{"id":9010,"date":"2026-03-08T18:00:58","date_gmt":"2026-03-08T17:00:58","guid":{"rendered":"https:\/\/revolinks.de\/?p=9010"},"modified":"2026-03-09T11:05:54","modified_gmt":"2026-03-09T10:05:54","slug":"irankrieg-eskaliert-und-die-bundesregierung-stellt-sich-an-die-seite-der-kriegstreiber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/revolinks.de\/index.php\/2026\/03\/08\/irankrieg-eskaliert-und-die-bundesregierung-stellt-sich-an-die-seite-der-kriegstreiber\/","title":{"rendered":"Irankrieg eskaliert \u2013 und die Bundesregierung stellt sich an die Seite der Kriegstreiber"},"content":{"rendered":"<h2><strong>Schon Tausende tot oder verwundet \u2013 Waffenstillstand jetzt!<\/strong><\/h2>\n<p><strong><em>Eine Woche nach Beginn des Angriffs der USA und Israels ist unklar, was der US-Pr\u00e4sident Trump eigentlich im Iran erreichen will. Umso deutlicher werden die verheerenden Auswirkungen des Krieges. Dennoch stellt sich die Bundesregierung fest an die Seite der Aggressoren. Dieser Wahnsinn kann nicht durch zahnlose Appelle an die Herrschenden gestoppt werden, meint <\/em>Karl Naujoks<\/strong><\/p>\n<p>Der Krieg ist eine Woche alt und die Zahl der Todesopfer im Iran ist bereits auf \u00fcber 1330 gestiegen. USA und Israel haben \u00fcber 5000 Eins\u00e4tze geflogen und dabei rund 100 iranische St\u00e4dte angegriffen.<\/p>\n<p>Mit jedem Tag steigt die Zahl der Opfer unter der Zivilbev\u00f6lkerung. So bombardierte Israels Luftwaffe in mehreren Angriffswellen auch das Zentrum der dichtbesiedelten Millionenmetropole Teheran. Sie trafen neben milit\u00e4rischen Zielen zahllose Verwaltungsgeb\u00e4ude, Wohnh\u00e4user und Kliniken. Eine Massenflucht aus der Stadt ist die Folge.<\/p>\n<h6><strong>US-Krieg ohne Erbarmen<\/strong><\/h6>\n<p>\u201eDie USA gewinnen ohne Barmherzigkeit\u201c, mit diesen Worten br\u00fcstete sich US-Kriegsminister Pete Hegseth am 4. M\u00e4rz in einer Pressekonferenz. Und betonte, dass die USA in der ersten vier Kriegstagen bereits \u201eextrem viel erreicht\u201c h\u00e4tten.<\/p>\n<p><strong>Mehr sei zu erwarten, so Hegseth: \u201eWir haben erst begonnen sie zu jagen, demontieren, demoralisieren und zerst\u00f6ren.\u201c <\/strong><\/p>\n<p>Zu denjenigen, die Hegseth und seine Truppen ins Visier genommen haben, geh\u00f6rten die Kinder und Lehrkr\u00e4fte einer Grundschule im s\u00fcdiranischen Minab. Ihr Geb\u00e4ude wurde Ziel einer gelenkten US-Rakete, kaum dass Trump Iran den Krieg erkl\u00e4rt hatte. 168 Menschen starben, mehrheitlich M\u00e4dchen zwischen 7 und 12 Jahren. Weitere 95 wurden verletzt.<\/p>\n<p>Die zerst\u00f6rte Grundschule befindet sich einige hundert Meter entfernt und klar abgegrenzt zur n\u00e4chsten milit\u00e4rischen Anlage. Aber: Sie wurde durch das weitl\u00e4ufige administrative Netzwerk der iranischen Revolutionsgarden verwaltet. Der Angriff hatte sicherlich die von Hegseth gew\u00fcnschte \u201edemoralisierende\u201c Wirkung auf die Eltern der ermordeten Kinder.<\/p>\n<h6><strong>US-Kriegsplan: Iran beugen<\/strong><\/h6>\n<p>So brutal das Vorgehen ist, so unklar scheint die Zielsetzung der US-Regierung heute. Dies l\u00e4sst sich jedenfalls aus den widerspr\u00fcchlichen Begr\u00fcndungen f\u00fcr die Angriffe ablesen, die Trump, sein Au\u00dfenminister Rubio und Vizepr\u00e4sident Vance in der ersten Kriegswoche abgegeben haben.