{"id":9104,"date":"2026-04-23T16:49:45","date_gmt":"2026-04-23T14:49:45","guid":{"rendered":"https:\/\/revolinks.de\/?p=9104"},"modified":"2026-04-24T17:05:31","modified_gmt":"2026-04-24T15:05:31","slug":"der-rentenbetrug-geht-weiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/revolinks.de\/index.php\/2026\/04\/23\/der-rentenbetrug-geht-weiter\/","title":{"rendered":"Der Rentenbetrug geht weiter"},"content":{"rendered":"<h2><strong>Riester ist tot, es lebe Riester! <\/strong><\/h2>\n<p><strong><em>Bundeskanzler Friedrich Merz sagte am Montag vor dem Bankenverband: \u201eDie gesetzliche Rentenversicherung allein wird allenfalls noch die Basisabsicherung sein f\u00fcr das Alter.\u201c Sein Ziel ist die massive Ausweitung der sogenannten kapitalgedeckten Rentenanteile \u2013 also die individuelle Vorsorge, etwa \u00fcber Aktiendepots oder Immobilienbesitz. Wer sich das nicht leisten kann, hat Pech gehabt. Altersarmut f\u00fcr Millionen ist vorprogrammiert, meint <\/em>Karl Naujoks<\/strong><\/p>\n<p>Der Koalitionspartner SPD reagierte auf Merz\u2018 Kampfansage mit Unverst\u00e4ndnis, lie\u00df sich dann aber schnell beruhigen. Sozialministerin B\u00e4rbel Bas erkl\u00e4rte im Fernsehinterview, sie habe mit Merz gesprochen. F\u00fcr sie sei nun klar: \u201aEr habe das so nicht sagen wollen.\u2018<\/p>\n<p>Bas redet Unsinn. Nat\u00fcrlich wollte Merz es so sagen. Sonst h\u00e4tte es der Kanzler ja selbst geradebiegen k\u00f6nnen. Aber die SPD hat ein Problem damit, wenn sie als Koalitionspartner pl\u00f6tzlich als Handlanger eines konservativen Kanzlers dasteht, der es den Banken recht macht \u2013 und so den Widerstand der Gewerkschaften provozieren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Tatsache ist: Gemeinsam hat die Koalition l\u00e4ngst den Weg in die von Merz gew\u00fcnschte Richtung eingeschlagen. Am 27. M\u00e4rz stimmte die Mehrheit aus CDU\/CSU und SPD im Bundestag f\u00fcr die Reform der sogenannten privaten Altersvorsorge. Das neue Altersvorsorgereformgesetz soll ab 2027 gelten und die bestehende Riester-Rente ersetzen.<\/p>\n<h6><strong>Der gro\u00dfe Rendite-Schwindel<\/strong><\/h6>\n<p>Diese wurde im Jahr 2001 unter der sozialdemokratischen Regierung von Kanzler Gerhard Schr\u00f6der und seinem Sozialminister Walter Riester auf den Weg gebracht.<\/p>\n<p>Die Bundesregierung hatte damals die Anspr\u00fcche aus der gesetzlichen Rentenversicherung pauschal um 4 Prozent gesenkt. Die L\u00fccke sollen Arbeitnehmer aus eigener Tasche zahlen, indem sie Vertr\u00e4ge mit Versicherungsunternehmen oder Banken schlie\u00dfen und privat einzahlen \u2013 bis zu 175 Euro monatlich. Diese \u201eRiester-Rente\u201c f\u00f6rdert der Staat pro Jahr mit 3,5 bis 4 Milliarden Euro.<\/p>\n<p><strong>Damals wurde die Einf\u00fchrung der Riester-Rente in allen Medien hochgejubelt. Das Versprechen: die staatlichen Zusch\u00fcsse garantieren eine satte Rendite im Alter.<\/strong><\/p>\n<p>Doch nach f\u00fcnfzehn Jahren stellt sich heraus: Alles Lug und Trug. Die bei Unternehmen wie <em>Allianz<\/em> oder <em>PostBank<\/em> erworbenen Anspr\u00fcche fallen l\u00e4cherlich niedrig aus. Das DIW errechnete, dass die Versicherten im Schnitt mindestens 87 Jahre alt werden m\u00fcssen, um wenigstens ihre eigenen Einzahlungen ausgezahlt zu bekommen \u2013 ohne jegliche Rendite.<\/p>\n<h6><strong>\u00dcber 5 Millionen fliehen aus Riester<\/strong><\/h6>\n<p>Riester-Vertr\u00e4ge sind Knebelvertr\u00e4ge. Wer aus dem einmal geschlossenen Vertrag herauskommen will, muss die erhaltenen staatlichen Zulagen vollst\u00e4ndig zur\u00fcckzahlen \u2013 obgleich diese zuvor \u00fcber \u201eVerwaltungsgeb\u00fchren\u201c von den Versicherungsunternehmen gr\u00f6\u00dftenteils eingesackt worden sind. Ungeachtet dieser erheblichen pers\u00f6nlichen Verluste ist mittlerweile jeder vierte der 20 Millionen Vertragsabschl\u00fcsse vorzeitig gek\u00fcndigt worden!<\/p>\n<p>Das <em>Handelsblatt<\/em> fasste es so zusammen: \u201eAm Ende wird die Riester-Rente aber zum Flop. Komplizierte Vertr\u00e4ge und \u00fcberh\u00f6hte Geb\u00fchren fressen die staatliche F\u00f6rderung teilweise komplett auf.