{"id":8907,"date":"2026-01-29T16:53:07","date_gmt":"2026-01-29T15:53:07","guid":{"rendered":"https:\/\/revolinks.de\/?p=8907"},"modified":"2026-01-29T16:53:07","modified_gmt":"2026-01-29T15:53:07","slug":"keine-bundeswehr-in-die-ukraine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/revolinks.de\/index.php\/2026\/01\/29\/keine-bundeswehr-in-die-ukraine\/","title":{"rendered":"Keine Bundeswehr in die Ukraine!"},"content":{"rendered":"<h2>Europ\u00e4ischer Imperialismus ist keine Alternative zu Trump und Putin<\/h2>\n<p><strong><em>Russland, die USA und die europ\u00e4ischen M\u00e4chte liefern sich seit einem Jahr einen Verhandlungspoker \u00fcber die Ukraine. Unvermittelt stellte Bundeskanzler Merz im Dezember 2025 die M\u00f6glichkeit in den Raum, auch deutsche Soldaten als Teil einer europ\u00e4ischen Truppe nach einem m\u00f6glichen Abkommen in die Ukraine zu entsenden. Die Bundesregierung war bem\u00fcht, die Diskussion dar\u00fcber im Keim zu ersticken. Doch das ist kein Grund zur Beruhigung, meint<\/em><em>\u00a0<\/em>Karl Naujoks<\/strong><\/p>\n<p>Seit einem Jahr treibt US-Pr\u00e4sident Donald Trump Deutschland und die anderen europ\u00e4ischen Mittelm\u00e4chte im Ukrainekonflikt vor sich her. In separaten Verhandlungen mit Russland und der Ukraine hat Trump versucht, f\u00fcr die USA einen gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Anteil aus der ukrainischen Beute f\u00fcr die USA herauszuschlagen. So sah der letzte von ihm im November mit Moskau ausgehandelte \u201e28-Punkte-Plan\u201c vor, dass die Ukraine auch jene Gebiete im Donbass abtritt, die Russland nicht milit\u00e4risch erobern konnte.<\/p>\n<p><strong>Im Gegenzug sollten aus eingefrorenen russischen Verm\u00f6gen 100 Milliarden Dollar \u00fcber einen gemeinsamen ukrainisch-amerikanischen Fonds in die USA flie\u00dfen \u2013 und die EU weitere 100 Milliarden Dollar f\u00fcr den Wiederaufbau der Ukraine zur Verf\u00fcgung stellen.<\/strong><\/p>\n<p>Das unternehmensnahe <em>Handelsblatt<\/em> sch\u00e4umte: \u201eWie zwei Mafiabosse\u201c wollen Trump und Putin \u201eden Wiederaufbau der Ukraine dazu nutzen, um Kasse zu machen, w\u00e4hrend die Europ\u00e4er zu Tributpflichtigen degradiert werden.\u201c<\/p>\n<h6><strong>Der gescheiterte Raub<\/strong><\/h6>\n<p>Die europ\u00e4ischen Herrscher reagierten \u2013 und bewiesen, dass sie genauso r\u00e4uberisch wie Trump und Putin orientiert sind. So pushte vor allem Bundeskanzler Friedrich Merz zusammen mit EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen den Plan, die in Europa eingefrorenen russischen Staatsverm\u00f6gen in H\u00f6he von 210 Milliarden Euro zu enteignen und der Ukraine zum Kauf von R\u00fcstungsg\u00fctern als Darlehen zu geben.<\/p>\n<p>Der Raubzug scheiterte knapp \u2013 vor allem am Widerstand der belgischen und anderer europ\u00e4ischer Regierungen. Die Gelder sind in Form von Anleihen zum allergr\u00f6\u00dften Teil in einer Br\u00fcsseler Finanzinstitution eingelagert. Die Angst vor Vergeltung durch Russland und den Abzug von Milliarden Guthaben durch andere, verunsicherte Einleger war zu gro\u00df.<\/p>\n<h6><strong>Imperialistisches B\u00fcndnis der Mittelm\u00e4chte<\/strong><\/h6>\n<p>Merz mochte mit dem Plan, wie Trump zuvor mit seinem 28-Punkte-Plan, gescheitert sein. Doch der Vorgang verdeutlicht, dass die Bundesregierung ihre ganz eigenen imperialistischen Interessen in der Ukraine verfolgt.<\/p>\n<p>Im B\u00fcndnis mit Frankreich und Gro\u00dfbritannien will Deutschland seine relative Schw\u00e4che gegen\u00fcber den USA und Russland ausgleichen. Zusammen bildeten die europ\u00e4ischen Mittelm\u00e4chte eine \u201eKoalition der Willigen\u201c. Sie geben vor, f\u00fcr und im Interesse der Ukraine zu handeln. Doch das ist reichlich geheuchelt.<\/p>\n<p>Dies verdeutlicht eine weitere Episode. Als Ersatz f\u00fcr den gescheiterten Raub an den russischen Staatsverm\u00f6gen einigte sich die EU auf einen Kredit \u00fcber 90 Milliarden Euro, mit dem die Kriegsanstrengungen der hochverschuldeten Ukraine in den n\u00e4chsten Jahren finanziert werden sollen. Doch kaum war das unter Dach und Fach, ging der Streit zwischen Paris und Berlin los, was sich die ukrainische Regierung daf\u00fcr kaufen darf.