{"id":9192,"date":"2026-07-01T17:13:20","date_gmt":"2026-07-01T15:13:20","guid":{"rendered":"https:\/\/revolinks.de\/?p=9192"},"modified":"2026-07-01T17:13:20","modified_gmt":"2026-07-01T15:13:20","slug":"das-us-debakel-am-persischen-golf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/revolinks.de\/index.php\/2026\/07\/01\/das-us-debakel-am-persischen-golf\/","title":{"rendered":"Das US-Debakel am Persischen Golf"},"content":{"rendered":"<h2><strong>Das Abkommen mit dem Iran &#8211; eine Bilanz<\/strong><\/h2>\n<p><strong><em>Am 28. Februar dieses Jahres erkl\u00e4rte US-Pr\u00e4sident Donald Trump Iran den Krieg. Ziel war es, zusammen mit Israel durch massive Bombardierungen einen Regimewechsel in Teheran herbeizuf\u00fchren. Damit scheiterte Trump. Stattdessen wurde eine 14-Punkte umfassende Absichtserkl\u00e4rung (\u201eMemorandum of Understanding\u201c) unterzeichnet, auf dessen Grundlage Teheran nun Anspruch auf die Verzollung der Meeresenge von Hormus erhebt. Dies zeigt, der US-Imperialismus hat am Persischen Golf eine schwere Niederlage erlitten, meint <\/em><\/strong><strong>Reuven Neumann.<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Zu Beginn des Krieges hatte US-Pr\u00e4sident Trump dem Iran wiederholt mit der Ausl\u00f6schung und Vernichtung gedroht. Noch im April drohte er: \u201eEine ganze Zivilisation wird heute Nacht sterben.\u201c Im n\u00e4chsten Moment machte Trump dann einen R\u00fcckzieher und betonte seine Bereitschaft, einen \u201eDeal\u201c mit dem Iran abzuschlie\u00dfen. Die bisherige Verhandlungsstrategie Trumps zeichnete sich durch einen permanenten Zick-Zack-Kurs zwischen ultimativen Vernichtungsdrohungen und \u00fcberraschenden Zugest\u00e4ndnissen aus.<\/p>\n<p>Darin dr\u00fcckte sich bereits aus, dass Trump sich mit seinen Kriegszielen v\u00f6llig verkalkuliert hatte. Er dachte, er k\u00f6nnte \u2013 wie Monate zuvor in Venezuela \u2013 mit einem brutalen Schlag das Regime in Teheran enthaupten und das Restregime dann zum Einlenken bewegen.<\/p>\n<p><strong>Das hat nicht funktioniert. Das iranische Regime war vorbereitet und nutzte k\u00fchn den geografischen Vorteil.<\/strong><\/p>\n<p>Die iranischen Streitkr\u00e4fte konnten mit verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig wenig Kosten in einem asymmetrischen Krieg die Meeresenge am Persischen Golf, die Stra\u00dfe von Hormus, blockieren und die \u00d6lscheicht\u00fcmer am Golf angreifen und so die Erd\u00f6l- und Erdgasversorgung der Weltwirtschaft in den Schwitzkasten nehmen.<\/p>\n<h6><strong>Iran bestimmt Verhandlungsgrundlage<\/strong><\/h6>\n<p>Wie wirksam diese Taktik war, zeigt Folgendes: Als der Iran im April den USA einen Vorschlag \u00fcberreichen lie\u00df, der eine \u00d6ffnung der Stra\u00dfe von Hormus vorsah, im Gegenzug f\u00fcr ein Ende der gegen Iran gerichteten Sanktionen, reagierte Trump durchaus positiv. Er meinte, dass dies \u201eeine tragf\u00e4hige Verhandlungsgrundlage\u201c bieten w\u00fcrde \u2013 obgleich sogar Reparationsforderungen Teil dieses Vorschlags waren.<\/p>\n<p>Diese vom Iran eingebrachten Punkte finden sich auch in dem aktuellem Verhandlungsergebnis wieder. Es ist der Iran, dessen Vorschl\u00e4ge, die gesamten Verhandlungen dominieren. Bei der Unterzeichnung des aktuellen Abkommens beteuerte Trump, wie wichtig eine schnelle \u00d6ffnung der Stra\u00dfe von Hormus f\u00fcr die USA sei. Denn die schlechtere Alternative zu dieser Vereinbarung sei eine \u201eweltweite Depression\u201c.