{"id":8776,"date":"2025-11-18T14:49:47","date_gmt":"2025-11-18T13:49:47","guid":{"rendered":"https:\/\/revolinks.de\/?p=8776"},"modified":"2025-11-18T14:49:47","modified_gmt":"2025-11-18T13:49:47","slug":"kuenstliche-intelligenz-gefahr-chance-oder-hype","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/revolinks.de\/index.php\/2025\/11\/18\/kuenstliche-intelligenz-gefahr-chance-oder-hype\/","title":{"rendered":"K\u00fcnstliche Intelligenz: Gefahr, Chance oder Hype?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Seitdem der amerikanische Technologiekonzern <em>OpenAI<\/em> Ende 2022 die Chat-GPT zum ersten Mal \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich machte, ist \u201eK\u00fcnstliche Intelligenz\u201c (KI) \u00fcberall. Windows-Computer haben jetzt einen \u201eKI-Kopiloten\u201c. Immer mehr Websites, Videos und Internet-Posts sind KI-generiert. Der bayrische Ministerpr\u00e4sident Markus S\u00f6der sagte letztes Jahr: \u201eMit KI und den M\u00f6glichkeiten wird unser Leben besser. Wir werden Dinge machen k\u00f6nnen, an die denken wir heute noch gar nicht.\u201c Was ist da dran? <em>Jannis Wahoff<\/em> gibt Antworten<\/strong><\/p>\n<p>\u201eK\u00fcnstliche Intelligenz\u201c oder kurz KI wird viel als <em>die<\/em> Zukunftstechnologie verkauft, die die Arbeitswelt revolutioniert und menschliche Arbeitskraft im breiten Ma\u00dfstab ersetzen wird. Die Verm\u00f6genden wittern ihre Chance: An der B\u00f6rse schie\u00dfen die Kurse jener Werte durch die Decke, die mit KI in Verbindung stehen. Tats\u00e4chlich ist KI nur eine weitere technologische Innovation, die auf der Ausbeutung vergangener und gegenw\u00e4rtiger menschlicher Arbeitskraft beruht.<\/p>\n<h6><strong>Was ist KI?<\/strong><\/h6>\n<p>Das, was heute als KI verkauft wird, sind \u201eLarge Language Models\u201c \u2013 zu deutsch: \u201eGro\u00dfe Sprachmodelle\u201c. Gro\u00dfe Sprachmodelle funktionieren wie eine komplexere Variante der Textvorschl\u00e4ge von modernen Smartphones. KI-Anwendungen wie <em>Chat-GPT<\/em> haben dazu millionenfach digital verf\u00fcgbare Dokumente durchk\u00e4mmt \u2013 zum Beispiel Websites, Artikel, aber auch eingescannte B\u00fccher oder Internetkommentare \u2013 verarbeitet. Auf Grundlage dieser Durchk\u00e4mmungsaktionen geben sie auf Anfrage die statistisch wahrscheinlichste Antwort auf eine Frage wieder (oder das statistisch wahrscheinlichste Bild, die wahrscheinlichste Tonspur oder Video).<\/p>\n<p><strong>Mit anderen Worten: Chat-GPT des amerikanischen Unternehmens <em>Open AI<\/em> hat die Daten, die Milliarden von Menschen zuvor in das Netz eingegeben haben, abgesch\u00f6pft \u2013 da facto geklaut. <\/strong><\/p>\n<p>So wurde das Urheberrecht erst einmal au\u00dfer Kraft gesetzt. W\u00e4hrend normale Menschen f\u00fcr \u201eillegales\u201c Herunterladen von Filmen oder anderen urheberrechtlich gesch\u00fctzten Quellen mit strafrechtlicher Verfolgung rechnen m\u00fcssen, konnten die Technologiekonzerne bislang weitgehend folgenlos das Urheberrecht aller Verlage ignorieren.