{"id":9226,"date":"2026-08-19T07:49:44","date_gmt":"2026-08-19T05:49:44","guid":{"rendered":"https:\/\/revolinks.de\/?p=9226"},"modified":"2026-08-19T11:30:10","modified_gmt":"2026-08-19T09:30:10","slug":"sachsen-anhalt-der-widerstand-gegen-afd-und-sozialabbau-muss-hand-in-hand-gehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/revolinks.de\/index.php\/2026\/08\/19\/sachsen-anhalt-der-widerstand-gegen-afd-und-sozialabbau-muss-hand-in-hand-gehen\/","title":{"rendered":"Sachsen-Anhalt: Der Widerstand gegen AfD und Sozialabbau muss Hand in Hand gehen!"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: center;\"><strong>Dass aus Frust Faschismus entsteht, ist kein Naturgesetz<\/strong><\/h2>\n<h6 style=\"text-align: center;\"><strong>Fragen und Antworten zur Landtagswahl<\/strong><\/h6>\n<p><strong><em>Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt gew\u00e4hlt. In den Umfragen steht die AfD seit Monaten bei \u00fcber 40 Prozent. Nun bereiten sich die Faschisten auf die \u00dcbernahme der Regierungsgesch\u00e4fte vor. Der b\u00fcrgerliche Politikbetrieb ist ratlos. Wie konnte es soweit kommen. Was ist nun zu tun? <\/em>Lisa Weigel <em>gibt Antworten auf dr\u00e4ngendsten Fragen<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<h6><strong>Ist die AfD in Sachsen-Anhalt eine faschistische Partei?<\/strong><\/h6>\n<p>Ja. Das macht sich am Personal der Partei fest. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund kultiviert im Wahlkampf zwar das Image eines ganz normalen Typen, der sich f\u00fcr die Sorgen der einfachen Leute interessiert. Hinter der geschniegelten Fassade aber verbirgt die Personalie Siegmund ein Bekenntnis der AfD zu ihrem radikalsten Fl\u00fcgel.<\/p>\n<p><strong>Siegmund nahm 2023 am Potsdamer Geheimtreffen von Rechtsextremen teil, das durch die Enth\u00fcllungen des Recherchenetzwerk \u201eCorrectiv\u201c bekannt wurde. Inhalt: Pl\u00e4ne zur Deportation von Millionen Migranten mit und ohne deutsche Staatsb\u00fcrgerschaft.<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcberall in Siegmunds Umfeld st\u00f6\u00dft man auf Rechtsextreme, die aus ihrer Einstellung keinen Hehl machen. Er hat einen Aktivisten als Mitarbeiter in der AfD-Landesgesch\u00e4ftsstelle zur Betreuung seines Fanshops eingestellt, der ein bekanntes Gesicht der \u201eIdentit\u00e4ren Bewegung\u201d ist und aus der gewaltbereiten rechten Szene kommt.<\/p>\n<p>Medienberater von Siegmund ist Simon Kaupert, der die rassistische Verschw\u00f6rungstheorie verbreitet, wonach die deutsche Bev\u00f6lkerung \u201eausgetauscht\u201c werden solle. Bei der AfD in Sachsen-Anhalt arbeiten auch ehemalige Funktion\u00e4re der wegen ihrer N\u00e4he zum Nationalsozialismus verbotenen HDJ (Heimattreue Deutsche Jugend).<\/p>\n<h6 style=\"text-align: center;\"><strong>Wie rechts ist das Wahlprogramm der AfD?<\/strong><\/h6>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-9229 alignleft\" src=\"https:\/\/revolinks.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/26_08_19-AfD-Wahlkampf-SA-300x224.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"224\" srcset=\"https:\/\/revolinks.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/26_08_19-AfD-Wahlkampf-SA-300x224.png 300w, https:\/\/revolinks.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/26_08_19-AfD-Wahlkampf-SA-768x574.png 768w, https:\/\/revolinks.