{"id":8801,"date":"2025-12-04T17:11:39","date_gmt":"2025-12-04T16:11:39","guid":{"rendered":"https:\/\/revolinks.de\/?p=8801"},"modified":"2025-12-05T18:24:25","modified_gmt":"2025-12-05T17:24:25","slug":"giessen-zehntausende-gegen-afd-jugend-punktsieg-fuer-antifaschismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/revolinks.de\/index.php\/2025\/12\/04\/giessen-zehntausende-gegen-afd-jugend-punktsieg-fuer-antifaschismus\/","title":{"rendered":"Gie\u00dfen: Zehntausende gegen AfD-Jugend &#8211; Punktsieg f\u00fcr Antifaschismus!"},"content":{"rendered":"<h1><strong>Polizei pr\u00fcgelt \u201eGeneration Deutschland\u201c den Weg frei &#8211; doch 5000 Antifaschisten kamen durch<\/strong><\/h1>\n<p><strong>Am letzten Novemberwochenende str\u00f6mten aus ganz Deutschland zehntausende Antifaschistinnen und Antifaschisten nach Gie\u00dfen, um gegen die Neugr\u00fcndung der AfD-Jugendorganisation unter dem Namen \u201eGeneration Deutschland\u201c zu protestieren. 15.000 beteiligten sich aktiv an Blockaden, bis zu 50.000 nahmen insgesamt an Demonstrationen teil. Der Gr\u00fcndungskongress konnte nur mit stundenlanger Versp\u00e4tung beginnen. Das war ein Punktsieg f\u00fcr den Antifaschismus \u2013 aber mehr muss kommen, meinen <em>Timo K\u00f6nig<\/em> und <em>Lisa Weigel<\/em>.<\/strong><\/p>\n<p>Der Ablauf des Gr\u00fcndungskongresses der sogenannten \u201eGeneration Deutschland\u201c am vergangenen Wochenende in der \u201eHessenhalle\u201c in Gie\u00dfen hat verdeutlicht, dass es der AfD bei der Neugr\u00fcndung ihres Jugendverbandes einzig um die Frage der festen An- und Einbindung an die Mutterpartei ging, und nicht um eine politische Neuausrichtung.<\/p>\n<h6><strong>\u201eGesichert rechtsextrem\u201c<\/strong><\/h6>\n<p>Der neue Vorsitzende der AfD-Jugend Jean-Pascal Hohm verteidigte die Zusammenarbeit der \u201eGeneration Deutschland\u201c mit offen faschistischen Zusammenschl\u00fcssen wie der \u201eIdentit\u00e4ren Bewegung\u201c. Er bezeichnete diese als das \u201eVorfeld\u201c der AfD. Hohm selbst war noch vor wenigen Jahren Anf\u00fchrer von Neonazi-Aufm\u00e4rschen in Cottbus.<\/p>\n<p>Im Vorraum der Hessenhalle in Gie\u00dfen waren diverse, rechtsextreme Verlage und Netzwerke mit St\u00e4nden pr\u00e4sent, so die Identit\u00e4ren-nahe Agentur <em>Tannwald-Media<\/em>, die rassistische Memes verbreitet. Oder solche, die Aufkleber mit der Parole \u201eRemigration\u201c oder Neonazi-Szenecodes wie \u201e1161\u201c verkaufen (1161 steht f\u00fcr \u201eAnti-Antifaschistische Aktion\u201c).<\/p>\n<p><strong>Auch die Redebeitr\u00e4ge verdeutlichten, wohin die Reise der \u201eGeneration Deutschland\u201c geht. Ein Redner stellte sich mit den Worten vor, er sei das, was der Verfassungsschutz als \u201egesichert rechtsextrem\u201c bezeichnet. Der Saal reagierte mit tosendem Applaus.<\/strong><\/p>\n<p>Ebenso, als verschiedene Redner \u201emillionenfache Remigration\u201c \u2013 Massendeportationen \u2013 forderten. So der Baden-W\u00fcrttemberger Jungfaschist Mio Trautner, der Abschiebungen will, \u201edass die Startbahnen in Deutschland gl\u00fchen\u201c. Kevin Dorow, ein Burschenschafter aus Schleswig-Holstein, skandierte das Motto der Hitlerjugend: \u201eJugend wird durch Jugend gef\u00fchrt!