{"id":8649,"date":"2025-09-16T10:57:51","date_gmt":"2025-09-16T08:57:51","guid":{"rendered":"https:\/\/revolinks.de\/?p=8649"},"modified":"2025-09-16T12:52:58","modified_gmt":"2025-09-16T10:52:58","slug":"20-000-fordern-am-brandenburger-tor-stoppt-den-voelkermord-in-gaza","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/revolinks.de\/index.php\/2025\/09\/16\/20-000-fordern-am-brandenburger-tor-stoppt-den-voelkermord-in-gaza\/","title":{"rendered":"20 000 fordern am Brandenburger Tor: Stoppt den V\u00f6lkermord in Gaza!"},"content":{"rendered":"<h2>Die Stimmung kippt \u2013 der Tabuisierungsdruck verliert seine Wirkung<\/h2>\n<p><strong>Ein Kommentar von Karl Naujoks<\/strong><\/p>\n<p>Der 13. September markiert einen wichtigen Wendepunkt im langanhaltenden Konflikt mit der pro-israelischen Politik der Bundesregierung. Gut 20 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer standen an diesem Tag dichtgedr\u00e4ngt vor der B\u00fchne, direkt vor dem Brandenburger Tor. In riesigen Lettern war zu lesen: \u00bbStoppt den V\u00f6lkermord in Gaza!\u00ab Darunter: \u00bbKeine Waffen in Kriegsgebiete!\u00ab<\/p>\n<p>Das ist neu. So deutlich und offen konnte in fast zwei Jahren Krieg noch nicht gegen Israels Krieg und die Kollaboration der Bundesregierung mit deren Verbrechen demonstriert werden. Und das vor dem bekanntesten Bauwerk des Landes, in Sichtweite zum Bundestag. Das hat den Charakter eines symbolischen Sieges f\u00fcr die Pal\u00e4stina-Solidarit\u00e4t.<\/p>\n<h6><strong>Verleumdungen fruchten nicht<\/strong><\/h6>\n<p>Die rechten und liberalen Rechtfertiger des Massenmordes am pal\u00e4stinensischen Volk hatten im Vorfeld versucht, das zu verhindern. Erbittert wurde die vom <em>B\u00fcndnis Sahra Wagenknecht <\/em>(BSW) angemeldete Kundgebung im \u00fcblichen Modus verunglimpft. Der <em>Tagesspiegel<\/em> oder die Springer-Medien gei\u00dfelten sie als \u00bbQuerfront\u00ab-Veranstaltung \u2013 also ein Zusammenkommen von Linken und Faschisten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-large wp-image-8663\" src=\"https:\/\/revolinks.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/2025-09-13-Palaestinademo-1-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/revolinks.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/2025-09-13-Palaestinademo-1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/revolinks.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/2025-09-13-Palaestinademo-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/revolinks.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/2025-09-13-Palaestinademo-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/revolinks.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/2025-09-13-Palaestinademo-1.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/>Verzweifelt versuchten sie, die Demonstrantinnen und Demonstranten in die N\u00e4he des Antisemitismus zu r\u00fccken, um die Mobilisierung zu stoppen \u2013 vergeblich. Vor Ort trafen wir Leute, die auch aus Protest gegen eben diese Verleumdungen kamen.<\/p>\n<p>Zwei Tage vor der Kundgebung folgte dann das Verbot durch die Polizei, am Brandenburger Tor zu demonstrieren. Angeblich kollidiere die Veranstaltung mit dem Berliner Marathon (der ein Woche sp\u00e4ter stattfindet). Aber auch dieser Unterdr\u00fcckungsversuch scheiterte, weil sich das BSW mit den Veranstaltern des Marathons einig wurde.<\/p>\n<h6><strong>Alle auf zum 27. September!<\/strong><\/h6>\n<p>Die Massenkundgebung ist ein Erfolg f\u00fcr die Pal\u00e4stina-Solidarit\u00e4t, die seit Ausbruch des Kriegs unter dem Druck massiver Repressionen durch die Polizei und Innenministerien, sowie einer medialen Verleumdungskampagne steht. Der Erfolg dieser Kundgebung wird die Mobilisierung zur Gro\u00dfdemonstration <em>Alle zusammen f\u00fcr Gaza<\/em> am 27. September in Berlin weiter anfachen, zu der Massen aus dem gesamten Bundesgebiet erwartet werden.