{"id":8576,"date":"2025-08-11T16:21:06","date_gmt":"2025-08-11T14:21:06","guid":{"rendered":"https:\/\/revolinks.de\/?p=8576"},"modified":"2025-08-12T17:07:07","modified_gmt":"2025-08-12T15:07:07","slug":"von-muenster-lernen-wie-eine-stadt-die-nazis-stoppt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/revolinks.de\/index.php\/2025\/08\/11\/von-muenster-lernen-wie-eine-stadt-die-nazis-stoppt\/","title":{"rendered":"Von M\u00fcnster lernen: Wie eine Stadt die Nazis stoppt"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Der Aufstieg der AfD in den Umfragen ist besorgniserregend. Umso mehr, da er Stiefelnazis genug Selbstvertrauen verleiht, um auf der Stra\u00dfe Pr\u00e4senz zu zeigen. Doch die Faschisten lassen sich aufhalten \u2013 und der antifaschistische Widerstand kann umgekehrt den Aufstieg der Linken befl\u00fcgeln. Wie das geht, zeigen die Erfahrungen aus der Stadt M\u00fcnster.<\/em> Jan Trikole <em>berichet<\/em>.<\/strong><\/p>\n<p>Willkommen in M\u00fcnster, wo Faschisten sich selbst mehr im Weg stehen als ihre Gegner. Die Stadt ist ein hartes Pflaster f\u00fcr die Rechten \u2013 nicht zuletzt, weil dort gezielte Blockaden aller AfD-Versammlungen deren Aufbau nachhaltig behindert haben. In keiner Gro\u00dfstadt bekommt die AfD so Wenig Prozente wie in M\u00fcnster. Dies provozierte die rechten Schl\u00e4ger, die in M\u00fcnster den Spie\u00df umdrehen wollen.<\/p>\n<p><strong>Mitte Juli riefen Neonazis zum Aufmarsch auf. Es kamen gerade einmal 90 Rechte \u2013 und die standen am Anfang erst einmal zweieinhalb Stunden tatenlos herum. Es war bereits der dritte Versuch neonazistischer Gruppen, in den letzten zwei Monaten durch M\u00fcnsters Stra\u00dfen zu ziehen. <\/strong><\/p>\n<p>Den Anfang machten die bundesweit synchronisierten Aufm\u00e4rsche, bei denen die Braunen sich erstmals seit 13 Jahren wieder offen auf die Stra\u00dfe trauten. Dann folgten Dortmunder Neonazis der rechtsextremen Partei \u201eDie Heimat\u201c (ehemals NPD), die in M\u00fcnster marschieren wollten. Und nun bekamen wir Besuch von Dorstfelder Neonazis.<\/p>\n<p>Doch bei allen Versuchen wurden sie von der M\u00fcnsteraner Zivilgesellschaft deutlich abgelehnt \u2013 einer Stadtgesellschaft, die sich klar gegen Neonazis positioniert und aktiv wird, wenn die Polizei sie dennoch sch\u00fctzt und auf die Stra\u00dfe l\u00e4sst.<\/p>\n<h6><strong>31. Mai: Blockaden f\u00fchren zum Erfolg<\/strong><\/h6>\n<p>Beim ersten Versuch, die M\u00fcnsteraner \u201eBrandmauer\u201c zu durchbrechen, konnten Querdenker und ihre braunen Freunde die Stadt nicht genie\u00dfen: Stra\u00dfenblockaden trieben sie umher, und egal wie die Polizei die Route \u00e4nderte \u2013 neue St\u00f6raktionen lie\u00dfen nicht lange auf sich warten. Ein voller Erfolg f\u00fcr M\u00fcnster!<\/p>\n<h6><strong>Zweiter Versuch: Eigene Inkompetenz als Hindernis<\/strong><\/h6>\n<p>Beim zweiten Aufmarsch der Dortmunder Neonazis scheiterte der Aufzug erneut \u2013 diesmal vor allem am eigenen Verhalten. Durch martialisches Auftreten, das an braune Paramilit\u00e4rs erinnerte, stellten sie sich selbst ein Bein. Die Polizei sah sich angesichts des lauten und zahlreichen Auftretens des antifaschistischen Gegenb\u00fcndnisses die Nazis zu isolieren und aus der Stadt zu begleiten.