<\/p>\n<p>Die eigentlichen Prozesse, wie ein Modell zu einer Antwort kommt, k\u00f6nnen wegen der unglaublichen Datenmengen nicht mehr durchschaut werden. Dennoch ist ein Gro\u00dfes Sprachmodell \u00fcberhaupt keine Intelligenz wie die von Menschen, oder von K\u00fcnstlicher Intelligenz in Film und Fernsehen. Im Prinzip k\u00f6nnte alles, was Chat-GPT macht, mit Millionen Rechenknechten und Milliarden Bl\u00e4ttern Papier per Hand gerechnet werden.<\/p>\n<h6><strong>Ressourcenverbrauch<\/strong><\/h6>\n<p>Die Daten, auf denen die Modelle basieren, sind gr\u00f6\u00dftenteils relativ einfach. Es handelt sich um Texte und Bilder \u2013 B\u00fccher und Zeitungen, Artikel und Kommentare, aus dem Internet automatisiert abgerufen; oder auch um eingescannte analoge Werke aus Datenbanken, die Konzerne wie <em>Google<\/em> f\u00fcr genau solche Zwecke in den 2010er Jahren hat erstellen lassen.<\/p>\n<p><strong>Aber damit diese Daten auch zur Erstellung von Gro\u00dfen Sprachmodellen genutzt werden konnten, mussten sie erstmal von Lohnabh\u00e4ngigen eingeordnet sein. Nur deshalb \u201ewei\u00df\u201c Chat-GPT, was der Unterschied zwischen einem Goethe-Gedicht und einem Hasskommentar ist. Viele tausende Arbeiter \u00fcberall auf der Welt haben jahrzehntelang diese eint\u00f6nige Arbeit mit Texten und Bildern gemacht \u2013 ihre vergangene, \u201etote\u201c Arbeit l\u00e4sst ChatGPT nun lebend erscheinen, als sei es die intelligente Sch\u00f6pfung einer Maschine.<\/strong><\/p>\n<p>Und: KI sch\u00f6pft nicht nur vergangene Arbeit ab. Versteckt hinter dem schicken Interface von ChatGPT sind zwar keine Schreiberlinge, die einzeln Wortteile per Hand berechnen, aber dennoch Millionen Arbeiterinnen und Arbeiter, die jeden Tag die physische und digitale Infrastruktur f\u00fcr die Gro\u00dfen Sprachmodelle ausbauen.<\/p>\n<p>KI verbraucht neben der Arbeit von Lohnabh\u00e4ngigen auch nat\u00fcrliche Ressourcen, insbesondere Strom zum Betreiben und Wasser zum K\u00fchlen der Rechenzentren, als auch seltene Erden zur Produktion technisch unerl\u00e4sslicher, hochmoderner Grafikchips. Allerdings: Auch die Gewinnung dieser Ressourcen repr\u00e4sentiert am Ende eine ungeheure enorme Menge menschlicher Arbeit \u2013 sei es von jenen, die Kraftwerke bauen, installieren, betreiben oder warten, seien es die Bergleute in irgendwelchen Minen.<\/p>\n<h6><strong>Von Piraten und Entwicklern<\/strong><\/h6>\n<p>Die Kapitalisten der m\u00e4chtigen L\u00e4nder und ihre Regierungen erhoffen sich aus KI den Weg der Krise. Selbst das digital im Vergleich zu den USA und China zur\u00fcckgebliebene Deutschland baut die Bundesnetzagentur mit Stellen f\u00fcr KI aus. Deshalb wird massiv investiert und alles erlaubt.<\/p>\n<p>Beim Urheberrecht gibt es die skurrile Situation, dass B\u00fccher und Artikel, die f\u00fcr die Entwicklung gro\u00dfer Sprachmodelle eingescannt wurden, aus verbotenen \u201eSchattenbibliotheken\u201c wie <em>Library Genesis<\/em> oder <em>Anna\u2019s Archive<\/em> stammen, die urheberrechtlich gesch\u00fctzte Werke frei zug\u00e4nglich machen \u2013 und daher von Strafverfolgung betroffen sind.