{"id":8499,"date":"2025-07-14T17:36:22","date_gmt":"2025-07-14T15:36:22","guid":{"rendered":"https:\/\/revolinks.de\/?p=8499"},"modified":"2025-07-17T15:30:27","modified_gmt":"2025-07-17T13:30:27","slug":"von-parlament-bis-strasse-die-doppelstrategie-der-afd-und-warum-sie-so-gefaehrlich-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/revolinks.de\/index.php\/2025\/07\/14\/von-parlament-bis-strasse-die-doppelstrategie-der-afd-und-warum-sie-so-gefaehrlich-ist\/","title":{"rendered":"Von Parlament bis Stra\u00dfe: Die Doppelstrategie der AfD und warum sie so gef\u00e4hrlich ist"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Die Aufm\u00e4rsche rechtsextremer Gruppen auf bundesweiter Ebene h\u00e4ufen sich. Unter verschiedenen Vorw\u00e4nden gehen sie auf die Stra\u00dfe, doch ihr eigentliches Ziel ist klar: Sie versuchen, rechtsextremes Gedankengut in der \u00d6ffentlichkeit zu normalisieren und oftmals ihr \u203aRevier\u2039 zu markieren. Um Mobilisierungserfolge zu erzielen, bedienen sie sich breiter B\u00fcndnisse, die auf den ersten Blick nicht rechtsradikal wirken. Aber wir k\u00f6nnen sie stoppen, meint unser Autor <\/strong><\/em><strong>Jan Trikole.<\/strong><\/p>\n<p>Ein Beispiel daf\u00fcr war der 31. Mai 2025: Unter dem Deckmantel des Protestb\u00fcndnisses \u203aGemeinsam f\u00fcr Deutschland\u2039 versuchten rechtsextreme Kr\u00e4fte, bundesweit sogenannte \u203aGro\u00dfdemos\u2039 in jedem Bundesland zu organisieren. Ihre Forderungen \u2013 wie \u00bbfl\u00e4chendeckende Grenzkontrollen\u00ab, \u00bbSchutz der Bev\u00f6lkerung\u00ab oder \u00bbKeine Bargeldabschaffung\u00ab \u2013 klingen auf den ersten Blick teilweise b\u00fcrgerlich, sind jedoch oft mit rassistischen, verschw\u00f6rungsideologischen oder autorit\u00e4ren Narrativen verkn\u00fcpft.<\/p>\n<p>Diese Strategie zielt darauf ab, gesellschaftliche Akzeptanz f\u00fcr extrem rechte Positionen zu schaffen und gleichzeitig den organisierten Rechtsextremismus zu st\u00e4rken.<\/p>\n<h6><strong>Das B\u00fcndnis und seine Tarnung<\/strong><\/h6>\n<p>Dieses B\u00fcndnis stammt aus dem Querdenker-Milieu und tarnt sich als eine Bewegung von B\u00fcrgern, die sich angeblich \u00bbeinfach nur unsicher in Deutschland f\u00fchlen\u00ab. Dass das nicht der Wahrheit entspricht, lie\u00df sich auf den vergangenen Demonstrationen deutlich beobachten. Neben so genannten \u203abesorgten B\u00fcrgern\u2039 marschierten dort waschechte Stiefelnazis mit \u2013 und genau das ist auch die Intention dahinter: Die Demonstrationen dienen als Sammelbecken f\u00fcr Rechte.<\/p>\n<h6><strong>Die Strategie der Rechten: T\u00e4uschung und Stra\u00dfenpr\u00e4senz<\/strong><\/h6>\n<p>Und sie versuchen durchaus erfolgreich, sich mit nationalistischen Scheinargumenten als Friedensbewegung zu inszenieren \u2013 ein Muster, das wir bereits von der AfD kennen, deren taktischer Fokus, eine verlogene Pose als \u203aFriedenspartei\u2039 zu vollf\u00fchren, viele zu t\u00e4uschen vermag. Dass diese Strategie auf einen sehr fruchtbaren Boden f\u00e4llt, ist kaum \u00fcberraschend in einer Zeit, da Gr\u00fcne und SPD zusammen mit CDU\/CSU Waffenlieferungen und unbegrenzte Aufr\u00fcstung vorantreiben, w\u00e4hrend die Linkspartei sich nicht eindeutig dagegen positioniert.<\/p>\n<p>Die Strategie der Rechten ist durchschaubar: Sie geben sich als breite Volksbewegung aus, w\u00e4hrend in ihren Reihen l\u00e4ngst offen faschistische Positionen vertreten werden. W\u00e4hrend die AfD das Parlament f\u00fcr ihre rechtsextreme Propaganda nutzt, ist es kein Zufall, dass immer mehr rechtsextreme Aufm\u00e4rsche in Deutschland stattfinden. Die AfD versucht gezielt, genauso pr\u00e4sent auf der Stra\u00dfe zu sein wie im Parlament \u2013 ein Muster, das man aus der Geschichte Deutschlands bereits kennt.