am Wahlabend schaltete er dann bereits um. Selbst S\u00f6der lie\u00df in der \u203aBerliner Runde\u2039 von ARD und ZDF pl\u00f6tzlich ein Hintert\u00fcrchen f\u00fcr Gespr\u00e4che mit den Gr\u00fcnen offen, solange das Wahlergebnis des BSW noch nicht feststand und eine Dreierkoalition notwendig erschien.<\/p>\n<p>Nachdem sich nur noch SPD und CDU\/CSU einigen m\u00fcssen, wird die Koalitionsbildung wahrscheinlich schnell \u00fcber die Runden gebracht. Denn die Parteien sind sich in dem wichtigsten Punkt einig: Die globale Lage erfordere eine \u00bbstarke Bundesrepublik in einem starken Europa\u00ab. \u00dcbersetzt: es geht um massive Aufr\u00fcstung und die politische F\u00fchrung in der EU im Konflikt mit Russland. Im Raum stehen 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts f\u00fcr das sogenannte Verteidigungsministerium.<\/p>\n<p><strong>Das w\u00e4ren 150 Milliarden Euro, also der bereits gestiegene Milit\u00e4rhaushalt <em>plus<\/em> das 100<\/strong> <strong>Milliarden Sonderverm\u00f6gen \u2013 <em>j\u00e4hrlich<\/em>. <\/strong><\/p>\n<p>Es geht f\u00fcr das deutsche Kapital um eine politische, d. h. milit\u00e4rische Gr\u00f6\u00dfe, die der wirtschaftlichen Gr\u00f6\u00dfe des Landes entspricht. Deutschland ist die drittst\u00e4rkste Volkswirtschaft. In einem global zugespitzten Kontext, in dem sowohl USA, als auch Russland und China Konkurrenten sind, wird die Bundesrepublik auch den drittst\u00e4rksten Milit\u00e4rhaushalt anstreben m\u00fcssen, um \u203aglaubw\u00fcrdig\u2039 zu sein. Darin sind sich CDU\/CSU und SPD einig.<\/p>\n<p>Zur \u201eGlaubw\u00fcrdigkeit\u201c geh\u00f6rt auch die Bereitschaft, Truppen einzusetzen. Nur wer bereit ist, \u203aFriedenstruppen\u2039 in die Ukraine zu entsenden, kann auch am Verhandlungstisch sitzen, um an der Beute beteiligt zu werden.<\/p>\n<p>Doch daf\u00fcr braucht es viele Soldatinnen und Soldaten. Das stellt die Wehrpflicht auf die Tagesordnung. Die AfD fordert bereits einen Wehrdienst von zwei Jahren f\u00fcr alle. Pistorius und Merz werden versuchen, sich hier die Butter nicht vom Brot nehmen zu lassen. Bereits am Wahlabend fragte Merz in der \u203aBerliner Runde\u2039, ob \u00bbwir nicht sehr viel schneller eigenst\u00e4ndige europ\u00e4ische Verteidigungspolitik herstellen m\u00fcssen\u00ab.<\/p>\n<p><strong>9. Die soziale Front<\/strong><\/p>\n<p>Es ist klar: Merz wird das Geld f\u00fcr die Aufr\u00fcstung bei den Arbeitenden und Armen holen wollen. Von der SPD als Juniorpartner von CDU\/CSU wird dagegen nicht mehr zu erwarten sein als von der Kanzlerpartei in der Ampel.<\/p>\n<p>Genau diese Hoffnung werden aber die Gewerkschaftsapparate sch\u00fcren. Die Mobilisierung der IG Metall am 15. M\u00e4rz sollen den Druck aufbauen, um die Verhandlungsposition der SPD zu st\u00e4rken. Nat\u00fcrlich sind solche Stra\u00dfenmobilisierungen zu unterst\u00fctzen. Aber am Ende wird es darum gehen, an der Streikfront in die Konfrontation zu gehen und sich nicht mit lausigen Deals abspeisen zu lassen wie <strong><a href=\"https:\/\/revolinks.de\/index.php\/2024\/12\/22\/hohe-kampfbereitschaft-lausiger-deal-lehren-aus-dem-kampf-bei-vw\/\">bei VW<\/a><\/strong>.