<\/p>\n<p>Dies zeigt: milit\u00e4rische \u00dcbermacht allein bestimmt noch nicht \u00fcber Sieg und Niederlage in einem Krieg. Selbst der st\u00e4rkste Imperialist ist schlagbar. Trump wollte das Regime in Teheran st\u00fcrzen. Nun sind es die USA, die an Einfluss und Macht im Mittleren Ostens eingeb\u00fc\u00dft haben.<\/p>\n<h6><strong>Anerkennung der US-Kriegsschuld<\/strong><\/h6>\n<p>Gem\u00e4\u00df dem jetzt vereinbarten Abkommen soll die US-amerikanische Blockade von iranischen H\u00e4fen beendet werden, um die Ausfahrt von iranischen Tankern zulassen und damit wieder den Export von \u00d6l erm\u00f6glichen. Gleichzeitig sollen alle US-Streitkr\u00e4fte, die immer wieder Angriffe gegen den Iran ausf\u00fchrten, aus der unmittelbaren N\u00e4he des Iran abgezogen werden.<\/p>\n<p>Das alles, bevor \u00fcberhaupt eine Art von Vertrag zustande kommt. Die unterzeichnete Absichtserkl\u00e4rung soll erst einmal nur Verhandlungen \u00fcber einen Vertrag einl\u00e4uten. Aber wor\u00fcber wird verhandelt? Einzig \u00fcber die Anreicherung von Uran, um dem Iran den Weg zum bau einer Atombombe zu versperren.<\/p>\n<p>Gesetzt ist, dass daf\u00fcr die bestehenden Sanktionen gegen den Iran aufgehoben werden sollen. Dies schlie\u00dft laut dem Vertrag auch die von der UNO auferlegten finanziellen und wirtschaftlichen Einschr\u00e4nkungen ein, die der iranischen Wirtschaft noch zuvor gro\u00dfen Schaden zugef\u00fcgt hatten.<\/p>\n<p>Die USA haben zudem zugestimmt, dass alle bisher eingefrorenen Finanzmittel des Iran freigegeben werden sollen, \u00fcber dessen Einsatz der Iran nun auch frei entscheiden kann.<\/p>\n<p><strong>Ein besonderer Erfolg der iranischen Verhandlungspolitik ist es, dass eine Summe von 300 Milliarden US-Dollar quasi als Reparationszahlungen bereitgestellt wird, um einen schnellen Wiederaufbau der im Krieg durch die USA und Israel zerst\u00f6rten iranischen Infrastruktur zu finanzieren. Dies w\u00e4re eine indirekte Anerkennung der Kriegsschuld durch die USA.<\/strong><\/p>\n<p>Die Verpflichtungen, die der Iran dagegen auf der anderen Seite eingeht, sind \u00fcberschaubar. Die Meerenge von Hormus f\u00fcr den internationalen Schiffsverkehr wird ge\u00f6ffnet \u2013 was sie vor dem Krieg immer war. Allerdings beh\u00e4lt der Iran sich nun vor, die Passage dieser Meeresenge zusammen mit dem benachbarten Oman mit einer Art Wegezoll zu belasten.<\/p>\n<h6><strong>US-Imperialismus \u00fcberdehnt<\/strong><\/h6>\n<p>Die USA haben bei ihren Angriffen keines ihrer angek\u00fcndigten strategischen Ziele erreicht. Weder konnte der Iran milit\u00e4risch entscheidend geschw\u00e4cht werden, noch zu der Aufgabe seines ballistischen Raketenprogramms oder seiner nuklearen Ambitionen gezwungen werden. Schon gar nicht konnte ein Regimewechsel herbeigef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Das iranische Regime, das noch im Januar von landesweiten Massenprotesten ersch\u00fcttert worden war, konnte sich dagegen im Innern wieder weitgehend stabilisieren. Dar\u00fcber hat es nun mit der Kontrolle der Meeresenge von Hormus einen Hebel in der Hand, den es zuvor gar nicht besa\u00df.<\/p>\n<p>Das ist nichts anderes als ein Fiasko f\u00fcr die USA! Das Verhandlungsergebnis ist Ergebnis eines ziellosen Schlingerkurs, den die USA unter Trump eingeschlagen haben. Dieser Schlingerkurs wiederum verdeutlicht die Schw\u00e4che des US-Imperialismus, die aus der \u00dcberdehnung erw\u00e4chst.