<\/p>\n<p><strong>Doch bei genauem Hinsehen zeigt sich: Die USA hatten sehr wohl ein Ziel mit den Bombardements verfolgt, das sich allerdings schon in den ersten drei Tagen des Krieges zerlegte.<\/strong><\/p>\n<p>Trumps Kriegserkl\u00e4rung am 28. Februar, die vorbereitet und sicher nicht von Trump selbst geschrieben war, erinnerte an den Beginn des bestehenden iranischen Regimes, das im November 1979 die US-Botschaft in Teheran besetzen lie\u00df und Dutzende Geiseln \u00fcber 444 Tage festhielt. Trump erinnerte auch an den Anschlag pro-iranischer Kr\u00e4fte von 1983 in Beirut, dem 241 US-Marines zum Opfer fielen.<\/p>\n<p>Das ist so vielsagend, wie die Tatsache, dass Trump verschwieg, dass dies damals zum kleinlauten R\u00fcckzug der US-Truppen aus dem Libanon f\u00fchrte. Und dass eine milit\u00e4rische Befreiungsaktion der US-Geiseln in Teheran 1980 unter Pr\u00e4sident Carter kl\u00e4glich scheiterte.<\/p>\n<p><strong>Mit anderen Worten: Das iranische Regime ist den USA seit Beginn an ein Dorn im Auge. Es ist die letzte verbliebene Macht im Nahen Osten, die ihnen die Stirn bietet.<\/strong><\/p>\n<p>In den letzten zwei Jahren hat sich allerdings das Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis in der Region massiv zu Ungunsten Teherans verschoben. Diese Gelegenheit galt es auszunutzen. Zielsetzung der USA war es, tats\u00e4chlich einen Regimewechsel herbeizuf\u00fchren. Oder, wie zuvor in Venezuela, das iranische Regime so zu schw\u00e4chen, dass es fortan zur Kollaboration mit den USA bereit ist und sich die Bedingungen von Washington diktieren l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Und so bombardierten die amerikanisch-israelischen Aggressoren gleich am ersten Tag des Krieges nicht nur mit Ayatollah Khamenei den faktischen Staatschef zu Tode, sondern zugleich auch noch einige Dutzend weitere Personen aus der obersten politischen und milit\u00e4rischen F\u00fchrung des Irans.<\/p>\n<p><strong>Das Kalk\u00fcl: die USA und Israel bringen die gesamte F\u00fchrung des Irans um. Entweder breche das Regime schon irgendwie zusammen, oder seine Nachfolger w\u00fcrden verhandlungsbereit sein und sich beugen.<\/strong><\/p>\n<p>Am 1. M\u00e4rz, dem Tag nach diesem Enthauptungsschlag, k\u00fcndigte Trump Gespr\u00e4che mit ungenannten Nachfolgern in Teheran an. \u201eSie wollen reden, und ich habe zugestimmt, also werde ich mit ihnen reden\u201c, sagte er der US-Zeitschrift <em>The Atlantic<\/em>. Abends wiederholte er gegen\u00fcber der britischen Zeitung <em>Daily Mail<\/em>, er sei weiterhin offen f\u00fcr Gespr\u00e4che mit den Iranern.<\/p>\n<h6><strong>\u201eGr\u00f6\u00dfte \u00dcberraschung\u201c: Kriegsplan in Tr\u00fcmmern<\/strong><\/h6>\n<p>Dies ist praktisch die Wiederholung des Vorgehens gegen\u00fcber Venezuela, wo Trump ebenfalls nach der Entf\u00fchrung des Staatschefs Maduro verk\u00fcndete, dessen Nachfolgerin in Caracas sei bereit, den USA einige Tankerladungen \u00d6l zu schenken und mit Washington zusammenzuarbeiten.<\/p>\n<p>Der Unterschied: Anders als das venezolanische Regime lenkte der Iran nicht ein. Stattdessen zeigte das Regime in Teheran sich vorbereitet, setzte rasch eine neue F\u00fchrung ein \u2013 und griff mit zahllosen, kosteng\u00fcnstigen Drohnen die \u00d6l- und Gasinfrastruktur der Golfstaaten an. Trump r\u00e4umte ein: Das sei die \u201egr\u00f6\u00dfte \u00dcberraschung\u201c gewesen.