<\/p>\n<p>Die Gewerkschaften d\u00fcrfen auf die Bundesregierung keine R\u00fccksicht mehr nehmen, nur weil die SPD immer noch mitregiert. Pistorius und Klingbeil als neue SPD-F\u00fchrung werden sich mit der Union absehbar auf nicht viel mehr als eine Lockerung der Schuldenbremse f\u00fcr Aufr\u00fcstung einigen; weitere soziale Zugest\u00e4ndnisse werden nur kommen, wenn die Gewerkschaften k\u00e4mpfen. Ein Infrastrukturfonds, auf den SPD und Gewerkschaftsapparate im Einklang mit dem Bundesverband der deutschen Industrie setzen, bedeutet f\u00fcr die Lebensrealit\u00e4t von Millionen wenig bis nichts.<\/p>\n<p>Allein in Berlin will die schwarz-rote Regierung aktuell 3 Milliarden Euro einsparen, vor allem bei Sozialem und Kultur. Daneben hat Merz Einsparungen beim B\u00fcrgergeld in H\u00f6he von 1,5 Milliarden Euro angek\u00fcndigt.<\/p>\n<p><strong>10. Was tun?<\/strong><\/p>\n<p>Die n\u00e4chsten Jahre werden vom Kampf gegen die Aufr\u00fcstung der Bundeswehr, die Entsendung von Truppen in die Ukraine und andere imperialistische Vorst\u00f6\u00dfe stehen, ebenso wie die Unterst\u00fctzung der Bundesregierung f\u00fcr die absehbare Fortsetzung des israelischen Krieges gegen Pal\u00e4stina. Das ist auch der ungel\u00f6ste Widerspruch in der Linkspartei, der in Zukunft zu neuen Bruchlinien in der Partei f\u00fchren wird.<\/p>\n<p>Ein imperialistischer Frieden in der Ukraine ist die falsche Antwort auf den imperialistischen Krieg. Ein imperialistisches Europa ist die falsche Antwort auf Trumps US-Imperialismus. Es geht um Verbr\u00fcderung von unten gegen die herrschenden Klassen aller L\u00e4nder. Der Widerstand von unten gegen den Militarismus der Merz-Regierung findet seine nat\u00fcrlichen Verb\u00fcndeten bei den Kriegsdienstverweigerern in Russland und der Ukraine.<\/p>\n<p>Im Innern wird die Merz-Regierung zum Angriff an der sozialen Front \u00fcbergehen. Die Verdi-B\u00fcrokratie hat es vers\u00e4umt, die Schw\u00e4che der \u00dcbergangsregierung f\u00fcr entschlossene Lohnk\u00e4mpfe zu nutzen. Doch die Kampfkraft ist weiter da: Der Rechtsruck bedeutet nicht, dass die Arbeiterbewegung entscheidend geschlagen worden w\u00e4re.<\/p>\n<p>Der Aufstieg der AfD ist eine t\u00f6dliche Gefahr. Der Kampf gegen diese faschistische Partei wird die n\u00e4chsten Jahre beherrschen. Wichtig ist, sich laut und deutlich gegen das Ausspielen der Klasse untereinander oder gegen sozial Schw\u00e4chere zu stellen. Daf\u00fcr wird es viel Sympathie geben, bei den Anh\u00e4ngern der Linkspartei ebenso wie im gr\u00fcnen oder sozialdemokratischen Milieu.<\/p>\n<p>Der Kampf gegen Rassismus wird weiter auf der Tagesordnung stehen \u2013 und damit insbesondere der Kampf gegen die faschistische AfD. Wir argumentieren f\u00fcr eine Einheitsfront aller Kr\u00e4fte links der Mitte gegen die \u00f6ffentlichen Auftritte der AfD, einschlie\u00dflich der Gr\u00fcnen und der SPD.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>AfD profitiert von Ampel-Versagen und CDU-Rassismus. 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