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Macron Kiew auf den Kauf ausschlie\u00dflich europ\u00e4ischer, also m\u00f6glichst viel franz\u00f6sischer Waffen verpflichten wollte, sieht Berlin in der Freigabe zum Kauf von amerikanischen R\u00fcstungsg\u00fctern einen milit\u00e4rischen wie diplomatischen Vorteil im Verh\u00e4ltnis zu Washington.<\/p>\n<p>Fakt ist: Es sind die Regierungen in Berlin und Paris, die entscheiden, was die Regierung in Kiew mit dem Darlehen machen darf. Dies wirft ein Schlaglicht darauf, dass die Ukraine auch gegen\u00fcber den Mittelm\u00e4chten in Europa nur in der Rolle eines Bittstellers ist.<\/p>\n<h6><strong>Deutsche Truppen als Faustpfand <\/strong><\/h6>\n<p>Um das deutsche Gewicht weiter zu st\u00e4rken, zog Merz dann auf einer Konferenz der \u201eKoalition der Willigen\u201c in Paris im Dezember das Trumpf-As aus dem \u00c4rmel: Er stellte die Entsendung auch deutscher Soldaten im Rahmen einer multinationalen Truppe zur Absicherung eines Waffenstillstandes in die Ukraine in Aussicht. Ein Vorschlag, den er Anfang Januar auf einer weiteren Konferenz wiederholte.<\/p>\n<p><strong>Union-Fraktionschef Jens Spahn jubelte: \u201eWir haben einen Kanzler, der Europa f\u00fchrt\u201c. Und obgleich selbst Verteidigungsminister Boris Pistorius \u00fcber den Vorschlag erst aus den Medien erfuhr, hielt die SPD still.<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem Krieg wird diejenige ausl\u00e4ndische Macht den meisten Einfluss in Kiew haben, von der die ukrainische Regierung am meisten finanziell und milit\u00e4risch abh\u00e4ngig ist. Dieser Einfluss entscheidet dann dar\u00fcber, wessen Unternehmen am milliardenschweren Wiederaufbau am meisten verdienen werden. Deutsche Truppen auf dem Gebiet der Ukraine w\u00fcrden dabei als Faustpfand f\u00fcr deutsche Kapitalinteressen dienen.<\/p>\n<p>Sie w\u00fcrden zugleich die Demarkationslinie gegen den russischen Imperialismus absichern. Der n\u00e4chste Ukrainekrieg w\u00e4re dann auch ein russisch-deutscher Krieg. Ein Szenario, gegen das wir uns mit all unseren Kr\u00e4ften stemmen m\u00fcssen.<\/p>\n<h6><strong>Krieg ohne Ende<\/strong><\/h6>\n<p>Tats\u00e4chlich ist noch v\u00f6llig offen, ob, wann und wie der Krieg enden wird. Putin hat ein Jahr lang Trumps Verhandlungsofferten l\u00e4chelnd angenommen \u2026 und seine Truppen weiter angreifen lassen. Denn er glaubte sich am l\u00e4ngeren Hebel. Seit dem Fr\u00fchsommer 2025 versucht der russische Imperialismus in immer neuen Offensiven Gel\u00e4ndegewinne zu erzielen. Den Preis zahlen die einfachen Leute: Die russische Armee verliert im Kriegswinter 2025\/26 nach seri\u00f6sen Sch\u00e4tzungen 1000 bis 1200 Soldaten \u2013 t\u00e4glich.<\/p>\n<p><strong>Die durchschnittliche \u00dcberlebensdauer eines russischen Soldaten nach dem Einzug an die Front betr\u00e4gt 17 Tage. Die Kriegsm\u00fcdigkeit in Russland steigt mit jedem Tag \u2013 ablesbar an den hohen Zahlen von Desertionen. <\/strong><\/p>\n<p>Das ukrainische Projekt &#8222;Frontelligence Insight&#8220; hat zehntausende Personalakten russischer Soldaten sowie interne Dokumente verschiedener Einheiten ausgewertet. Danach gab es in der ersten Jahresh\u00e4lfte 2025 rund 3.400 Desertionsf\u00e4lle \u2013 mehr als im gesamten Vorjahr. Die Personalnot ist so gro\u00df, dass die russische Armee hunderte afrikanische M\u00e4nner unter falschen Versprechungen in den Krieg gelockt und dort als Kanonenfutter in der vordersten Reihe verheizt hat.<\/p>\n<h6><strong>Bundesregierung mag keine Deserteure<\/strong><\/h6>\n<p>Die Bundesregierung zeigt mit dem Finger gerne auf Putin als den einzigen B\u00f6sewicht. Doch die Masse der russischen Bev\u00f6lkerung, die selbst am meisten unter dem Regime und den Kriegsfolgen leidet, hat von der Bundesregierung keine Unterst\u00fctzung zu erwarten.