<\/p>\n<p>Der Iran schloss auch Gespr\u00e4che mit den US-Aggressoren aus. Dies war der Moment, da Trump und sein Gefolge sich dauernd zu widersprechen begannen. Trump tat so, als habe er nie Verhandlungen mit den Nachfolgern Khameneis beabsichtigt. Er f\u00fcgte am 3. M\u00e4rz hinzu: Die Munitionsbest\u00e4nde der Vereinigten Staaten seien \u201epraktisch unbegrenzt\u201c, der Krieg k\u00f6nnte \u201eauf ewig\u201c und sehr erfolgreich gef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p><strong>Nur: Was soll das Ziel des \u201eewigen\u201c Krieges sein? Am Tag 7 des Krieges k\u00fcndigte er an, dieser werde erst enden, wenn Teheran \u201ebedingungslos kapituliert\u201c. Wie soll das funktionieren ohne den Einsatz von Bodentruppen? Trumps Regierungssprecherin Leavitt erl\u00e4uterte auf Nachfrage: Die bedingungslose Kapitulation l\u00e4ge vor, wenn der US-Pr\u00e4sident \u201eentscheidet, dass der Iran keine Gefahr mehr f\u00fcr die USA darstellt\u201c.<\/strong><\/p>\n<p>Dies ist so unsinnig wie die Behauptung von US-Kriegsminister Hegseth, die USA h\u00e4tten den Krieg gar nicht begonnen, sondern w\u00fcrden ihn nur zum Ende bringen. Tats\u00e4chlich war der Iran mit den USA gerade am Verhandeln, als er angegriffen wurde. Nicht einmal der amerikanische Geheimdienst CIA ging davon aus, dass vom Iran eine \u201eunmittelbare Bedrohung\u201c f\u00fcr die USA ausgegangen sei.<\/p>\n<h6><strong>Fl\u00e4chenbrand und \u00f6konomisches Desaster<\/strong><\/h6>\n<p>Einmal angefangen, l\u00e4sst sich der Krieg nicht leicht einfangen. Das iranische Regime hat nicht nur \u00fcberlebt, sondern konnte Zehntausende zu einer Trauerdemonstration f\u00fcr Ayatollah Khamenei mobilisieren. Anstatt den Aufstand gegen das Regime zu befeuern, hat das Bombardement das Regime politisch gest\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Die iranischen Streitkr\u00e4fte haben weitgehend erfolgreich die Stra\u00dfe von Hormus blockiert. Durch diese Meeresenge werden 20 Prozent des weltweiten Erd\u00f6ls transportiert. Folge sind globale Preisspr\u00fcnge bei Diesel und Benzin, die auch wir alle an den Tankstellen zu sp\u00fcren bekommen.<\/p>\n<p>Der gleiche Effekt hat der Produktionsstopp von <em>Qatar Energy<\/em>, dem gr\u00f6\u00dften Fl\u00fcssiggasersteller der Welt, auf die Preise f\u00fcr Erdgas. Der Krieg hat das Potenzial, eine Weltwirtschaftskrise auszul\u00f6sen.<\/p>\n<p>Der Flugverkehr \u00fcber die vielfrequentierten Drehscheiben im Golf liegt still. In der Region h\u00e4ngen nun Hundertausende Personen aus dem Westen fest, darunter zahlreiche US-Amerikaner, worauf die Regierung in Washington offenbar nicht im Geringsten vorbereitet war.<\/p>\n<p>Erst zwei Tage nach Kriegsbeginn gab das US-Au\u00dfenministerium an alle amerikanischen Staatsb\u00fcrger, die sich in Bahrain, \u00c4gypten, Iran, Irak, Israel, Jordanien, Kuwait, Libanon, Oman, Katar, Saudi-Arabien, Syrien und die Vereinigten Arabischen Emiraten und Jemen aufhalten, eine Warnung heraus. Die Aufforderung \u00fcber Social Media: \u201eDEPART NOW\u201d \u2013 haut ab, sofort!<\/p>\n<h6><strong>Israel bombardiert, vertreibt und annektiert<\/strong><\/h6>\n<p>Der einzige Gewinner der Situation ist bislang Israels Regierungschef Netanjahu, dessen Truppen in den Libanon einmarschierten und Evakuierungsbefehle gegen Dutzende Ortschaften herausgaben. In einer Warnung des Milit\u00e4rs auf der Plattform X hie\u00df es, wer sich in Gegenden s\u00fcdlich des Flusses Litani begebe, gef\u00e4hrde sein Leben.