{"id":8911,"date":"2026-01-30T18:42:39","date_gmt":"2026-01-30T17:42:39","guid":{"rendered":"https:\/\/revolinks.de\/?p=8911"},"modified":"2026-01-30T18:42:44","modified_gmt":"2026-01-30T17:42:44","slug":"gibt-es-frieden-in-gaza","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/revolinks.de\/index.php\/2026\/01\/30\/gibt-es-frieden-in-gaza\/","title":{"rendered":"Gibt es Frieden in Gaza?"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Am 10. Oktober 2025 trat zwischen der Hamas und Israel ein Waffenstillstand f\u00fcr den Gazastreifen in Kraft. Es war die erste Stufe eines sogenannten Friedensplans, der unter Druck von US-Pr\u00e4sident Donald Trump zustande kam. Die Hoffnung war gro\u00df, dass dies der Startpunkt f\u00fcr einen dauerhaften Frieden und den Wiederaufbau sein w\u00fcrde. Nun soll die zweite Phase des Plans umgesetzt werden. Netanjahu nutzt dieses diplomatische Theater, um am Boden Fakten zu schaffen, meint <\/em>Reuven Neumann<\/strong><\/p>\n<p>Der Trump-Plan sieht den R\u00fcckzug der israelischen Streitkr\u00e4fte aus dem Gazastreifen vor. Doch die Netanjahu-Regierung ist daran nicht interessiert, im Gegenteil.<\/p>\n<p>Zum Zeitpunkt des Waffenstillstands besetzte das israelische Milit\u00e4r 53 % des Gazastreifens. Die Demarkationslinie zwischen dem von ihr kontrollierten Teil und dem Rest des pal\u00e4stinensischen K\u00fcstengebiets nennt die Netanjahu-Regierung die \u201eGelbe Linie\u201c.<\/p>\n<p>Israels Generalstabschef Ejal Zamir erkl\u00e4rte sie im Dezember zur neuen Grenze. Aber auch diese ist flexibel. Israelische Panzer r\u00fcckten seitdem immer weiter vor und kontrollierten Ende Januar 2026 bereits mehr als 60 % des Gazastreifens.<\/p>\n<h6><strong>Was Israel unter Waffenstillstand versteht<\/strong><\/h6>\n<p>Vom Moment des Abkommens bis zum 20. Januar bombardierten die israelischen Streitkr\u00e4fte \u00fcber 600-mal den Gazastreifen. Mindestens 488 pal\u00e4stinensische Zivilisten wurden umgebracht, \u00fcber 1380 verwundet.<\/p>\n<p><strong>Der Krieg hatte bereits 70.000 Pal\u00e4stinensern das Leben gekostet, darunter rund 20.000 Kinder. Der Gaza-Streifen gleicht noch immer einer Tr\u00fcmmerw\u00fcste.<\/strong><\/p>\n<p>Satellitenbilder zeigen, dass in Gaza 70 % aller Geb\u00e4ude besch\u00e4digt sind, in st\u00e4rker besiedelten Teilen wie Gaza-Stadt sogar 85 %. Die humanit\u00e4re und medizinische Lage f\u00fcr die Menschen dort ist und bleibt katastrophal.<\/p>\n<p>Laut Trumps 20-Punkte-Plan, der dem Waffenstillstand zugrunde liegt, sollen alle Hilfsorganisationen freien und ungehinderten Zugang bekommen, um die Versorgung mit Lebensmitteln und medizinischen G\u00fctern abzusichern. Doch die Netanjahu-Regierung entzog im Januar unter fadenscheinigen Vorw\u00fcrfen 37 internationalen Hilfsorganisationen die Lizenzen. Sie will offenkundig die Notlage der pal\u00e4stinensischen Bev\u00f6lkerung verstetigen.<\/p>\n<h6><strong>Phase 2<\/strong><\/h6>\n<p>Nun soll die zweite Phase des Trump-Plans umgesetzt werden. Demnach soll eine von pal\u00e4stinensischen Technokraten gef\u00fchrte Regierung die Leitung in Gaza \u00fcbernehmen. Sie w\u00e4re ohne Waffen und v\u00f6llig von einem internationalen \u201eFriedensrat\u201c unter Leitung Trumps abh\u00e4ngig, der allein den finanziellen und politischen Rahmen vorgibt.<\/p>\n<p><strong>Die pal\u00e4stinensische Verwaltung w\u00fcrde zu einer reinen Exekutive ohne eigenen Handlungsspielraum degradiert.<\/strong><\/p>\n<p>Der \u201eFriedensrat\u201c setzt sich aus Regierungschefs und Politikern zusammen, die Trump pers\u00f6nlich auserw\u00e4hlt hat, darunter der ehemalige britische Premierminister Tony Blair, der 2003 den US-Krieg gegen den Irak vorbehaltlos unterst\u00fctzte. Einladungen gingen auch an die Regierungen in Saudi-Arabien, Katar, Russland oder der T\u00fcrkei heraus.<\/p>\n<p>Den Vorsitz m\u00f6chte Trump dabei allerdings h\u00f6chstselbst \u00fcbernehmen und damit alle F\u00e4den in der Hand behalten. So kann er die Tagesordnung vorgeben und grunds\u00e4tzlich immer ein Veto einlegen.<\/p>\n<h6><strong>Vertreibung geht weiter<\/strong><\/h6>\n<p>Phase 2 bedeutet: Die Hamas soll alle ihre Waffen abgeben. Dies w\u00fcrde Israel es erlauben, ohne eigene Verluste die Vertreibungspolitik fortzusetzen.<\/p>\n<p>Israel plant derzeit, im S\u00fcden Gazas eine kleine, selbstverwaltete Zone einzurichten, die dem Einfluss der Hamas entzogen sein soll und in der bereits ein Wiederaufbau beginnen k\u00f6nne. Der Rest von Gaza bliebe, was er gerade ist: zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Das hat nichts mit einem echten Frieden zu tun. Tats\u00e4chlich klingt dies eher nach einem Teilungsplan. Eine Zone als faktisches Lager f\u00fcr die pal\u00e4stinensische Zivilbev\u00f6lkerung, der gr\u00f6\u00dfte Teil annektiert von Israel, ein dritter Teil Tr\u00fcmmerw\u00fcste und Kampfzone.<\/p>\n<h6><strong>Bundesregierung ist Komplize<\/strong><\/h6>\n<p>Die Bundesregierung unterst\u00fctzt die israelische Regierung dabei vollkommen kritiklos. Seit dem letzten Jahr sind Bundespr\u00e4sident Steinmeier, Bundeskanzler Merz, Au\u00dfenminister Wadephul und Innenminister Dobrindt alle bei Netanjahu vorstellig geworden und haben ihm die Hand gesch\u00fcttelt. Dass gegen den israelischen Ministerpr\u00e4sidenten ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichthofes wegen mutma\u00dflicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorliegt, st\u00f6rt die Bundesregierung nicht.<\/p>\n<p><strong>Ohne eine Beendigung der nationalen Unterdr\u00fcckung Pal\u00e4stinas kann es im Nahen Osten keinen Frieden geben.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 10. 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