{"id":8844,"date":"2026-01-08T22:36:29","date_gmt":"2026-01-08T21:36:29","guid":{"rendered":"https:\/\/revolinks.de\/?p=8844"},"modified":"2026-01-08T22:39:01","modified_gmt":"2026-01-08T21:39:01","slug":"was-steckt-hinter-trumps-drohungen-gegen-groenland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/revolinks.de\/index.php\/2026\/01\/08\/was-steckt-hinter-trumps-drohungen-gegen-groenland\/","title":{"rendered":"Was steckt hinter Trumps Drohungen gegen Gr\u00f6nland?"},"content":{"rendered":"<h3>Der Wettlauf um die Seltenen Erden erreicht die Arktis<\/h3>\n<p><strong><em>Donald Trump hat sein n\u00e4chstes Ziel ausgew\u00e4hlt\u2014Gr\u00f6nland. Bisher wurde sein Gerede \u00fcber eine Annexion Gr\u00f6nlands in den Medien mehr als bizarrer Witz abgetan. Aber nach der Entf\u00fchrung des venezolanischen Pr\u00e4sidenten Nicolas Maduro und der Ank\u00fcndigung, in Venezuela nun \u201emitzuregieren\u201c, erscheint die Annexion Gr\u00f6nlands pl\u00f6tzlich nicht mehr so irreal. <\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Mehr zu den Hintergr\u00fcnden von <\/em><\/strong><strong>Frankie Murden <em>und<\/em> Tom\u00e1\u0161 Tengely-Evans.<em> *)<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Das Wei\u00dfe Haus lie\u00df verlauten: \u201ePr\u00e4sident Trump hat sehr deutlich gemacht, dass die Aneignung Gr\u00f6nlands eine Priorit\u00e4t f\u00fcr die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten sind. Es ist lebenswichtig, unsere Gegner in der arktischen Region abzuschrecken.\u201c<\/p>\n<p>Trump ist allerdings nicht der erste Pr\u00e4sident, der versucht hat, das arktische Territorium einzunehmen. Die USA war dort milit\u00e4risch aktiv, als Gr\u00f6nlands Kolonialmacht D\u00e4nemark von Nazi-Deutschland besetzt worden ist.<\/p>\n<p>Nach dem Krieg wurde die Insel wieder unter d\u00e4nische Kontrolle gestellt, aber die USA haben nie ihre Pr\u00e4senz auf der Insel aufgegeben.<\/p>\n<h6><strong>Hotspot im Kalten Krieg<\/strong><\/h6>\n<p>Im Kalten Krieg wurde Gr\u00f6nland zu einem Hotspot der Rivalit\u00e4t zwischen den USA und der russisch dominierten Sowjetunion. Der damalige US-Pr\u00e4sident, der Demokrat Harry Truman, versuchte die Insel 1946 zu einem Preis von 100 Millionen US-Dollar zu kaufen. Ein Angebot, das erst nach dem Ende des Kalten Krieges bekannt wurde.<\/p>\n<p>D\u00e4nemark lehnte den Deal ab, aber erlaubte den USA im Jahr 1953 im Nordwesten der Insel die Pituffik Air Base aufzubauen.<\/p>\n<p>Trump behauptet nun, Gr\u00f6nland habe \u201ePriorit\u00e4t f\u00fcr die nationale Sicherheit\u201d der USA und w\u00fcrde \u201evollst\u00e4ndig von russischen und chinesischen Schiffen umzingelt.\u201d Das ist Unsinn. Aber in der Aussage spiegelt sich die wachsende Konkurrenz zwischen den imperialistischen M\u00e4chten auf der Welt wider.<\/p>\n<p>Trumps Nationale Sicherheitsstrategie, die im Dezember ver\u00f6ffentlicht wurde, markierte dabei eine Verschiebung in der US-Strategie. Sie legt den Fokus wieder auf die Beherrschung der sogenannten westlichen Hemisph\u00e4re \u2013 also Nord-, Mittel- und S\u00fcdamerika, sowie Gr\u00f6nland \u2013 in Konkurrenz zu China und anderen M\u00e4chten. Darin hei\u00dft es: \u201eWir wollen eine Hemisph\u00e4re, in der feindliche ausl\u00e4ndische Kr\u00e4fte weder eingreifen, noch \u00fcber Schl\u00fcsselressourcen verf\u00fcgen.\u201d<\/p>\n<h6><strong>Rohstofflager und Transportrouten<\/strong><\/h6>\n<p>Gr\u00f6nland ist in diesem Wettlauf um Ressourcen zu einer Zielregion geworden. Die Insel verf\u00fcgt \u00fcber Vorkommen von 43 verschiedener mineralischer Rohstoffe, darunter viele sogenannte \u201eSeltene Erden\u201c (mehr dazu unten). Die Insel liegt auf dem amerikanischen Kontinentalsockel, der einige der gr\u00f6\u00dften \u00d6l- und Gasvorkommen in der Arktis birgt.