<\/p>\n<p>Die s\u00fcdlichen Teile Libanons hat die israelische Armee damit faktisch zu einer Killzone erkl\u00e4rt, in dem jeder erschossen werden kann, der sich dort aufh\u00e4lt. Hunderttausende flohen vor der Gewalt und leben nun in Autos oder auf den Stra\u00dfen der libanesischen Hauptstadt Beiruts, die ihrerseits von der israelischen Luftwaffe bombardiert wird.<\/p>\n<p>Israel treibt im Schatten des Iran-Krieges die Vertreibungs- und Annexionspl\u00e4ne gegen die pal\u00e4stinensische Bev\u00f6lkerung und andere arabische Nachbarn massiv voran.<\/p>\n<h6><strong>Auf dem Weg zum B\u00fcrgerkrieg?<\/strong><\/h6>\n<p>Der Irankrieg erzeugt, wie alle Kriege, seine eigene Dynamik. Auf der einen Seite gibt es m\u00e4chtige Faktoren, die auf einen raschen R\u00fcckzug wirken, insbesondere die steigenden \u00d6lpreise bei gleichzeitig steigendem Dollar.<\/p>\n<p>Je l\u00e4nger der Krieg dauert, desto eher sieht Iran als Sieger aus, sollte das Regime \u00fcberleben. Obendrein lehren sich die Munitionsbest\u00e4nde der Aggressoren im hohen Tempo. In der ersten Woche haben die USA und Israel mehr Flugabwehrraketen verschossen, als pro Jahr hergestellt werden. Die Kosten allein f\u00fcr die ersten 100 Stunden Krieg lagen f\u00fcr die USA bei gesch\u00e4tzt 3,7 Milliarden US-Dollar. F\u00fcr Israel sch\u00e4tzt das Finanzministerium in Tel Aviv die w\u00f6chentlichen Kosten des Krieges auf mehr als neun Milliarden Schekel (2,5 Milliarden Euro)<em>.<\/em><\/p>\n<p>Der Iran setzt auf Internationalisierung des Konflikts, um den Preis f\u00fcr die USA und Israel \u00fcber die indirekten Wirkungen auf die Weltwirtschaft noch weiter hochzutreiben. Mittlerweile sind ein Dutzend Staaten in den Krieg hineingezogen worden. Die USA befeuern dies noch und haben mit einem Uboot ein vor der K\u00fcste Sri Lankas in internationalen Gew\u00e4ssern fahrendes iranisches Kriegsschiff versenkt. Sie t\u00f6teten dabei 87 iranische Matrosen.<\/p>\n<p>Angesichts des mit jedem Tag wachsenden Preises f\u00fcr den Krieg kam die US-F\u00fchrung offenbar nachtr\u00e4glich auf die Idee, sich vor Ort nach m\u00f6glichen Verb\u00fcndeten am Boden umzugucken. Verschiedene kurdische Kr\u00e4fte im Iran und im Nachbarland Irak haben best\u00e4tigt, von den USA um Unterst\u00fctzung gebeten worden zu sein.<\/p>\n<p>Wenn diese sich darauf einlassen, und vieles spricht daf\u00fcr, dann werden sie die Sache des nationalen kurdischen Befreiungskampfes mit dem Makel der Kollaboration mit dem US-Imperialismus besudeln. Ein blutiger, sich hinziehender B\u00fcrgerkrieg ohne Perspektive droht, der das Land nur weiter zerst\u00f6ren wird, so wie in den 2010er Jahren im benachbarten Irak.<\/p>\n<h6><strong>Bundesregierung paktiert und laviert<\/strong><\/h6>\n<p>Wer am ersten Abend des Krieges die Berichterstattung in den Hauptnachrichtensendungen ARD und ZDF gesehen hat, musste den Eindruck bekommen, der Iran habe angegriffen. Kein Wort zu m\u00f6glichen Opfern im Land, aber von vornherein klare Parteinahme f\u00fcr Israel und seinen Krieg.<\/p>\n<p>Diese Darstellung entsprach den Reaktionen aus der Bundesregierung. Kanzler Friedrich Merz, Frankreichs Pr\u00e4sident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Keir Starmer brandmarkten in einer gemeinsamen Stellungnahme den Iran als Aggressor. Sie erkl\u00e4rten, die notwendigen Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, \u201eum unsere Interessen und die unserer Verb\u00fcndeten in der Region zu verteidigen\u201c. Das werde, falls notwendig, auch \u201edas Erm\u00f6glichen von verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigen milit\u00e4rischen Defensivma\u00dfnahmen einschlie\u00dfen, um die F\u00e4higkeit des Irans, Raketen und Drohnen abzufeuern, an der Quelle zu zerst\u00f6ren\u201c.