<\/p>\n<h6><strong>Dritter Akt: Spaziergang im Polizeik\u00e4fig<\/strong><\/h6>\n<p>Der j\u00fcngste Versuch am 19. Juli war kaum weniger peinlich: Wieder martialisches Gehabe, wieder \u00fcberzogene Aggression, wieder Auflagen der Polizei. Nach zweieinhalb Stunden und etlichen Durchsagen durften sie endlich los \u2013 doch es war nur ein \u201eSpaziergang im K\u00e4fig\u201c. Die Polizei gew\u00e4hrte unter dem Druck von links nur eine kurze Route, abgesichert mit Doppelreihen von Einsatzwagen und sogenannten Hamburger Gittern. Man kann es Personenschutz f\u00fcr die Braunen nennen \u2013 de facto liefen sie in einem beweglichen K\u00e4fig abgeschottet vom Rest der Stadt.<\/p>\n<p>Zwar gab es diesmal keine direkten Aktionen gegen die Nazis, aber sie bekamen trotzdem nicht, was sie wollten: 700 laute Antifaschistinnen und Antifaschisten \u2013 so viele Menschen standen als Gegenprotest bereit \u2013 machten kreativ und entschlossen klar. Die Frustration der 90 Neonazis war un\u00fcbersehbar.<\/p>\n<h6><strong>Breites antifaschistisches Spektrum wichtig<\/strong><\/h6>\n<p>Dass Neonazis ausgerechnet M\u00fcnster ins Visier nehmen, ist kein Zufall. In einer Stadt, in der die AfD bei den letzten Bundestagswahlen vergleichsweise geringe 6 Prozent holte, versuchen sie, die antifaschistische Kultur zu brechen \u2013 mit Provokationen, Einsch\u00fcchterung und dem Ziel, ihre braun-blaue Ideologie auch hier zu normalisieren.<\/p>\n<p><strong>Der Staat sch\u00fctzt uns nicht vor Faschismus. Geschichte lehrt: Keine Verbotsforderung, nur organisierte Gegenmacht kann ihn aufhalten.<\/strong><\/p>\n<p>Wenn wir uns nicht spalten lassen, wenn Gewerkschaften, Studierende, Nachbarschaften und Antifaschisten gemeinsam handeln, wird M\u00fcnster f\u00fcr Nazis unbegehbar bleiben. Um sie nachhaltig zu stoppen, reicht das radikale Kernspektrum nicht aus. Wir brauchen breite Blockaden, die die Rechten demoralisieren und isolieren.<\/p>\n<p><strong>M\u00fcnster zeigt: Naziaufm\u00e4rsche scheitern, wenn wir uns entschlossen entgegenstellen. <\/strong><\/p>\n<p>Am 13. September will die NPD-Nachfolgepartei \u201eDie Heimat\u201c es erneut ausprobieren, wie es ist, in M\u00fcnster zu marschieren.<\/p>\n<p><strong>Wir tun, was wir am besten k\u00f6nnen: Gemeinsam machen wir die Stadt zur H\u00f6lle f<\/strong><strong>\u00fcr Faschisten! Kommt zur Demo <\/strong><strong>\u2013 kein Meter den Nazis!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Aufstieg der AfD in den Umfragen ist besorgniserregend. Umso mehr, da er Stiefelnazis genug Selbstvertrauen verleiht, um auf der Stra\u00dfe Pr\u00e4senz zu zeigen. Doch die Faschisten lassen sich aufhalten \u2013 und der antifaschistische Widerstand kann umgekehrt den Aufstieg der Linken befl\u00fcgeln. Wie das geht, zeigen die Erfahrungen aus der Stadt M\u00fcnster. Jan Trikole berichet. 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