\u201c<\/p>\n<h6><strong>Massenhafter Widerstand<\/strong><\/h6>\n<p>Gegen die Neugr\u00fcndung der AfD-Jugend hatten im Vorfeld zahlreiche Organisationen mobilisiert. Insbesondere die Kampagnenorganisation <em>Widersetzen<\/em> orientierte auf direkte Blockaden, um der AfD-Jugend physisch den Weg zu versperren.<\/p>\n<p>Dies ist die richtige Orientierung, weil die die Faschisten nicht durch Argumente \u00fcberzeugen, sondern einzig durch den Anschein von St\u00e4rke. Mussolini, der Begr\u00fcnder des Faschismus, nannte dies die \u201eDoktrin der Tat\u201c. Das hei\u00dft im Umkehrschluss: Wenn die Faschisten es nicht schaffen, \u00f6ffentlich zu tagen oder aufzumarschieren, dann frustriert das ihre Anh\u00e4nger. Niederlagen k\u00f6nnen ihre Reihen nicht zusammenhalten.<\/p>\n<p><em>Widersetzen<\/em> und andere brachten so \u00fcber 200 Busse voll mit Antifaschistinnen und Antifaschisten aus dem ganzen Bundesgebiet nach Gie\u00dfen. Hinzu kamen Zehntausende aus der Stadt und Region Gie\u00dfen; und solche, die sich in benachbarten Orten einquartiert hatten.<\/p>\n<p>Wichtig war, dass auch die Gewerkschaften Teil des Protests waren. Der DGB hatte vor der Hessenhalle fr\u00fchmorgens eine Kundgebung angemeldet, um den Blockadeversuchen eine rechtliche Deckung zu geben. Der <em>Verdi-<\/em>Bezirksverband Hessen verschickte in den Betrieben Emails, die zur Teilnahme am antifaschistischen Widerstand aufriefen.<\/p>\n<h6><strong>Repression und Panikmache<\/strong><\/h6>\n<p>Die Polizei versuchte alles, um die Proteste zu kriminalisieren. Sie erkl\u00e4rte die Stadtviertel in Gie\u00dfen westlich der Lahn zur demonstrationsfreien Zone. Also dort, wo die Hessenhalle liegt und die Jungnazis ihre Tagung abhalten wollten. Die Gewerkschaften und <em>Die Linke<\/em> klagten dagegen, am Ende ohne Erfolg. Die letzte Instanz erkl\u00e4rte Demonstrationen westlich der Lahn weiterhin f\u00fcr \u201eillegal\u201c.<\/p>\n<p>B\u00fcrgermeister Frank-Tilo Becher (SPD) unterst\u00fctzte diesen Repressionskurs. Er diffamierte Blockadeversuche gegen die Nazis im Vorfeld als &#8222;Gewalt&#8220; und versuchte auf diese Weise die Protestierenden gegeneinander auszuspielen. Dies war Teil einer wochenlangen Angstkampagne in den regionalen Medien, die Panik verbreiten sollte.<\/p>\n<p>Linke Chaoten w\u00fcrden kommen, um die Stadt \u201eanzuz\u00fcnden\u201c. Die Polizei riet Gesch\u00e4ftsinhabern, am Tag der Proteste ihre Gesch\u00e4fte zu schlie\u00dfen. Hotels stornierten aus Angst vor Ausschreitungen Buchungen.<\/p>\n<p><strong>Polizei, Gerichte, Medienunternehmen: Sie alle zogen an einem Strang, um die AfD-Jugend zu einer erfolgreichen Tagung zu verhelfen. Westlich der Lahn galt an diesem Tag das Versammlungsrecht nur f\u00fcr Nazis, nicht f\u00fcr Antifaschisten. <\/strong><\/p>\n<p>Um das durchzusetzen, hatte die Polizei Tausende Einsatzkr\u00e4fte aus dem gesamten Bundesgebiet angefordert, martialisch ausgestattet mit Kn\u00fcppeln, Helmen oder wahlweise mit Sturmhauben wie in einem Anti-Terror-Einsatz. Schweres Ger\u00e4t kam zum Einsatz: R\u00e4umpanzer, Wasserwerfer, Hubschrauber, Drohnen. Polizisten schlugen Demonstrierenden ins Gesicht und haben mit Pfefferspray &#8222;unz\u00e4hlige Menschen&#8220; verletzt, so ein Sprecher von <em>Widersetzen<\/em>.