<\/p>\n<p><strong>Bundeskanzler Merz stellte sich an die Seite der USA und Israels mit den Worten: \u201eJetzt ist nicht die Zeit f\u00fcr Belehrungen\u201c. Bei seinem Treffen mit US-Pr\u00e4sident Donald Trump \u00dcbereinstimmung in der Iran-Politik betont. \u201eWir sind uns einig, dass dieses schreckliche Regime in Teheran gest\u00fcrzt werden muss\u201c.<\/strong><\/p>\n<p>Als Merz\u2018 Regierungssprecher Stefan Kornelius am 2. M\u00e4rz auf einer Pressekonferenz von einem Journalisten gefragt wurde, was die Bundesregierung zum Tod von Zivilisten wie jenen in einer Grundschule f\u00fcr M\u00e4dchen sagt, gab er keine Antwort.<\/p>\n<p>Auf die Frage, ob die USA und Israel angegriffen h\u00e4tten: ebenfalls keine Antwort. Auf die Nachfrage, ob der Iran das Recht zur Selbstverteidigung habe, antwortete Kornelius, der Iran s\u00e4he das sicherlich so. Das ist dieselbe Regierung, die die grenzenlose Aufr\u00fcstung der Bundeswehr und die Wehrpflicht damit rechtfertigt, dass Russland einen Angriffskrieg gegen die Ukraine f\u00fchrt. Wenn die eigenen Verb\u00fcndeten dasselbe machen, gelten offenbar andere Ma\u00dfst\u00e4be.<\/p>\n<h6><strong>Widerstand ist notwendig<\/strong><\/h6>\n<p>Deutschland ist nicht nur moralischer Unterst\u00fctzer der Aggression. \u00dcber die Airbase in Ramstein organisieren US-Streitkr\u00e4fte den Nachschub in Richtung Kriegsgebiet. Dass es auch anders geht, zeigt die spanische Regierung, die den USA die Nutzung ihrer Luftbasen im Land f\u00fcr den Krieg untersagt. Zur Schande von Merz hatte dieser erst geschwiegen, dann Zustimmung signalisiert, als Trump in seiner Anwesenheit Spanien daf\u00fcr mit Strafz\u00f6llen drohte.<\/p>\n<p>Jetzt, da die US-Lenkwaffen knapp werden, wollen deutsche R\u00fcstungskonzerne bei der Produktion helfen. Merz nutzt die Aufregung um den Krieg, um nun auch noch mit Macron zu verhandeln, um Deutschland zum Standort f\u00fcr franz\u00f6sische Nuklearwaffen zu machen.<\/p>\n<p>Den deutschen Kapitalisten wird unwohl beim Gedanken an die wirtschaftlichen Auswirkungen eines sich hinziehenden Krieges, bei dem sie ansonsten nur Zaungast sind. Doch Widerstand gegen den Kollaborationskurs mit den USA und Israel kann nur von unten kommen. Es muss ein Widerstand sein, der sich zugleich auch gegen den deutschen Militarismus richtet.<\/p>\n<p>Ein Problem ist, dass das iranische Regime tats\u00e4chlich ein grausames, diktatorisches Regime ist, dass erst zu Beginn des Jahres eine Massenprotestwelle blutig niederschlug und tausende, wenn nicht Zehntausende t\u00f6tete. Dies erschwert den Start f\u00fcr eine Bewegung, da vieler Iranerinnen und Iraner einen Protest gegen den US-Krieg mit der Unterst\u00fctzung f\u00fcr das Regime in Teheran gleichsetzen. In dem entstandenen Vakuum kann der Schah-Sohn an Zulauf gewinnen, der sich als US-Marionette anbietet und die Bombardierungen auf den Iran sogar noch unterst\u00fctzt.<\/p>\n<h6><strong>Illusionen in das V\u00f6lkerrecht<\/strong><\/h6>\n<p>Der Widerstand muss daher von der deutschen Linken ausgehen. Da ist bislang sehr wenig gekommen. Ein Problem ist die Fixierung auf das V\u00f6lkerrecht, dessen Einhaltung angemahnt wird. Dies f\u00fchrt in die Passivit\u00e4t.