<\/p>\n<h6><strong>Herausforderungen<\/strong><\/h6>\n<p>Ungeachtet des unbestreitbaren Erfolges der Kundgebung vor dem Brandenburger Tor sind zugleich die Herausforderungen f\u00fcr die Bewegung deutlich geworden.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal ist die Politik des BSW eine Politik des Appells an die Herrschenden. Sahra Wagenknecht skandalisiert den V\u00f6lkermord, aber nirgends schl\u00e4gt sie den Aufbau einer breiten Bewegung gegen die Herrschenden vor. Im Gegenteil: Wenn es um die Ukraine geht (und dabei ging es in ihrer Rede sehr schnell), preist sie den russischen Imperialismus als Verhandlungspartner f\u00fcr die westlichen Imperialisten an.<\/p>\n<p>Das BSW hat die Demonstration auch praktisch im Alleingang hochgezogen \u2013 die Leute kamen, um Wagenknecht zu sehen, sowie die prominenten Mitaufrufer wie Didi Hallervorden, Roger Waters und den Rapper Massiv. Aber eine solche Kundgebung, so ergreifend die Reden teils waren, ersetzt kein B\u00fcndnis und keine gemeinsame Bewegung.<\/p>\n<p>Allerdings: Was den 13. September angeht, liegt die Verantwortung f\u00fcr die Spaltung der Bewegung bei jenen Kr\u00e4ften, die sich der Solidarisierung mit dem Aufruf verweigert haben.<\/p>\n<p><strong>Eines war auff\u00e4llig: In der Masse waren praktisch keine Fahnen der Linkspartei zu entdecken.<\/strong><\/p>\n<p>Hat sich die Parteif\u00fchrung der Linken in einem qu\u00e4lend langen Prozess nun endlich dahin geeiert, die Demonstration f\u00fcr Gaza am 27. September zu unterst\u00fctzen, so sind bei einer von Wagenknecht gepr\u00e4gten Kundgebung offenbar die sektiererischen Reflexe zu stark, als dass sie sich in den Protest gegen den V\u00f6lkermord einreihen w\u00fcrde.<\/p>\n<h6><strong>Pal\u00e4stinensische Gemeinde<\/strong><\/h6>\n<p>Wagenknecht selbst spiegelt diese Haltung wider. Ihr Fremdeln gegen\u00fcber allem, was migrantisch ist, dr\u00fcckte sich in der gr\u00f6\u00dften Leerstelle aus. Auf der B\u00fchne war die pal\u00e4stinensische Gemeinde nicht vertreten. Einzig Rapper Massiv sprach aus der Perspektive Betroffener und betonte, wie schwer es f\u00fcr Gefl\u00fcchtete sei, die durch diesen neuen Krieg erneut produziert werden.<\/p>\n<p>Das war wichtig \u2013 aber viel zu wenig. Ein Rapper ist zun\u00e4chst einmal K\u00fcnstler. Im Kampf gegen die Kollaboration des deutschen Staates mit Israels Krieg brauchen wir ein B\u00fcndnis aus Organisationen, die Zehntausende vertreten.<\/p>\n<h6><strong>Lohnabh\u00e4ngige Migranten erreichen und mobilisieren<\/strong><\/h6>\n<p>Dabei waren zahlreiche Pal\u00e4stinenserinnen und Pal\u00e4stinenser in der Masse am 13. September zu sehen. Und zwar deutlich auch solche, die nicht zum Kernspektrum der studentischen und von Exilorganisationen gepr\u00e4gten Milieus geh\u00f6ren. F\u00fcr ganz gew\u00f6hnliche Familien mit Migrationshintergrund, die \u00fcblicherweise nicht auf Demonstration gehen, f\u00fchlte es sich so an, dass Wagenknecht und andere Prominente ihnen und ihren Gef\u00fchlen pl\u00f6tzlich eine \u00f6ffentlich wahrnehmbare Stimme geben.<\/p>\n<p><strong>Doch dieses Gef\u00fchl kann sich so schnell verfl\u00fcchtigen, wie es gekommen ist. Es gilt, auf dem Erfolg aufzubauen. <\/strong><\/p>\n<p>Schl\u00fcssel diesbez\u00fcglich sind die Gewerkschaften, die als einzige Massenorganisationen migrantische und nicht-migrantische Lohnabh\u00e4ngige zusammenbringen. Es ist der Grundfehler des gewerkschaftlichen Apparates, sich aus den \u203apolitischen\u2039 Konflikten heraushalten zu wollen, die mitregierende SPD zu schonen und keine Stellung gegen den V\u00f6lkermord zu beziehen.