<\/p>\n<h6><strong>Ganz Gie\u00dfen hasst die AfD <\/strong><\/h6>\n<p>Der b\u00fcrgerliche Staat gab Millionen aus, um die Nazis hinter einer Wand von kn\u00fcppelnden Beamten tagen zu lassen. Und doch gelang es ihnen nicht, die Antifaschisten v\u00f6llig aufzuhalten.<\/p>\n<div id=\"attachment_8802\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8802\" class=\"wp-image-8802 size-medium\" src=\"https:\/\/revolinks.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/25_11_29-Giessen-Polizeiblockade-AfD-Jugend-3-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/revolinks.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/25_11_29-Giessen-Polizeiblockade-AfD-Jugend-3-300x225.jpg 300w, https:\/\/revolinks.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/25_11_29-Giessen-Polizeiblockade-AfD-Jugend-3-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/revolinks.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/25_11_29-Giessen-Polizeiblockade-AfD-Jugend-3-768x576.jpg 768w, https:\/\/revolinks.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/25_11_29-Giessen-Polizeiblockade-AfD-Jugend-3-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/revolinks.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/25_11_29-Giessen-Polizeiblockade-AfD-Jugend-3-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-8802\" class=\"wp-caption-text\"><em>Polizeisperre an einer Lahn-Br\u00fccke<\/em><\/p><\/div>\n<p><strong>Und das ist passiert: Am Morgen des 29. November begannen die Proteste bereits um 6 Uhr morgens am Hauptbahnhof mit einer Kundgebung, die die <em>Omas gegen Rechts<\/em> angemeldet hatten. Von dort aus ging ab 7 Uhr der erste Protestzug mit einigen Tausend durch die Gie\u00dfener Innenstadt.<\/strong><\/p>\n<p>Insgesamt bildeten die Polizei 19 Blockadepunkte, um den Antifaschisten den Zugang zur Hessenhalle zu verwehren. Doch es kamen im Westen so viele Busse aus dem Bundesgebiet an, dass dies nicht reichte. Rund 5000 brachen an einer Stelle durch und protestierten am Ende direkt vor der Hessenhalle.<\/p>\n<p><strong>Ergebnis: Viele Jungnazis wurden aufgehalten. Der AfD-Jugendkongress sollte mit 1000-2000 Leute um 10 Uhr beginnen, doch die Halle war fast leer!<\/strong><\/p>\n<p>Was f\u00fcr ein Offenbarungseid: Statt Fackelmarsch durch die Stadt m\u00fcssen sich die Nazis irgendwie heimlich unter dem Schutz von Polizeikn\u00fcppeln in die Halle schleichen.<\/p>\n<h6><strong>Einheitsfront<\/strong><\/h6>\n<p>Einmal begonnen, spuckte die AfD-Jugend auf dem Kongress nat\u00fcrlich gro\u00dfe T\u00f6ne. Doch das war reines Gepose. Die \u201eMacht\u201c im Saal wurde ihnen von der b\u00fcrgerlichen Staatsmacht geliehen. Die Stra\u00dfe geh\u00f6rte den Linken, nicht den Rechten.