<\/p>\n<p><strong>Der Erfolg von KI-Giganten wie <em>OpenAI<\/em> oder dessen Rivalen <em>Anthropic<\/em> basiert auf der Arbeit von Internetpiraten wie der Stiftung \u201eCommon Crawl Foundation\u201c. Letztere greift kostenlos Daten ab, in dem sie zum Beispiel die Bezahlbarriere von onlinegest\u00fctzten Zeitungen \u00fcberwindet, und gibt sie weiter. <em>OpenAI<\/em> und <em>Anthropic<\/em> erweisen sich dankbar und haben in den letzten zwei Jahren jeweils 250.000 US-Dollar an \u201eSpenden\u201c gezahlt.<\/strong><\/p>\n<p>In vielen L\u00e4ndern laufen noch Gerichtsprozesse zwischen Tech-Konzernen und Verlagsh\u00e4usern. In Deutschland hat nun die GEMA, die f\u00fcr Musikschaffende Geld von Medienmachern einkassiert, den ersten Prozess gegen <em>OpenAI<\/em> gewonnen \u2013 ein Rechtstreit, der an den Urheberrechtstreit zwischen der Autorenvertretung <em>VG Wort<\/em> gegen <em>Google<\/em> aus dem Jahr 2009 erinnert. Damals gab es eine Vereinbarung, die ein paar Krumen aus dem Internetkuchen f\u00fcr Publizistinnen und Publizisten von wissenschaftlichen Texten abwirft; es \u00e4ndert nichts daran, dass hier gro\u00dfe Kapitalunternehmen entstehen, die sich massenhaft an der vergangenen und gegenw\u00e4rtigen Arbeit anderer bereichern.<\/p>\n<h6><strong>Vom Boom zur Krise<\/strong><\/h6>\n<p>Der Kapitalismus durchl\u00e4uft seit seinem Bestehen immer wieder \u00dcberproduktionskrisen. Rasantes Wachstum f\u00fchrt zu immer fieberhafter Produktion. Neue Produktionsverfahren, effizientere Maschinen helfen bei der Ausbeutung von Arbeit. Die ersten Unternehmen, die sie einf\u00fchren, machen Extraprofite. Doch irgendwann gibt es mehr Waren, als verkauft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>KI macht da keine Ausnahme. Mit KI sollen Produktionskosten gesenkt und g\u00fcnstiger produziert werden, um Konkurrenz auszustechen und neue Angebote f\u00fcr Kunden zu schaffen. Nat\u00fcrlich ist diese Hoffnung naiv, da viele Unternehmen das gleiche ausprobieren. Deshalb wird versucht, die Entwicklung von KI in konkurrierenden Unternehmen und L\u00e4ndern auszubremsen.<\/p>\n<p><strong>Die US-Regierung versucht, chinesische Unternehmen zu schw\u00e4chen, und verh\u00e4ngte Exportverbote von Grafikchips. Das hat nicht funktioniert. In China wurde das Gro\u00dfe Sprachmodell \u201eDeepSeek\u201c entwickelt, das effizienter als ChatGPT ist und \u00fcberdies als Open-Source-Software frei zug\u00e4nglich ist. <em>OpenAI<\/em> ist demgegen\u00fcber vollkommen abh\u00e4ngig von der Kooperation mit Microsoft und dessen Systemen.<\/strong><\/p>\n<p>Es ist auch nicht klar, wie gro\u00df die Effizienzgewinne durch Gro\u00dfe Sprachmodelle wirklich sein werden. Es gibt die Hoffnung, dass mit KI ganze Industriezweige revolutioniert w\u00fcrden. Viel ist davon noch nicht umgesetzt. KI hat bislang Potenzial vor allem bei Verwaltungsaufgaben: dr\u00f6ges und sich wiederholendes Schreiben, kann ChatGPT vereinfachen und schneller machen. Auch in der Medienproduktion und bei der Erleichterung von \u00dcbersetzungen haben Gro\u00dfe Sprachmodelle ein gewisses Potential.<\/p>\n<p>Aber das die sogenannte k\u00fcnstliche Intelligenz einen Effekt vergleichbar mit vorherigen Technologiespr\u00fcngen haben wird, scheint unwahrscheinlich. Aktuell scheint einer der beliebtesten Anwendungsbereiche f\u00fcr Gro\u00dfe Sprachmodelle die Erledigung von Hausaufgaben zu sein: die Nutzerzahlen von ChatGPT explodieren wenn das Schuljahr anf\u00e4ngt \u2013 und kollabieren in den Ferien.