\u201c<\/p>\n<h6><strong>Die Angriffe auf die Rente gehen weiter<\/strong><\/h6>\n<p>Riester-Renten waren \u2013 und sind \u2013 ein milliardenschweres Geschenk der Bundesregierung an die Versicherungsbranche, zulasten der Steuerzahler. Von dem Betrug profitieren aber auch alle anderen kapitalistischen Unternehmen. Denn anders als im Umlagesystem der gesetzlichen Rentenversicherung m\u00fcssen Arbeitgeber nichts zu den Riester-Vertr\u00e4gen ihrer Besch\u00e4ftigten beitragen.<\/p>\n<p>Nun haben die Regierungsfraktionen unter Federf\u00fchrung von Sozialministerin B\u00e4rbel Bas (SPD) eine Reform beschlossen, die den Teufel mit dem Beelzebub austreibt. Anstatt die Versicherungskonzerne mit ihren Profitinteressen aus dem Rentensystem herauszudr\u00e4ngen, werden stattdessen zus\u00e4tzlich Verm\u00f6gensverwalter wie <em>BlackRock<\/em> eingeladen.<\/p>\n<p><strong>Ab 2027 soll es neben einem Standardprodukt \u00e0 la Riester auch renditeorientierte Depots geben, allerdings \u201eohne Beitragsgarantie bei der Auszahlung\u201c. <\/strong><\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Staatliche Gelder werden flie\u00dfen, um Lohnabh\u00e4ngige zu Spekulationen mit b\u00f6rsengest\u00fctzten Fonds zu ermutigen, deren Bankrott nicht ausgeschlossen ist.<\/p>\n<h6><strong>Altersverunsicherung<\/strong><\/h6>\n<p>Hessische Anw\u00e4lte erleben gerade, was das bedeutet. Ihr Versorgungswerks VWRAH verwaltet Kapitalanlagen zur Alterssicherung der rund 25.000 Mitglieder. Im M\u00e4rz verzeichnete die VWRAH einen Totalverlust von 58 Millionen Euro aufgrund einer Fehlinvestition in ein Wolkenkratzerprojekt in San Francisco. Weitere Abschreibungen aufgrund undurchsichtiger Immobilienspekulationen in den USA drohen.<\/p>\n<p>Die Bundesregierung will, dass nicht nur Anw\u00e4lte, sondern auch gew\u00f6hnliche Lohnabh\u00e4ngige einen Teil ihrer Rente verwetten. Das ist keine Alterssicherung, sondern nichts als ein Gl\u00fccksspiel mit hohem Risiko!<\/p>\n<h6><strong>Frankreich zeigt den Weg<\/strong><\/h6>\n<p>Gewerkschaftsnahe Institute wie das WSI haben viele hilfreiche Studien zur Rente ver\u00f6ffentlicht. Sie weisen nach, dass die bestehende gesetzliche Rentenversicherung entgegen aller Panikmache sehr wohl finanzierbar ist. Doch Texte und Argumente reichen nicht.<\/p>\n<p>Nun hat Kanzler Merz mit einer \u00c4u\u00dferung alle aufgeweckt. Christiane Benner, Vorsitzende der IG Metall, drohte der Regierung mit Streiks. \u201eWenn die Regierung die gesetzliche Rente k\u00fcrzt, dann brennt die H\u00fctte\u201c, sagte sie. \u201eEs gibt No-Gos, auf die wir mit Protesten reagieren w\u00fcrden.\u201c<\/p>\n<p><strong>Das Problem ist: Auf den Beschluss des Bundestages am 27. M\u00e4rz zur Ausweitung der privaten Renten hat die IG Metall, wie alle anderen Gewerkschaften auch, eben <em>nicht<\/em> reagiert. Die Gewerkschaftsapparate hoffen darauf, dass die sozialdemokratischen Ministerinnen und Minister das Schlimmste f\u00fcr sie verhindern werden, wenn es um die konkrete Ausgestaltung des Beschlusses geht. Diese Passivit\u00e4t kann sich bitter r\u00e4chen.<\/strong><\/p>\n<p>Wie es anders geht, zeigt Frankreich. Dort haben im letzten Jahr andauernde gewerkschaftliche Proteste auf den Stra\u00dfen und in Betrieben die Regierung Lecornu erst in eine tiefe Krise gest\u00fcrzt, und dann zu Zugest\u00e4ndnissen gezwungen. Im Oktober setzte sie das bereits beschlossene Gesetz zur Anhebung des Renteneintrittsalters aus. Es befindet sich weiter bei unter 63 Jahren \u2013 in Deutschland liegt es bei 67!<\/p>\n<p><strong>Die Botschaft ist klar: Nur Klassenkampf kann die Rente f\u00fcr Millionen sichern.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Riester ist tot, es lebe Riester! Bundeskanzler Friedrich Merz sagte am Montag vor dem Bankenverband: \u201eDie gesetzliche Rentenversicherung allein wird allenfalls noch die Basisabsicherung sein f\u00fcr das Alter.\u201c Sein Ziel ist die massive Ausweitung der sogenannten kapitalgedeckten Rentenanteile \u2013 also die individuelle Vorsorge, etwa \u00fcber Aktiendepots oder Immobilienbesitz. 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