<\/p>\n<p>Nazis bauen sich nicht \u00fcber Ideen und Argumente auf, sondern \u00fcber Gewalt. Die kleinen Selbstst\u00e4ndigen, die den Kern von faschistischen Bewegungen bilden, besitzen weder die wirtschaftliche Macht der gro\u00dfen Kapitalisten noch die soziale Macht der Gewerkschaften der Lohnabh\u00e4ngigen. Also wollen sie in martialischen Aufm\u00e4rschen demonstrieren, dass die Stra\u00dfen ihnen geh\u00f6ren und sie ihre Interessen mit Gewalt durchsetzen k\u00f6nnen. Die Nationalsozialisten bauten in der Weimarer Republik zu diesem Zweck ihre Sturmabteilung (SA) auf.<\/p>\n<h6><strong>Verflechtungen mit gewaltbereiten Extremisten<\/strong><\/h6>\n<p>Die enge Zusammenarbeit zwischen der AfD und Rechtsextremen sowie anderen radikalen Gruppen ist bekannt und kein neues Ph\u00e4nomen. Deutlich zeigt sich, wie die AfD ihre F\u00fchler in rechtsradikale Kreise ausstreckt, sich dort Kader sucht oder gemeinsame Sache mit ihnen macht. Diese Zusammenarbeit ist kein Zufall:<\/p>\n<p>Der ehemalige \u203aFl\u00fcgel\u2039, vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft, diente jahrelang als Scharnier zwischen der AfD und gewaltbereiten Gruppen (so auch offiziell der Bundesverfassungsschutzbericht 2022). AfD-Mitglieder wie Andreas Kalbitz wurden wegen Verbindungen zu verbotenen Vereinigungen verurteilt.<\/p>\n<p>Besonders be\u00e4ngstigend ist ihre Reichweite in den Sozialen Medien \u2013 einer ihrer meistgenutzten Propagandawege und zugleich ihr erfolgreichster. Durch den aggressiven Stil ihres Auftritts erreichen sie ein besonders junges Publikum, was sich auch auf der Stra\u00dfe widerspiegelt. Oft marschieren sie nicht unter dem Banner der AfD, sondern unter dem irgendeiner regionalen Kleinstorganisation. Doch eines ist klar: Sie teilen dasselbe Gedankengut.<\/p>\n<h6><strong>Das Scheitern der rechten Mobilisierung<\/strong><\/h6>\n<p>Selbst wenn sich all das be\u00e4ngstigend anh\u00f6rt, m\u00fcssen wir die letzten Versuche der Rechten, die Stra\u00dfen zu \u00fcbernehmen, ebenso n\u00fcchtern analysieren wie die Reaktionen des linken Spektrums und die Berichterstattung der Medien.<\/p>\n<p>Ein wiederkehrendes Muster ist die systematische \u00dcbertreibung der Teinehmerzahlen in rechten Kreisen. Am 31. Mai k\u00fcndigten Organisatoren in M\u00fcnster 2000 Teilnehmer an \u2013 tats\u00e4chlich kamen nur etwa hundert. In Berlin meldeten die Organisatoren 15 000 Demonstranten an, doch erschienen sind lediglich 700 bis 1000. Diese Beispiele stehen nicht isoliert da; eine vollst\u00e4ndige Liste der Fehleinsch\u00e4tzungen w\u00e4re umfangreich.<\/p>\n<p>Diese Protzerei erweckt nat\u00fcrlich den Eindruck des permanenten Scheiterns und f\u00fchrt innerhalb der rechten Szene zu Frustration und internen Konflikten. Besonders deutlich wurde das am Fall des rechtsextremen Aktivisten Ferhat Sent\u00fcrk, dessen angemeldete Aufm\u00e4rsche in Berlin von tausenden Gegendemonstranten durch Blockaden verhindert werden konnten, worauf er seine Demot\u00e4tigkeit komplett eingestellt hat. In einem \u00f6ffentlichen Statement erkl\u00e4rte er seinen R\u00fcckzug aus der Organisation weiterer Demonstrationen und aus der aktiven Politik.