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/26_08_19-AfD-Wahlkampf-SA.png 823w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Der v\u00f6lkische Kurs des\u00a0braunen Sumpfs spiegelt sich im Wahlprogramm der AfD f\u00fcr Sachsen-Anhalt wider. Feindbild Nummer 1: Gefl\u00fcchtete. \u00dcberall h\u00e4ngen die blauen Plakate, die \u201eAbschieben ab Minute 1\u201c fordern. Die Partei verspricht, \u201eRemigration\u201d durchzusetzen, also Massendeportationen von Migrantinnen und Migranten.<\/p>\n<p>Die AfD will die Segregation von Kindern mit Migrationshintergrund in Schulen. Sie will Antifaschismus \u201everbieten\u201c und ihr rechtsextremes Umfeld in \u201eB\u00fcrgerwachen\u201d rekrutieren. Das ist ein Programm, um auf den Stra\u00dfen alle jene zu jagen, die ihnen nicht passen: \u201eAusl\u00e4nder\u201c, Linke oder Homosexuelle.<\/p>\n<h6><strong>Bedeutet ein Wahlsieg der AfD die faschistische Macht\u00fcbernahme in Sachsen-Anhalt?<\/strong><\/h6>\n<p>Nein. Der organisatorische Kern der AfD ist faschistisch, die Masse der W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler sind es nicht. Die Faschisten k\u00f6nnen ihre Ziele nur umsetzen, wenn sie die Macht \u00fcbernehmen und jeden Widerstand zerschlagen. Blo\u00df zu regieren reicht daf\u00fcr nicht. Dazu brauchen sie eine Stra\u00dfenbewegung, die massenhaft Terror aus\u00fcbt, wie einst Hitlers SA.<\/p>\n<p>Die AfD ist von diesem Ziel meilenweit entfernt. Ihr Bundesparteitag in Erfurt konnte im Juli nur stattfinden, weil die Polizei die Delegierten in der Nacht zuvor hineinschmuggelte. Denn auf den Stra\u00dfen demonstrierten Zehntausende gegen die AfD. Auch die Gr\u00fcndung des Bundesjugendverbandes \u201eGeneration Deutschland\u201c in Gie\u00dfen im letzten November gelang nur dank des Einsatzes des b\u00fcrgerlichen Staatsapparates, der gewaltt\u00e4tig gegen die Blockade Tausender vorging.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft: die AfD kann bislang ihre Erfolge an der Wahlurne nicht in St\u00e4rke auf der Stra\u00dfe umsetzen. Doch das ist kein Grund zur Entwarnung. Sobald sie die Landesregierung in Magdeburg stellen, werden die Faschisten die Position nutzen, um die Kontrolle \u00fcber die Polizei und andere Gewaltorgane zu gewinnen. Eine starke AfD wird ein Klima schaffen wollen, in dem Nazis sich ermutigt f\u00fchlen, zuzuschlagen.<\/p>\n<p><strong>Die AfD verdankt ihren Aufstieg der Pegida-Stra\u00dfenbewegung der Jahre 2015\/16, die schlie\u00dflich in pogromartiger Hetze in Chemnitz im Jahr 2018 gipfelte. Dieses Szenario kann sich jederzeit wiederholen.<\/strong><\/p>\n<p>Doch im Moment ist die AfD auf der Stra\u00dfe schwach. Eine AfD-gef\u00fchrte Landesregierung kann eine dauerhafte und gro\u00dfe Gegenbewegung erzeugen. Millionen hassen die AfD, auch in Sachsen-Anhalt. Mit anderen Worten: Die Landtagswahlen sind keine Entscheidungsschlacht, sondern nur eine weitere Etappe im Kampf rechts gegen links. Es kommt darauf an, dass die Mobilisierung vor, w\u00e4hrend und nach der Wahl weitergeht.<\/p>\n<h6><strong>Warum ist die AfD so stark?<\/strong><\/h6>\n<p>Die St\u00e4rke der AfD ist eine geliehene St\u00e4rke. Sie befindet sich auf Erfolgskurs, weil die anderen Parteien den Menschen nichts zu bieten haben. Stattdessen kl\u00e4fft die in Magdeburg regierende CDU ihre Parolen nach. Der erste Punkt im CDU-Wahlprogramm lautet: \u201eSicherheit. Ordnung. Migrationswende.