<\/p>\n<p>Imperialistische M\u00e4chte konkurrieren au\u00dferdem um die Kontrolle der arktischen Schifffahrtsrouten. Die Nordwestpassage, die an Gr\u00f6nland und Kanada vorbeif\u00fchrt, ist inzwischen w\u00e4hrend bestimmter Zeiten des Jahres eisfrei. Sie bietet eine alternative Route zwischen Atlantik und Pazifik zum \u00fcberlasteten Panamakanal \u2013 \u00fcber den Trump ebenfalls die Kontrolle haben will.<\/p>\n<p><strong>Es ist auff\u00e4llig: Viele westliche Politiker, die sich einer Verurteilung der US-Angriffe auf Venezuela enthielten, legen nun bei Gr\u00f6nland andere Ma\u00dfst\u00e4be an.<\/strong><\/p>\n<p>So erkl\u00e4rten sechs europ\u00e4ische Staats- und Regierungschefs am Mittwoch, darunter Friedrich Merz: \u201eGr\u00f6nland geh\u00f6rt seinem Volk. Es ist ausschlie\u00dflich Sache D\u00e4nemarks und Gr\u00f6nlands, \u00fcber die Angelegenheiten zu entscheiden, die D\u00e4nemark und Gr\u00f6nland betreffen.\u201c Der britische Premierminister Keir Starmer forderte: \u201eH\u00e4nde weg von Gr\u00f6nland.\u201c<\/p>\n<p>Der Grund f\u00fcr die Entschlossenheit: Gr\u00f6nland ist eine autonome Region innerhalb des K\u00f6nigreichs D\u00e4nemarks \u2013 einem Mitglied des kriegstreiberischen NATO-B\u00fcndnisses.<\/p>\n<p>Gr\u00f6nland erhielt 1979 die Autonomie und genie\u00dft seit 2009 vom Prinzip her das Recht, unter Voraussetzung einer Volksabstimmung in Gr\u00f6nland und gleichzeitiger Zustimmung durch eine Mehrheit im d\u00e4nischen Parlament die vollst\u00e4ndige Unabh\u00e4ngigkeit zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Diese Mehrheit gibt es aber nicht. Daher kontrolliert D\u00e4nemark weiterhin die Insel. Die d\u00e4nische Ministerpr\u00e4sidentin Mette Frederiksen forderte die US-Regierung nun \u201enachdr\u00fccklich auf, die Drohungen einzustellen\u201c.<\/p>\n<h6><strong>Uneinigkeit unter US-Republikanern<\/strong><\/h6>\n<p>Innerhalb des Wei\u00dfen Hauses sowie unter den US-Republikanern gibt es Uneinigkeit in der Frage Gr\u00f6nlands. Dies dr\u00fcckt die Spaltung in der herrschenden Klasse der USA aus, wie sie am besten ihre Ziele erreichen kann.<\/p>\n<p>Der Leiter der NATO-Beobachtergruppe im US-Senat, Thom Tillis, ist republikanischer Senator aus North Carolina. Er sagte: \u201eWenn D\u00e4nemark und Gr\u00f6nland klarstellen, dass Gr\u00f6nland nicht zum Verkauf steht, m\u00fcssen die Vereinigten Staaten ihre vertraglichen Verpflichtungen einhalten und die Souver\u00e4nit\u00e4t sowie die territoriale Integrit\u00e4t des K\u00f6nigreichs D\u00e4nemark respektieren.\u201c<\/p>\n<p>Tillis bef\u00fcrchtet, der Preis f\u00fcr eine Annexion gegen den Willen der europ\u00e4ischen NATO-L\u00e4nder \u2013 das faktische Ende der NATO \u2013 w\u00e4re zu hoch. Doch der US-Imperialismus verliert im Verh\u00e4ltnis zu China relativ an Macht. Die Drohungen Trumps sind ein d\u00fcsteres Vorzeichen daf\u00fcr, wie weit der US-Imperialismus geht, um die Nummer 1 in der Welt zu bleiben.<\/p>\n<h3><strong>Warum sind seltene Erden so wichtig?<\/strong><\/h3>\n<p>Unter Gr\u00f6nlands Boden liegen 43 der 50 \u201ekritischen Rohstoffe\u201d der Welt. Darauf haben die USA ein Auge geworfen. Darunter befinden sich Seltene Erden, die eine Schl\u00fcsselressource f\u00fcr die Fertigung von High-Tech-Produkten wie Elektroautos, Windturbinen und vielen anderen sind. Dazu z\u00e4hlt auch t\u00f6dliche milit\u00e4rische Spitzentechnologie wie F35-Kampfflugzeuge, Tomahawk-Raketen und Predator-Kampfdrohnen.