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>Die faschistischen Jugendlichen, die sich gerade in Kleinstgruppen zusammenfinden, sind noch keine SA. Die SA war in der Weimarer Republik eine straff organisierte Schl\u00e4gertruppe, die einheitliche Uniformen (die so genannten \u203aBraunhemden\u2039) trug, ihre Gegner einsch\u00fcchterte oder krankenhausreif schlug und Stra\u00dfenterror zelebrierte. Zum Jahreswechsel 1932\/33, kurz bevor die Weimarer Polit- und Wirtschaftseliten die Macht auf Hitler \u00fcbertrugen, z\u00e4hlte sie 427 000 Mann. Davon sind die Neonazis heute noch weit entfernt.<\/p>\n<p><strong>Aber die Betonung liegt auf: \u203anoch\u2039.<\/strong> Noch stehen gewaltbereite Jugendliche und offen faschistische Kleinstgruppen am Anfang, um wirkungsvolle Stra\u00dfeninszenierungen auszuprobieren. Noch tragen sie keine Uniformen. Und noch haben sie keine offizielle Verbindung zur AfD. Jetzt ist der Zeitpunkt zum Handeln gekommen. Jetzt k\u00f6nnen wir ihrem Aufbau einen Riegel vorschieben. Solange wir ihre Aufm\u00e4rsche zu einer Niederlage machen, bleiben sie unattraktiv f\u00fcr ihr Zielpublikum.<\/p>\n<h6><strong>Erfolgreicher Widerstand \u2013 aber es braucht mehr<\/strong><\/h6>\n<p>Die Erfolge in M\u00fcnster, Berlin und anderen St\u00e4dten zeigen deutlich: Wirksamer Widerstand gegen Rechts funktioniert nur durch entschlossenes Handeln. Es bleibt entscheidend, rechte Aufm\u00e4rsche konsequent zu blockieren und zu verhindern \u2013 diesen Weg m\u00fcssen wir weitergehen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an antifaschistischen Kundgebungen und Demonstrationen davon zu \u00fcberzeugen, dass Protest allein nicht reicht und man die Kraftmeierei der Nazis aktiv unterbinden muss, indem man sich ihren Aufm\u00e4rschen in den Weg stellt und ihnen eine Niederlage zuf\u00fcgt, ist entscheidend.<\/p>\n<p>Die gut besuchten antifaschistischen Demonstrationen zeigen deutlich, dass ein wachsendes Bewusstsein f\u00fcr die Gefahren der AfD entstanden ist. Das wurde bei verschiedenen Protesten sichtbar, wie nach den Enth\u00fcllungen \u00fcber das geheime AfD-Treffen im November 2023 in Potsdam, bei dem Pl\u00e4ne f\u00fcr millionenfache Abschiebungen diskutiert wurden, als die CDU Ende Januar 2025 gemeinsam mit der AfD einen umstrittenen Antrag zur Versch\u00e4rfung der Migrationspolitik durch den Bundestag brachte und aktuell angesichts der zunehmenden rechtsextremen Aufm\u00e4rsche.<\/p>\n<p>Doch das reicht nicht. Es gen\u00fcgt nicht, einfach nur ein Pappschild mit einem witzigen Spruch hochzuhalten. Wir d\u00fcrfen den Nazis keinen Zentimeter Stra\u00dfe \u00fcberlassen. Das bedeutet: Wir brauchen entschlossene, direkte Aktionen gegen Rechts. Doch auch hier reicht es nicht aus, wenn sich nur kleine autonome Gruppen zusammenfinden und vereinzelte Aktionen durchf\u00fchren. Zwar haben auch solche Aktionen ihre Berechtigung, aber das Entscheidende ist: Wir m\u00fcssen die Massen mobilisieren! Nur wenn wir eine deutliche Mehrheit gegen die Nazis auf die Stra\u00dfe bringen, die Kante gegen\u00fcber den Rechten zeigen, k\u00f6nnen wir den Rechtsextremen wirklich Einhalt gebieten.<\/p>\n<h6><strong>Medien: Verharmlosung der Rechten, Diffamierung des Widerstands<\/strong><\/h6>\n<p>Die Berichterstattung der Medien zeigt erneut ein fatales Ungleichgewicht: Die rechtsextremen Aufm\u00e4rsche werden oft verharmlosend oder passiv dargestellt werden:<\/p>\n<p><em>Bild<\/em> titelte im Januar 2024 \u00fcber eine Neonazi-Mahnwache in Frankfurt: \u00bbTrauernde Freunde gedenken\u00ab \u2013 ohne die Hakenkreuz-Aufn\u00e4her in der Menge zu erw\u00e4hnen.