<\/p>\n<p>Trump kann straflos L\u00e4nder im amerikanischen Hinterhof \u00fcberfallen und \u00f6konomisch knebeln. Aber fernab, im Persischen Golf, haben die US-Streitkr\u00e4fte buchst\u00e4blich ihr Arsenal leergeschossen, so dass sie Raketen aus anderen Weltteilen abziehen mussten.<\/p>\n<h6><strong>\u201eLibanon muss brennen\u201c<\/strong><\/h6>\n<p>Teheran hat darauf bestanden, die Situation im Libanon und die fortgesetzte Besetzung im S\u00fcden des Landes in die Verhandlungen einzubinden. Eine Klausel des Abkommens sieht vor, dass auch der Krieg im Libanon beendet und dessen staatliche Integrit\u00e4t ber\u00fccksichtigt werden m\u00fcsse. So sollte ein Keil zwischen Israel und die USA getrieben werden.<\/p>\n<p>Israels Armee hatte den Irankrieg genutzt, um eine zweite Front gegen die libanesische Hisbollah zu er\u00f6ffnen. Sie ist tief libanesisches Territorium vorger\u00fcckt und bombardiert trotz eines bestehenden \u201eWaffenstillstands\u201c immer wieder die libanesische Bev\u00f6lkerung. Die Taktik besteht darin, den gesamten Raum bis zum Litani-Fluss zu entv\u00f6lkern, in dem alle Ortschaften dem Erdboden gleichgemacht werden.<\/p>\n<p>Ungeachtet der Verhandlungen mit dem Iran beharrt die Regierung Netanjahu weiterhin auf seine Expansionspl\u00e4ne. \u201eVerteidigungsminister\u201c Katz hat deutlich gesagt, dass sich Israel aus keinem der j\u00fcngst eroberten Gebiete im Libanon, in Syrien und dem Gazastreifen mehr zur\u00fcckziehen werde. Es zeigt deutlich, dass hier eine weitere Agenda verfolgt wird: die der ethnischen Vertreibung der arabischen Bev\u00f6lkerung zur Ausdehnung des israelischen Kolonialstaates.<\/p>\n<p><strong>Die israelische Regierung gie\u00dft immer noch mehr \u00d6l ins Feuer. So erkl\u00e4rte der Polizeiminister Itamar Ben Gvir unl\u00e4ngst, dass der \u201eganze Libanon brennen muss\u201c. <\/strong><\/p>\n<p>Die israelische Politik im Libanon stellt f\u00fcr die USA zunehmend ein Hindernis dar, um zu einem Vertrag mit dem Iran zu gelangen. Doch trotz aller Spannungen zwischen Trump und Netanjahu gibt es keine Anzeichen, dass dieses B\u00fcndnis wirklich brechen und die US-amerikanische Hilfe f\u00fcr Israel eingestellt wird. Netanjahu wei\u00df, was er sich herausnehmen kann, zu sehr braucht der US-Imperialismus diesen unverbr\u00fcchlichen Feind des iranischen Regimes und der arabischen Massen.<\/p>\n<h6><strong>Anti-Kriegs-Stimmung in den USA<\/strong><\/h6>\n<p>Allentscheidend f\u00fcr Trumps Nachgeben ist die Stimmung im eigenen Lande. In den USA ist der Krieg mit dem Iran zunehmend unbeliebter geworden. Der amerikanische Pr\u00e4sident will m\u00f6glichst schnell zu einem Abkommen gelangen, um den Krieg zu beenden und die Kritik daran verstummen zu lassen.<\/p>\n<p>Der Druck erzeugte bereits Risse in der eigenen Partei. Trump hatte im Juni im US-Kongress eine herbe Niederlage hinnehmen m\u00fcssen. Das US-Parlament beschloss, dass der Iran-Krieg sofort beendet werden solle und er sich dar\u00fcber hinaus zuk\u00fcnftig eine Genehmigung des Kongresses f\u00fcr weitere milit\u00e4rische Aktionen zu holen habe. Es war zwar nur ein \u201esymbolischer\u201c Beschluss ohne bindende Wirkung. Aber die Schlappe Trumps signalisiert die Aufk\u00fcndigung der Loyalit\u00e4t der ersten Abgeordneten aus den eigenen Reihen. Diese sehen pl\u00f6tzlich in der Gefolgschaft f\u00fcr Trump nicht einen Trumpf, sondern eine Belastung f\u00fcr die eigenen Wahlchancen.