<\/p>\n<p>K\u00fcnstliche Intelligenz (KI) ist ebenfalls von Seltenen Erden abh\u00e4ngig. Die Denkfabrik <em>American Security Project<\/em> erl\u00e4utert:<\/p>\n<p>\u201eDiese Materialien sind immens bedeutsam f\u00fcr die komplexen Computersysteme, die den Wettlauf um die Milit\u00e4rtechnologie entscheiden. Die Kluft zwischen den technischen M\u00f6glichkeiten der USA und Chinas schrumpft, die globale Spannungen nehmen zu. Seltene Erden und die Technologien, die auf sie aufbauen, k\u00f6nnen den Ausschlag im Kampf um die Spitzenposition geben. Um den \u201aNeuen Kalten Krieg\u2019 gegen China zu gewinnen, m\u00fcssen die Vereinigten Staaten in die Sicherung und die Erweiterung des Zugangs zu Seltenen Erden investieren.\u201c<\/p>\n<p>Viele im Wei\u00dfen Haus unter Trump sehen die Kontrolle \u00fcber Gr\u00f6nland als einen Schl\u00fcssel zur Erreichung dieses Ziels an.<\/p>\n<h6><strong>Annexion w\u00fcrde US-Konzernen n\u00fctzen<\/strong><\/h6>\n<p>US-Konzerne verf\u00fcgen jetzt schon \u00fcber Abbaulizenzen auf der Insel. So verf\u00fcgt das <em>Tanbreez<\/em>-Projekt \u00fcber potenzielle Vorkommen von <em>Gallium<\/em>, das f\u00fcr KI-Chips von zentraler Bedeutung sind. Die Trump-Regierung erwog eine direkte staatliche Beteiligung an <em>Critical Metal Corps<\/em>, dem Privatunternehmen, das f\u00fcr das Projekt verantwortlich ist.<\/p>\n<p><strong>Das Problem ist der potenzielle Widerstand, auf den diese Firmen sto\u00dfen, solange sie vom Willen der gr\u00f6nl\u00e4ndischen Autonomiebeh\u00f6rde abh\u00e4ngig sind. Eine \u00dcbernahme Gr\u00f6nlands w\u00fcrde es den USA erm\u00f6glichen, die Rechte der indigenen Bev\u00f6lkerung zu \u00fcbergehen, die sich bislang erfolgreich dagegen gewehrt hat, Gr\u00f6nland in ein riesiges Bergbaugebiet zu verwandeln.<\/strong><\/p>\n<p>Bislang kontrolliert der chinesische Staat die Versorgung des globalen Markts mit Seltenen Erden. \u00dcber 60 Prozent der weltweiten F\u00f6rderung Seltener Erden findet in China statt, und mehr als 90 Prozent werden dort weiterverarbeitet. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer langfristigen Strategie, die gezielt auf die F\u00f6rderung seltener Erden gesetzt hat.<\/p>\n<h6><strong>Chinas Strategie<\/strong><\/h6>\n<p>1992 besuchte der damalige Vorsitzende der Chinesischen Kommunistischen Partei, Deng Xiaoping, der Architekt von Chinas marktwirtschaftlicher Reformen, die Region Innere Mongolei, die \u00fcber enorme Vorkommen Seltener Erden verf\u00fcgt. Er erkl\u00e4rte: \u201eDer Nahe Osten hat \u00d6l \u2013 China hat Seltene Erden.\u201c<\/p>\n<p>Bis in die 1980er Jahre waren die USA der gr\u00f6\u00dfte Produzent Seltener Erden, wurden jedoch von chinesischen Unternehmen preislich unterboten. Heute verschafft Chinas Position dem Land erheblichen Einfluss gegen\u00fcber seinen Rivalen: Zwischen 2020 und 2023 waren die USA bei 70 Prozent ihrer Importe Seltener Erden von China abh\u00e4ngig.<\/p>\n<p><strong>Die USA verf\u00fcgen derzeit nur \u00fcber eine aktive Mine f\u00fcr Seltene Erden. Zudem fehlt ihnen die Kapazit\u00e4t, sogenannte \u201eschwere seltene Erden\u201c zu verarbeiten, die f\u00fcr milit\u00e4rische Technologien unverzichtbar sind. Das bedeutet, dass die in den USA gef\u00f6rderten Erze zur Weiterverarbeitung nach China geschickt werden m\u00fcssen.<\/strong><\/p>\n<p>Diese Verwundbarkeit wurde deutlich, als China im vergangenen Jahr die Exportbeschr\u00e4nkungen f\u00fcr Seltene Erden versch\u00e4rfte.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\"><em><strong>*) Der Artikel erschien im Original auf der Website von Socialist Worker und ist hier zu finden:<\/strong><\/em><\/span><br \/>\n<a href=\"https:\/\/socialistworker.co.uk\/us-elections-2024\/explainer-whats-behind-trumps-greenland-threats\/\">Explainer: What\u2019s behind Trump\u2019s Greenland threats<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Wettlauf um die Seltenen Erden erreicht die Arktis Donald Trump hat sein n\u00e4chstes Ziel ausgew\u00e4hlt\u2014Gr\u00f6nland. Bisher wurde sein Gerede \u00fcber eine Annexion Gr\u00f6nlands in den Medien mehr als bizarrer Witz abgetan. 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