\u201d<\/p>\n<p>CDU-Ministerpr\u00e4sident Sven Schulze fordert eine Arbeitspflicht f\u00fcr Langzeitarbeitslose und Gefl\u00fcchtete. Die CDU leistet durch ihren Rassismus der AfD Sch\u00fctzenhilfe, die nichts mehr weiter tun muss. Denn warum CDU w\u00e4hlen, wenn das Original AfD hei\u00dft?<\/p>\n<p><strong>Die CDU regiert Sachsen-Anhalt in verschiedenen Koalitionen seit 2002 und verwaltete das Bundesland im Schatten der Bundespolitik hinein in Armut und Elend. Nun f\u00e4llt ihr nichts mehr ein gegen die AfD, als deren Parolen zu kopieren.<\/strong><\/p>\n<p>Der b\u00fcrgerliche Politikbetrieb steht vor einem Scherbenhaufen. In der Wahl der AfD materialisiert sich eine \u00fcber Jahre aufgestaute Verzweiflung und entt\u00e4uschte Hoffnungen.<\/p>\n<h6><strong>M\u00fcssen wir die W\u00e4hler der AfD abschreiben?<\/strong><\/h6>\n<p>Die soziale Basis der AfD als Partei sind kleine Selbst\u00e4ndige, Immobilienh\u00e4ndler, Verm\u00f6gensberater, Polizisten und ansonsten verkrachte Existenzen aller Arten. Doch diese Gruppen machen nicht die Masse ihrer W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler aus.<\/p>\n<p>Studien zeigen, dass die AfD in Sachsen-Anhalt von vielen Lohnabh\u00e4ngigen mit niedrigerem oder mittlerem Einkommen gew\u00e4hlt werden. In Umfragen geben 75 % der Menschen in dem Bundesland an, die AfD w\u00e4hlen zu wollen, weil sie denken, dass diese die eigene finanzielle Situation verbessert.<\/p>\n<p>Hierin spiegeln sich reale Ungerechtigkeiten wider. In keinem anderen Bundesland steht privaten Haushalten weniger Einkommen zur Verf\u00fcgung als in Sachsen-Anhalt, gleichzeitig gibt es hier die h\u00f6chste Arbeitslosenquote. Besch\u00e4ftigte in Sachsen-Anhalt verdienen geschlagene 13 bis 17 % weniger als vergleichbare Arbeitskr\u00e4fte im Westen. Das gipfelt in der Tatsache, dass die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger Sachsen-Anhalts bundesweit die niedrigste Lebenserwartung haben.<\/p>\n<p>Das Paradox: Die AfD hat nichts anzubieten, was den Menschen tats\u00e4chlich hilft. Sie macht Versprechungen wie ein \u201eBaby-Begr\u00fc\u00dfungsgeld\u201c von 2.000 Euro &#8211; wenn mindestens ein Elternteil die deutsche Staatsb\u00fcrgerschaft innehat. Monatlich soll es ein Landes-Elterngeld, kostenlose Kitas, kostenloses Mittagessen in Kitas und Schulen sowie Zusch\u00fcsse f\u00fcr F\u00fchrerscheine geben.<\/p>\n<p><strong>Das meiste wird sich als leere Versprechen erweisen. Denn zur Gegenfinanzierung m\u00fcsste die AfD bereit sein, das Kapital zu besteuern. Um dessen Widerstand zu brechen, br\u00e4uchte es massenhafte Mobilisierungen von unten f\u00fcr mehr soziale Gerechtigkeit. Das ist so ungef\u00e4hr das Letzte, was die AfD will oder kann. Alles, was von den Versprechen \u00fcbrigbleiben wird, ist eine rassistisch aufgeladene Politik im Dienste des Kapitals.<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Betrug ist zugleich die Achillesferse der AfD. Die Politik der Partei richtet sich gegen die Interessen der Lohnabh\u00e4ngigen. Deshalb k\u00f6nnen diese auch zur\u00fcckgewonnen werden. Das Setzen eines Kreuzes an der falschen Stelle in einer Wahlkabine macht einen Arbeiter noch nicht zu einem geh\u00e4rteten Faschisten.