<\/p>\n<h6><strong>Wann platzt die Blase?<\/strong><\/h6>\n<p>Mittlerweile ist auch klar, dass der KI-Hype eine Blase ist, \u00e4hnlich wie die \u201eDotcom-Bubble\u201c der fr\u00fchen 2000er Jahre. Damals wurde sehr viel Geld in alle m\u00f6glichen Website-Ideen gesteckt. So verkaufte die Website pets.com, bei der man Tiernahrung bestellen sollen k\u00f6nnte, Aktien im Wert von 82 Millionen Dollar \u2013 ohne ein Logistiksystem oder Lagerh\u00e4user voll Tiernahrung, aber mit der Internetadresse pets.com. Auch die KI-Unternehmen haben heute viele Zeichen einer spekulativen Blase, die ein vielfaches gr\u00f6\u00dfer als die Dotcom-Bubble sein soll, und aktuellen Berechnungen zufolge viermal so gro\u00df wie die Immobilien-Spekulationsblase vor der gro\u00dfen Finanzkrise 2008.<\/p>\n<p><strong>Im Herbst 2025 steht die Bewertung von <em>OpenAI<\/em> kurz davor, auf 500 Milliarden Dollar zu steigen. Vor wenigen Jahren noch ein \u201eStart-up\u201c, w\u00fcrde es so zum teuersten nicht b\u00f6rsennotierten Unternehmen der Welt.<\/strong><\/p>\n<p>Doch es zeigen sich deutliche Risse. Die Vorstellung des lang ersehnten Modells GPT-5 entt\u00e4uschte. Die enge Partnerschaft mit dem Tech-Giganten <em>Microsoft<\/em>, einst Katalysator des Aufstiegs von OpenAI, leidet zunehmend unter Zielkonflikten.<\/p>\n<p>Seit 2019 investierte <em>Microsoft<\/em> mehr als 13 Milliarden US-Dollar in <em>OpenAI<\/em>, vor allem in Form von Rechenzeit in seinen Azure-Serverzentren. Bis heute wird ChatGPT exklusiv auf Azure-Hardware betrieben, Microsoft baut <em>OpenAI<\/em>s Modelle in immer mehr Produkte ein. Doch w\u00e4hrend <em>OpenAI<\/em> aufgrund vertraglicher Vereinbarungen seine Modelle nicht \u00fcber andere Cloud-Anbieter vertreiben darf, kann Microsoft problemlos Modelle verschiedener Anbieter in sein \u00d6kosystem integrieren.<\/p>\n<p>Letztlich seien die Modelle, die im Hintergrund der Betriebssysteme werkelten, austauschbar, so Ray Smith, \u201eLeiter KI-Agenten\u201c bei Microsoft gegen\u00fcber dem \u201eHandelsblatt\u201c. Dies f\u00fchrt dazu, dass der Markt f\u00fcr KI-Angebote immer gr\u00f6\u00dfer und un\u00fcbersichtlicher wird. Damit wird der Kostendruck steigen, w\u00e4hrend die Investitionen, zum Beispiel in immer neue Rechenzentren, weiter immens hoch sind.<\/p>\n<p>Tatsache ist: Laut <em>OpenAI<\/em> hat ChatGPT mehr als 700 Millionen aktive Nutzer pro Woche, doch bislang war das Programm ChatGPT nie profitabel. Rund 75% nutzen das Angebot, ohne zu zahlen. Die verbliebenen Premium-Nutzer nutzen es so reichlich, dass der Betrieb teurer ist, als das Abo einspielt. F\u00fcr 2024 verbuchte <em>OpenAI<\/em> laut eigenen Berechnungen einen Verlust in H\u00f6he von etwa f\u00fcnf Milliarden Dollar \u2013 bei einem Umsatz von lediglich 3,7 Milliarden Dollar.