<\/p>\n<p>Als im Jahr 2022 rund 600.000 junge Russen vor einer Teilmobilmachung nach Europa flohen, hat die deutsche Regierung, wie alle anderen EU-L\u00e4nder, ihnen die T\u00fcr vor der Nase zugeschlagen. Fast alle mussten wieder nach Russland gehen. Seitdem ist die Bereitschaft, russischen Deserteuren oder auch Regimegegnern Zuflucht zu gew\u00e4hren, weiter gesunken.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-8909 alignright\" src=\"https:\/\/revolinks.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/26_01_23-Asyl-fur-RUS-Deserteure-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/revolinks.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/26_01_23-Asyl-fur-RUS-Deserteure-300x169.jpg 300w, https:\/\/revolinks.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/26_01_23-Asyl-fur-RUS-Deserteure-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/revolinks.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/26_01_23-Asyl-fur-RUS-Deserteure-768x432.jpg 768w, https:\/\/revolinks.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/26_01_23-Asyl-fur-RUS-Deserteure-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/revolinks.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/26_01_23-Asyl-fur-RUS-Deserteure-620x350.jpg 620w, https:\/\/revolinks.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/26_01_23-Asyl-fur-RUS-Deserteure.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>So haben im Jahr 2025 rund 11.000 russische Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger einen Antrag aus Asyl in Deutschland gestellt. Keine 100 wurden bewilligt, 400 weitere wurden \u201egeduldet\u201c. Rund 10.500 wurden in Putins Reich abgeschoben oder sind vor den deutschen Beh\u00f6rden geflohen.<\/p>\n<h6><strong>Solidarit\u00e4t von unten<\/strong><\/h6>\n<p>Die ersten drei Jahre wollte die Bundesregierung, dass die Ukraine als ihr Partner und Klient den Krieg gegen Putin gewinnt. Deshalb lehnte sie alle Verhandlungsvorschl\u00e4ge ab. Weder Berlin, noch Br\u00fcssel ernannte einen Sonderbeauftragten daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Nachdem der Krieg sich 2025 zu einer fast unbeweglichen Abnutzungsschlacht mit verlustreichen, russischen Gel\u00e4ndegewinnen gewandelt hat, will die \u201eKoalition der Willigen\u201c einen Waffenstillstand, der von Putin nicht als Sieg gewertet werden kann. Und, dass die Europ\u00e4er mit am Verhandlungstisch \u00fcber die Nachkriegsordnung sitzen.<\/p>\n<p><strong>Ein Szenario, in dem der Krieg von unten, durch Kriegsm\u00fcdigkeit und Massendesertionen beendet wird, will sie um jeden Preis vermeiden. <\/strong><\/p>\n<p>Dabei ist auch in der ukrainischen Bev\u00f6lkerung l\u00e4ngst der Wunsch nach einem sofortigen Frieden ungeachtet der territorialen Fragen alles bestimmend. Doch anstatt auf die Kriegsm\u00fcdigkeit in Russland zu setzen, k\u00fcndigte der ukrainische Oberbefehlshaber Syrskyj im Januar 2026 eine \u201eGegenoffensive\u201c an. 50.000 russische Soldaten w\u00fcrden dabei pro Monat ihr Leben verlieren. Tats\u00e4chlich w\u00fcrde solch eine Gegenoffensive vor allem extrem hohe Verluste auf der ukrainischen Seite bedeuten.<\/p>\n<p>Es gibt zwei Wege, wie der Krieg beendet werden kann: durch die Ersch\u00f6pfung der kriegf\u00fchrenden Staaten \u2013 oder durch fronten\u00fcbergreifende Solidarit\u00e4t und Massendesertionen von unten. Der erste Weg f\u00fchrt an den Verhandlungstisch und soll durch deutsche Soldaten \u201eabgesichert\u201c werden \u2013 bis der n\u00e4chste Krieg kommt. Der zweite Weg ist revolution\u00e4r. Daf\u00fcr braucht es keine Soldaten mehr, auch nicht aus Deutschland.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Europ\u00e4ischer Imperialismus ist keine Alternative zu Trump und Putin Russland, die USA und die europ\u00e4ischen M\u00e4chte liefern sich seit einem Jahr einen Verhandlungspoker \u00fcber die Ukraine. 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