<\/p>\n<p>Symptomatisch ist die Haltung der Linkspartei. Sie ist die st\u00e4rkste Kraft im linken Spektrum. Laut Forsa lehnen 84 Prozent aller Anh\u00e4nger der Partei den Angriff auf den Iran ab, in der Bev\u00f6lkerung liegt die Ablehnung bei 57 Prozent. Dies b\u00f6te das Potenzial, eine gro\u00dfe Antikriegsmobilisierung anzusto\u00dfen.<\/p>\n<p>Doch statt entsprechend scharf aufzutreten und zum Widerstand aufzurufen, sagte Linke-Fraktionschef S\u00f6ren Pellmann: \u201eDas V\u00f6lkerrecht spielt dabei mal wieder keine Rolle\u201c. Es gelte jetzt auf internationaler Ebene, diese Eskalation zu verhindern, um die Zivilbev\u00f6lkerung in der gesamten Region zu sch\u00fctzen. \u201eHier steht auch die Bundesregierung als enger Partner Israels in der Pflicht.\u201c<\/p>\n<p>Dieser lauwarme Appell an die Bundesregierung ist hilflos. Au\u00dferdem liegt ihm ein Missverst\u00e4ndnis zugrunde. Erstens ist das V\u00f6lkerrecht ist kein Garant f\u00fcr die Einhaltung von Frieden und Menschenrechte. Es kann nicht durch eine staatliche oder gar \u00fcberstaatliche Gewalt durchgesetzt werden, wie dies etwa auf Ebene der Staaten f\u00fcr geltende Gesetze gilt. Das \u201eV\u00f6lkerrecht\u201c ist kein \u201eRecht\u201c, sondern nichts anderes als die gesammelten Vereinbarungen zwischen den kapitalistischen Nationalstaaten.<\/p>\n<p>Wenn die F\u00fchrer der m\u00e4chtigsten Staaten der Welt diese Vereinbarungen nun ignorieren wie Trump, oder in Frage stellen, wie Merz, dann signalisiert dies: Die Herrschenden sind mit den alten Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnissen unzufrieden und wollen eine Neuaufteilung der Einflusssph\u00e4ren erreichen. Folge ist ein Konflikt, der den Mittel ausgetragen wird, die Staaten zur Verf\u00fcgung haben: Mit Z\u00f6llen, Androhung von Gewalt oder Anwendung von Gewalt.<\/p>\n<p><strong>Dies liegt in der Natur eines von Konkurrenz gepr\u00e4gten System. Der Kapitalismus tr\u00e4gt den Krieg in sich, wie die Wolke den Regen, sagte einst der franz\u00f6sische Sozialist Jean Jaur\u00e8s.<\/strong><\/p>\n<p>Das Bedauern \u00fcber das Missachten des V\u00f6lkerrechts und Appelle an das Verantwortungsgef\u00fchl die Herrschenden sind Ausdruck der Ohnmacht und Orientierungslosigkeit. Sie lenken ab von dem, was zu tun ist: eine Bewegung von unten gegen den Krieg aufzubauen. Dies geht nur im Widerstand gegen die Herrschenden.<\/p>\n<p>Der Kampf braucht daf\u00fcr Parolen, die uns zusammenbringen und klar umrissen sind. F\u00fcr den Moment sind das:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Bomben bringen keine Befreiung &#8211; Waffenstillstand jetzt! <\/strong><\/li>\n<li><strong>Stoppt die Kriegstreiber &#8211; Sperrung des deutschen Luftraums f\u00fcr amerikanisches Milit\u00e4r! <\/strong><\/li>\n<li><strong>Stopp aller R\u00fcstungsexporte an Israel! <\/strong><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon Tausende tot oder verwundet \u2013 Waffenstillstand jetzt! Eine Woche nach Beginn des Angriffs der USA und Israels ist unklar, was der US-Pr\u00e4sident Trump eigentlich im Iran erreichen will. Umso deutlicher werden die verheerenden Auswirkungen des Krieges. Dennoch stellt sich die Bundesregierung fest an die Seite der Aggressoren. 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