<\/p>\n<p><strong>KI hat somit das Zeug, eine gigantische Spekulationsblase zu erzeugen. Solche Blasen sind das logische Produkt des Kapitalismus: Profite steigen, doch die notwendigen Investitionen steigen mehr. Folge: die Profitraten fallen tendenziell. Anders ausgedr\u00fcckt: Kapitalisten haben Unmengen an Geld, wof\u00fcr sie aber nicht ausreichend profitable Anlagem\u00f6glichkeiten finden. <\/strong><\/p>\n<p>In KI wird, wie in viele Zukunftstechnologien, alle Hoffnung hineinprojiziert, dass es dieses Mal anders sein k\u00f6nnte und man am Beginn eines langanhaltenden Booms stehen w\u00fcrde. Doch Blasen haben die Eigenschaft, dass sie am Ende platzen, wenn sie zu stark aufgebl\u00e4ht werden.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft nicht, das Gro\u00dfe Sprachmodelle keine n\u00fctzliche Technologie sein k\u00f6nnen. Ungeachtet der Dotcom-Spekulationsblase in den 2000er Jahren ist das Internet heute extrem wichtig. Selbst Technologien wie die Eisenbahn wurden zuerst in Spekulationsblasen \u00fcberbewertet. Aber das Aufbauen von \u201e\u00dcberinvestitionen\u201c in neue Technologien ist ein Teil des Kapitalismus, die sich immer wiederholt und am Ende zyklisch Krisen hervorruft \u2013 in denen es die Lohnabh\u00e4ngigen sind, die daf\u00fcr zahlen sollen.<\/p>\n<h6><strong>Widerstand von Unten<\/strong><\/h6>\n<p>Die Einf\u00fchrung von KI soll Arbeitskraft ersetzen. Das erzeugt Widerstand. So zum Beispiel bei der Kurzvideo-Plattform <em>TikTok<\/em>. Der Konzern hat am Standort in Berlin die dort ans\u00e4ssigen Teams f\u00fcr die Moderation von Beitr\u00e4gen, Kommunikation mit Nutzern und Kontrolle der Bewertung von \u201eviralen\u201c, also besonders popul\u00e4ren Inhalten durch KI ersetzt. Automatisierte Systeme (und g\u00fcnstige Dienstleister im Ausland) sollen die Arbeit der \u201eContent-Moderation\u201c, die Inhalte auf <em>TikTok<\/em> pr\u00fcfen, und ein Teil der sogenannten Live-Abteilung, die im Kontakt mit Content-Produzentinnen und \u2013 Produzenten stehen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-8778 alignleft\" src=\"https:\/\/revolinks.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/25_11_18-Verdi-TikTok-Streik-300x94.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"94\" srcset=\"https:\/\/revolinks.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/25_11_18-Verdi-TikTok-Streik-300x94.jpg 300w, https:\/\/revolinks.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/25_11_18-Verdi-TikTok-Streik-1024x320.jpg 1024w, https:\/\/revolinks.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/25_11_18-Verdi-TikTok-Streik-768x240.jpg 768w, https:\/\/revolinks.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/25_11_18-Verdi-TikTok-Streik.jpg 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p><strong>Dagegen traten die Besch\u00e4ftigten in Berlin im Juli an zwei Tagen in den Streik \u2013 laut Dienstleistungsgewerkschaft <em>Verdi<\/em> der erste Arbeitskampf dieser Art bei einer <em>Social-Media-Plattform<\/em> in Deutschland. Sie k\u00e4mpfen gegen ihre K\u00fcndigung \u2013 der Konflikt geht aktuell weiter.<\/strong><\/p>\n<p>\u00c4hnlich ist es in Hollywood. In immer mehr Filmproduktionen der amerikanischen \u201eTraumfabrik\u201c kamen in den letzten 10 Jahren Computereffekte vor. Ein Grund daf\u00fcr: die Computeranimateure haben keine starke gewerkschaftliche Organisierung \u2013 anders als fast alle anderen Berufsgruppen in Hollywood. Mit KI w\u00fcrden die Studios gerne die Gewerkschaften schw\u00e4chen, um so am Ende weniger zahlen zu m\u00fcssen und die Profite zu steigern.