<\/p>\n<h6><strong>Ist die AfD ein ostdeutsches Problem? <\/strong><\/h6>\n<p>Rechte Parteien wie die AfD werden aufgrund der krisenhaften Entwicklung des Kapitalismus in vielen L\u00e4ndern der Welt stark. Aber es ist auff\u00e4llig, dass die AfD in den ostdeutschen Bundesl\u00e4ndern seit Beginn st\u00e4rker ist als im Westen. Die ist ohne die Geschichte der letzten Jahrzehnte nicht zu verstehen. Der industrielle Niedergang nach der Wiedervereinigung hinterlie\u00df tiefe Narben.<\/p>\n<p>Beispiel Chemie-Industrie: Sie ist in Sachsen-Anhalt auch heute noch einer der wichtigsten Wirtschaftszweige. 1989 waren 110.000 Menschen in den gro\u00dfen Chemie-Kombinaten t\u00e4tig. Im Zuge der der Revolution in der DDR nutzten die Belegschaften wiederholt die Drohung mit Generalstreiks, um politische Reformen und die Abl\u00f6sung alter Betriebsleitungen der Staatspartei SED zu erzwingen. Nach dem Mauerfall lagen Aufbruch und Selbstbestimmung in der Luft: Die Industriegewerkschaft Chemie-Papier-Keramik (IG CPK) organisierte massive Proteste gegen die drohende Abwicklung der ostdeutschen Chemieindustrie.<\/p>\n<p><strong>Unter diesem Druck sah sich der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl gezwungen, 1991 in Schkopau ein Versprechen zum Erhalt der Chemiestandorte abzugeben. Doch wenig sp\u00e4ter hatten trotz der K\u00e4mpfe 70 % der Belegschaft ihren Job verloren. <\/strong><\/p>\n<p>Kohl bekam Schmiergeld von einem franz\u00f6sischen Gro\u00dfkonzern, der die Standorte \u00fcbernahm und ausweidete.<\/p>\n<p>Heute arbeiten noch etwa 13.000 Menschen in Sachsen-Anhalt in der Chemie-Industrie, die in der schwersten Krise seit der Wiedervereinigung steckt. 2027 soll das Werk in Schkopau, das heute dem US-Konzern Dow Chemicals geh\u00f6rt, schlie\u00dfen. Im letzten Quartal wies der Konzern einen Nettogewinn von 721 Millionen US-Dollar aus.<\/p>\n<h6><strong>F\u00fchrt der Niedergang automatisch nach rechts?<\/strong><\/h6>\n<p>Nein. Die Frage ist, ob die Gewerkschaften den sozialen Widerstand organisieren und damit einen Pol der Hoffnung setzen. Doch dort, wo Niedergang ohne Widerstand Verzweiflung produziert, k\u00f6nnen Parteien wie die AfD Stimmung gegen S\u00fcndenb\u00f6cke machen.<\/p>\n<p>Die wirtschaftliche Krisenstimmung ist eines der Hauptthemen im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt. Doch anstatt die Mitglieder f\u00fcr den Widerstand gegen das Kapital zu mobilisieren, setzte sich die F\u00fchrung der Gewerkschaft IGBCE in diesem Jahr an einen Tisch mit CDU-Wirtschaftsminister Richter und einem Erd\u00f6l-Lobbyverband. Der \u201eChemie- und Raffineriepakt\u201d, den sie unterzeichnete, sicherte den Unternehmen g\u00fcnstige Energiepreise zu, w\u00e4hrend Mitgliedsfirmen des Verbandes selbst von den hohen Preisen f\u00fcr Erd\u00f6lprodukte profitieren.<\/p>\n<p>Ein weiteres Beispiel: Auch 35 Jahre nach der Wende ist es der Gewerkschaft IG Metall in Sachsen-Anhalt nicht gelungen, die w\u00f6chentliche tarifliche Regelarbeitszeit auf das Westniveau anzugleichen. Der mehrw\u00f6chige Streik zur Angleichung wurde 2003 von der IG Metall erfolglos abgebrochen.<\/p>\n<p>In Sachsen-Anhalt arbeiten Metaller immer noch l\u00e4nger als ihre Kolleginnen und Kollegen im Westen. So entsteht das Gef\u00fchl von Ohnmacht und Entfremdung.<\/p>\n<h6><strong>Ist Widerstand m\u00f6glich?