<\/p>\n<p>Und es g\u00e4rt reichlich in der amerikanischen Bev\u00f6lkerung. Laut einer aktuellen Umfrage von <em>The Economist\/ YouGov<\/em> glauben lediglich 25 % der Amerikaner, dass die USA den Krieg gegen den Iran gewonnen haben. Gleichzeitig w\u00fcnschen sich 66 % so schnell wie m\u00f6glich den Abschluss eines Abkommens mit dem Iran und damit eine Beendigung des Krieges! Hei\u00dft zusammengefasst: \u201eLieber Niederlage als Krieg!\u201c<\/p>\n<h6><strong>Kein Ende des Konflikts in Sicht<\/strong><\/h6>\n<p>Die Unterzeichnung des Abkommens zwischen den USA und dem Iran bedeutet keineswegs ein Ende des Konflikts. Die konkrete Ausgestaltung der Verhandlungspunkte ist v\u00f6llig offen und wird immer wieder dazu f\u00fchren, dass eine oder beide Seiten St\u00e4rke demonstrieren wollen, um ihre Position am Verhandlungstisch Nachdruck zu verleihen.<\/p>\n<p>Deshalb flammt der Krieg immer wieder auf. Vor allem aber gehen die beiden Erzrivalen in der Region, Israel wie Iran, beide gest\u00e4rkt aus dem aktuellen Konflikt hervor. Beide werden das in Angriffe \u00fcbersetzen, gegebenenfalls \u00fcber Stellvertreterkonflikte mit Verb\u00fcndeten des Irans wie der libanesischen Hisbollah oder den jemenitischen Huthis.<\/p>\n<p>Die Kosten f\u00fcr den Iran-Krieg belaufen sich derweil nach Informationen des Finanzkontrolleurs des Pentagons Jay Hurst auf 25 Milliarden US-Dollar. Dies sei vor allem auf Verwendung von zahlreichen Luft-Boden-Raketen und Marschflugk\u00f6rpern zur\u00fcckzuf\u00fchren. Insgesamt seien 1000 Marschflugk\u00f6rper vom Typ \u201eTomahawk\u201c abgefeuert worden, was etwas das Zehnfache der Menge sei, die das US-Verteidigungsministerium j\u00e4hrlich beschaffe.<\/p>\n<p>Trump ist nun damit gezwungen seine Arsenale baldigst wieder aufzuf\u00fcllen. Entsprechend fordert er vom Parlament die Zustimmung zu einer gigantischen Neuaufr\u00fcstung. Die k\u00f6nnte dann erneut gegen den Iran genutzt werden, um die Ergebnisse des Krieges zu \u201ekorrigieren\u201c. Oder sie ruft Spannungen mit dem imperialistischen Hauptrivalen China hervor, der sich genauso von dieser Aufr\u00fcstung bedroht sehen wird.<\/p>\n<h6><strong>Keine Deutsche Marine in den Golf!<\/strong><\/h6>\n<p>Die europ\u00e4ischen Staaten wollen ihrerseits sich einen Teil des Kuchens sichern. Beim G7-Gipfel in Evian Mitte Juni haben Frankreich und auch Deutschland ihre Bereitschaft erkl\u00e4rt, sich an einer milit\u00e4rischen Mission zur Sicherung der Stra\u00dfe von Hormus zu beteiligen. Vordergr\u00fcndig geht es um das \u201eMinenr\u00e4umen\u201c \u2013 doch das soll laut Abkommen der Iran alleine machen.<\/p>\n<p>Es geht n\u00e4mlich gar nicht um das Aufr\u00e4umen. Sondern, um das in den Weg stellen. Wenn Marine vor Ort ist, dann kann man besser dar\u00fcber verhandeln, welche der passierenden Schiffe k\u00fcnftig eine Maut an Teheran zu entrichten haben, und welche nicht.<\/p>\n<p><strong>Deutsche Soldaten im Persischen Golf: Das ist das letzte, was wir jetzt brauchen! Die Bundesregierung zeigt mit diesem Schritt erneut, dass das monstr\u00f6se Programm zur Aufr\u00fcstung der Bundeswehr nicht \u201edefensiv\u201c ist, sondern am Ende schrittweise den deutschen Imperialismus aus dem Schatten der USA f\u00fchren und unabh\u00e4ngig machen soll.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Abkommen mit dem Iran &#8211; eine Bilanz Am 28. Februar dieses Jahres erkl\u00e4rte US-Pr\u00e4sident Donald Trump Iran den Krieg. 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