<\/p>\n<h6><strong>Antikriegsbewegung und Gaza-Solidarit\u00e4t zusammenbringen<\/strong><\/h6>\n<p>Die Kundgebung selbst ist Beleg, dass eine substanzielle Ausweitung der pal\u00e4stinasolidarischen Bewegung m\u00f6glich ist. Die Massen kamen nicht wegen der Prominenz auf der B\u00fchne. Sondern, weil diese bereit waren, einer angesichts der Verbrechen stark gewachsenen Wut Ausdruck zu verleihen.<\/p>\n<p><strong><em>Die Kundgebung selbst ist auch Beleg, dass die Stimmung kippt: Bislang stellte der von Bundesregierung, Parteien, Medien und Polizei aufgebaute Tabuisierungsdruck sicher, dass das verbreitete Entsetzen meist nur hinter vorgehaltener Hand ge\u00e4u\u00dfert worden ist. Doch die Wut dr\u00e4ngt nun immer lauter nach au\u00dfen.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Auf der B\u00fchne gab es am 13. September sehr bewegende Reden. Insbesondere Hallervorden erreichte die Masse mit seinem Gedicht <em>Gaza, Gaza<\/em>, das mit ergreifenden Bildern unterlegt war; in seiner militanten Rede forderte der 90-J\u00e4hrige \u00fcberdies jungen Menschen dazu auf, sich mit den angek\u00fcndigten Wehrerfassungsb\u00f6gen der Bundeswehr den Hintern abzuwischen.<\/p>\n<p><strong>Er schrie zur Begeisterung aller heraus: \u00bbKriegst\u00fcchtigkeit ist das Unwort des Jahrzehnts!\u00ab W\u00e4hrend der Kundgebung brandeten an anderen Stellen Sprechch\u00f6re auf wie: \u00bbNie wieder Krieg!\u00ab Oder: \u00bbFree Gaza!\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>An der Verbindung dieser beiden Themen zeigt sich ein weiterer Fortschritt. Zu der Demonstration der Antikriegsbewegung vor einem Jahr am 3. Oktober 2024, auf der ebenfalls Wagenknecht in Berlin sprach, war Pal\u00e4stina im Aufruf und auf der B\u00fchne noch \u00fcberhaupt kein Thema.<\/p>\n<p>Das pro-pal\u00e4stinensische Kufiya-Netzwerk hatte damals ein relevantes Pal\u00e4stina-Kontingent zum 3. Oktober nach Berlin mobilisiert. Der Pal\u00e4stinablock fand sich vor Ort aber wie ein separater Teil innerhalb der Gro\u00dfdemonstration wieder.<\/p>\n<p>Das war nun anders. Dieselbe Bundesregierung, die Milliarden und Abermilliarden in die Aufr\u00fcstung steckt, unterst\u00fctzt zugleich auch Israel in seinem m\u00f6rderischen Krieg gegen die pal\u00e4stinensische Bev\u00f6lkerung. Beides kam auf der Kundgebung am 13. September das erste Mal klar und deutlich zusammen. An diesem Geist sollten ankn\u00fcpfen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-large wp-image-8664\" src=\"https:\/\/revolinks.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/2025-09-13-Palaestinademo-3-1-1024x576.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"576\" srcset=\"https:\/\/revolinks.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/2025-09-13-Palaestinademo-3-1-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/revolinks.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/2025-09-13-Palaestinademo-3-1-300x169.jpg 300w, https:\/\/revolinks.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/2025-09-13-Palaestinademo-3-1-768x432.jpg 768w, https:\/\/revolinks.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/2025-09-13-Palaestinademo-3-1-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/revolinks.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/2025-09-13-Palaestinademo-3-1-620x350.jpg 620w, https:\/\/revolinks.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/2025-09-13-Palaestinademo-3-1.jpg 1890w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Stimmung kippt \u2013 der Tabuisierungsdruck verliert seine Wirkung Ein Kommentar von Karl Naujoks Der 13. 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