<\/p>\n<p>Insgesamt waren 40.000 bis 50.000 Protestierende in der Stadt. Abseits der Blockaden war Volksfeststimmung mit vielen Reden und Auftritten bekannter Bands wie <em>Kraftklub<\/em> aus Chemnitz.<\/p>\n<p>Wir haben an diesem Tag in Gie\u00dfen einen Punktsieg geholt. Die Massenmobilisierung hat gezeigt, dass die AfD gestoppt werden kann. Und dass viele, viele nicht einverstanden sind mit der rechten Hetze.<\/p>\n<p>Der Protest war auch ein Fortschritt gegen\u00fcber den vorhergehenden Mobilisierungen gegen die AfD-Bundesparteitage in Essen und Riesa, weil in Gie\u00dfen viel mehr Leute an den Blockadeversuchen aktiv teilgenommen haben.<\/p>\n<p><strong>Wir stehen am Beginn einer neuen, auf Massenkonfrontation orientierten, antifaschistischen Bewegung. Das ist der richtige Weg. Was wir brauchen, ist die Verstetigung dieser Entschlossenheit und mehr Koordinierung auf Bundesebene zwischen den beteiligten Kr\u00e4ften.<\/strong><\/p>\n<p>Doch die AfD liegt in den Umfragen immer noch sehr weit vorne. Ein einzelner Mobilisierungserfolg wie der in Gie\u00dfen ist noch kein Sieg. Er ist nur eine Etappe. Der Weg voran besteht darin, auf Bundesebene die Gewerkschaften dauerhaft mit Gruppen zusammenzubringen, die auf die direkte, massenhafte physische Konfrontation gegen die Nazis setzen. Wir nennen das die Einheitsfront gegen den Faschismus.<\/p>\n<h6><strong>Staat kein B\u00fcndnispartner<\/strong><\/h6>\n<p>Gie\u00dfen hat auch gezeigt: Der Staatsapparat ist auf diesem Weg kein B\u00fcndnispartner f\u00fcr uns. Alle Strategien, die auf ein Verbot der AfD durch den Staat orientieren, k\u00f6nnen deshalb nur in die Sackgasse f\u00fchren.<\/p>\n<p>Die AfD ist weiter auf dem H\u00f6henflug. Wir werden im kommenden Jahr f\u00fcnf Landtagswahlen haben. Allein in Sachsen-Anhalt lagen die Faschisten bei der letzten Umfrage bei 40 %. Wenn wir es schaffen sollten, den AfD-Bundesparteitag in Erfurt 2026 mit noch mehr Menschen g\u00e4nzlich lahmzulegen, dann w\u00e4re dies ein entscheidender Fortschritt im Kampf.<\/p>\n<p><strong>Eines d\u00fcrfen wir dabei nicht \u00fcbersehen: Der AfD-H\u00f6henflug speist sich aus dem Klima der tiefen Verunsicherung und Angst vor der Zukunft. Diesen sozialen \u00c4ngsten k\u00f6nnen wir nicht beikommen, indem wir Illusionen in die bestehende Ordnung sch\u00fcren.<\/strong><\/p>\n<p>Der Kampf gegen die Nazis muss deshalb immer auch verbunden sein mit einer harten Kritik an der unsozialen Politik der Bundesregierung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Polizei pr\u00fcgelt \u201eGeneration Deutschland\u201c den Weg frei &#8211; doch 5000 Antifaschisten kamen durch Am letzten Novemberwochenende str\u00f6mten aus ganz Deutschland zehntausende Antifaschistinnen und Antifaschisten nach Gie\u00dfen, um gegen die Neugr\u00fcndung der AfD-Jugendorganisation unter dem Namen \u201eGeneration Deutschland\u201c zu protestieren. 15.000 beteiligten sich aktiv an Blockaden, bis zu 50.000 nahmen insgesamt an Demonstrationen teil. 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