<\/p>\n<p>So w\u00e4re es technisch m\u00f6glich, das Aussehen ber\u00fchmter wie unbekannter Schauspieler basierend auf Material aus alten Filmen auf Doubles zu \u201eprojizieren\u201c. Auch Stimmen k\u00f6nnten einfach digital nachgeahmt werden. Das w\u00e4re der erste Schritt f\u00fcr die Studios, die m\u00e4chtige Schauspielergewerkschaft SAG-AFTRA zu besiegen, und gleichzeitig weiter Filme mit den bekannten Gesichtern von Starschauspielern zu machen.<\/p>\n<p>Das bleibt jetzt wohl ein Traum von Filmchefs: Nach vier Monaten Schauspielerstreik haben die Hollywood-Studios 2023 einem Tarifvertrag zugestimmt, bei dem Schauspieler immer der Nutzung von Kopien ihrer Stimmen und ihres digitalen Ebenbildes zustimmen m\u00fcssen. Einen \u00e4hnlichen Tarifabschluss gab es auch in Deutschland zwischen einem deutschen Industrieverband und den Gewerkschaften ver.di und BFFS.<\/p>\n<h6><strong>Kein Naturgesetz<\/strong><\/h6>\n<p>Kapitalisten und Regierungen stellen die Einf\u00fchrung neuer Technologien wie Gro\u00dfe Sprachmodelle als eine Art Naturgesetz dar. Sie kommen unaufhaltsam, und damit m\u00fcssen wir uns alle abfinden. Die Gewerkschaften aus der Filmindustrie zeigen: das muss nicht stimmen.<\/p>\n<p>Wenn wir kollektiv organisiert sind, k\u00f6nnen wir uns wehren und mitbestimmen, wo und wie die neue Technologie eingef\u00fchrt wird. Sie haben auch gezeigt, dass die vermeintlich K\u00fcnstliche Intelligenz gar nicht, wie zuweilen behauptet, menschliche Arbeit \u00fcberfl\u00fcssig macht: denn dann w\u00fcrde ja auch kein Streik dagegen funktionieren.<\/p>\n<p>Allerdings: Am Ende bleibt die Technologie, und damit unser aller Leben, unsere Zukunft in der Hand weniger Kapitalisten. Sie konnten entscheiden, dass in den letzten zwanzig Jahren unglaubliche Mengen an Arbeitskraft und Rohstoffen in die Entwicklung dieser Technologien geflossen sind. Jetzt wollen sie von ihren Investitionen profitieren, und alle Industrien damit revolutionieren. Sie wollen Gro\u00dfe Sprachmodelle nach Ma\u00dfgabe von Einsparm\u00f6glichkeiten anwenden.<\/p>\n<p><strong>Statt der Elon Musks und Bill Gates\u2018 sollten wir alle, als lohnabh\u00e4ngig Besch\u00e4ftige in den Betrieben, kollektiv dar\u00fcber die Entscheidungen treffen. Dass die KI unser Leben besser macht, wie Markus S\u00f6der behauptet, m\u00fcssen wir erst noch erk\u00e4mpfen!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seitdem der amerikanische Technologiekonzern OpenAI Ende 2022 die Chat-GPT zum ersten Mal \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich machte, ist \u201eK\u00fcnstliche Intelligenz\u201c (KI) \u00fcberall. Windows-Computer haben jetzt einen \u201eKI-Kopiloten\u201c. Immer mehr Websites, Videos und Internet-Posts sind KI-generiert. Der bayrische Ministerpr\u00e4sident Markus S\u00f6der sagte letztes Jahr: \u201eMit KI und den M\u00f6glichkeiten wird unser Leben besser. 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