<\/p>\n<p>Der <em>Spiegel<\/em> bezeichnete Teilnehmer des \u203aTags der deutschen Zukunft\u2039 2023 als \u00bbbesorgte B\u00fcrger\u00ab, obwohl Redner offen rassistische Hetze verbreiteten.<\/p>\n<p>In ARD-Talkshows wird die AfD als \u00bbkontroverse Stimme\u00ab eingeladen, ohne ihre Extremismus-Verbindungen zu thematisieren.<\/p>\n<p>W\u00e4hrenddessen stehen linke Protestaktionen regelm\u00e4\u00dfig unter Generalverdacht. Statt die reale Bedrohung durch Faschisten zu thematisieren, diffamieren viele Medien zivilgesellschaftlichen Widerstand als \u00bb\u00fcbertrieben\u00ab. Gleichzeitig wird das schikan\u00f6se Vorgehen der Polizei gegen Demonstrantinnen und Demonstranten entweder verschwiegen oder als \u00bbnotwendig\u00ab dargestellt. Ausgeblendet wird hingegen, dass Politik und Polizei die Nazis und ihre Aufm\u00e4rsche sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Jeder verhinderte rechtsextreme Aufmarsch ist ein Sieg f\u00fcr den Antifaschismus. Aber wir m\u00fcssen den Nazis auch den N\u00e4hrboden entziehen. Wir m\u00fcssen uns in soziale K\u00e4mpfe werfen, denn nur sie haben das Potenzial, dem auch bei Konservativen und Liberalen grassierenden Rassismus Einhalt zu gebieten. Je radikaler und breiter der Widerstand der Lohnabh\u00e4ngigen wird, desto weniger Raum bleibt Faschisten f\u00fcr ihre Propaganda und ihren Aufbau.<\/p>\n<h6><strong>Von Berlin bis M\u00fcnster: Wie St\u00e4dte rechtsextreme Aufm\u00e4rsche stoppen<\/strong><\/h6>\n<p>Im letzten Winter und Fr\u00fchling suchten Rechtsextreme in Berlin-Friedrichshain die Konfrontation \u2013 und erlebten eine deutliche Niederlage. Obwohl sie unter dem Deckmantel \u00bbF\u00fcr Recht und Ordnung\u00ab auftreten wollten, zwang massiver ziviler Widerstand und eine umgeleitete Route sie in die Defensive. Berlin gab den Nazis keinen Meter \u2013 trotz massiver Polizeipr\u00e4senz zu ihren Gunsten.<\/p>\n<p>Doch dieses Ph\u00e4nomen beschr\u00e4nkt sich nicht auf die Hauptstadt. Selbst im vermeintlich \u203ab\u00fcrgerlichen\u2039 M\u00fcnster, wo die AfD bei der Bundestagswahl 2025 nur auf kl\u00e4gliche sechs Prozent kam, versuchen Neonazis, die Stadt einzusch\u00fcchtern. Doch auch hier zeigt sich: Die Zivilgesellschaft l\u00e4sst sich nicht brechen.<\/p>\n<p><strong>Bereits am 31. Mai und 5. Juli scheiterten ihre Aufm\u00e4rsche kl\u00e4glich.<\/strong> Dank tausender M\u00fcnsteraner, die sich den Faschisten in den Weg stellten, kamen die Nazis nur wenige Meter weit \u2013 und mussten schlie\u00dflich umkehren. Doch sie geben nicht auf. Ihr Ziel ist klar: Sie wollen testen, wie weit sie gehen k\u00f6nnen, und ihre Pr\u00e4senz normalisieren.<\/p>\n<p>Doch M\u00fcnster hat bewiesen: Hier haben sie keine Chance!<\/p>\n<p><strong>Aufruf zum Widerstand: Nazis blockieren \u2013 am 19. Juli in M\u00fcnster und Berlin!<\/strong><\/p>\n<p><strong>Jetzt kommt es darauf an, auch ihren n\u00e4chsten Aufmarsch am 19. Juli um 12 Uhr in die Sackgasse zu f\u00fchren. Gemeinsam k\u00f6nnen wir ihnen zeigen: Diese Stadt geh\u00f6rt nicht den Faschisten!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Aufm\u00e4rsche rechtsextremer Gruppen auf bundesweiter Ebene h\u00e4ufen sich. Unter verschiedenen Vorw\u00e4nden gehen sie auf die Stra\u00dfe, doch ihr eigentliches Ziel ist klar: Sie versuchen, rechtsextremes Gedankengut in der \u00d6ffentlichkeit zu normalisieren und oftmals ihr \u203aRevier\u2039 zu markieren. Um Mobilisierungserfolge zu erzielen, bedienen sie sich breiter B\u00fcndnisse, die auf den ersten Blick nicht rechtsradikal wirken. 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