<\/strong><\/h6>\n<p>Ja. Merz\u2019 Kahlschlagpolitik erinnert an die Politik des SPD-Kanzler Schr\u00f6ders, der 1998 unter gro\u00dfen Erwartungen gew\u00e4hlt wurde \u2013 um dann mit der \u201eAgenda 2010\u201d und die Hartz-Gesetze zum sozialen Gro\u00dfangriff anzusetzen. Der Osten war mit seinen vielen langj\u00e4hrigen Arbeitslosen besonders von Hartz IV betroffen.<\/p>\n<p>Doch was folgt, war nicht Resignation und Rechtsruck, sondern Widerstand. Sachsen-Anhalt war 2004 Ausgangspunkt der bundesweiten \u201eMontagsdemonstrationen\u201d. In Magdeburg gingen zun\u00e4chst 15.000 Menschen auf der Stra\u00dfe, zeitgleich in Halle und Dessau jeweils 3.000.<\/p>\n<p>Daraus wurde eine Bewegung von Hunderttausenden in den neuen Bundesl\u00e4ndern. Dies gab der gesellschaftlichen Linken insgesamt und schlie\u00dflich der neuen Partei <em>Die Linke <\/em>massiven Anschub. Sie erreichte bei der Bundestagswahl 2009 in Ostdeutschland 28,5 % der Stimmen. Die Faschisten konnten von Schr\u00f6ders \u201eAgenda 2010\u201c nicht profitieren.<\/p>\n<h6><strong>Was hat sich seitdem ver\u00e4ndert?<\/strong><\/h6>\n<p>Die Linkspartei pr\u00e4sentierte sich als Stimme der sozial Benachteiligten Ostdeutschlands. Aber sie trug in Landesregierungen in ostdeutschen Bundesl\u00e4ndern eine Politik mit, die das bestehende Elend verwaltete. Nirgends war sie auf den Aufbau einer klassenk\u00e4mpferischen Massenpartei ausgerichtet.<\/p>\n<p>So verflogen die mit ihr verkn\u00fcpften Hoffnungen. Schlimmer noch: in manchen St\u00e4dten wie Dresden verantwortete die Linkspartei Privatisierungen von \u00f6ffentlichen Wohnungen; in Berlin nahm sie die Nichtumsetzung von Volksentscheiden zur Verstaatlichung von Wohneigentum durch den Koalitionspartner SPD hin.<\/p>\n<p>So entstand ein Widerspruch zwischen den Versprechen der Linken und ihrer praktischen Rolle im politischen System \u2013 und damit Raum f\u00fcr die AfD, sich als vermeintliche Protestpartei gegen das etablierte Parteiensystem zu etablieren.<\/p>\n<h6><strong>AfD verbieten?<\/strong><\/h6>\n<p>In ihrer Verzweiflung machen sich manche Gegner der AfD wie die Kampagnenorganisation \u201eCampact\u201c f\u00fcr ein Verbot der Partei stark. Diese Forderung hat auch in Linkspartei, Gr\u00fcne und SPD mehr und mehr Anh\u00e4nger.<\/p>\n<p>Eine Partei verbieten zu wollen, die bei einer Landtagswahl mehr als 40 Prozent erreicht, ist nicht nur illusion\u00e4r. Es ist ein derart deutliches Eingest\u00e4ndnis der eigenen Schw\u00e4che, dass die AfD davon unweigerlich profitieren w\u00fcrde. Reichskanzler Bismarck versuchte Ende des 19. Jahrhundert den unaufhaltsam scheinenden Aufstieg der SPD durch Verbote zu verhindern, doch das bef\u00f6rderte diesen nur.<\/p>\n<p><strong>Schlimmer noch: Wer soll solch ein Parteienverbot durchsetzen? Erst m\u00fcsste sich im Bundestag eine Mehrheit f\u00fcr eine entsprechende Initiative finden. Weder ist zu erwarten, dass sich Abgeordnete der CDU\/CSU dazu bereitf\u00e4nden, noch w\u00e4re dies w\u00fcnschenswert. Denn ein B\u00fcndnis mit diesen Kr\u00e4ften ist nur um den Preis politischer Zugest\u00e4ndnisse zu haben, die sich gegen die Linke richten w\u00fcrden.<\/strong><\/p>\n<p>Eine Verbotskampagne ist eine Verzweiflungsaktion, die an den Staatsapparat appelliert, stellvertretend die AfD durch Mittel der Repression zu stoppen. Dies ist ein Rezept f\u00fcr Passivit\u00e4t und die eigene Niederlage.<\/p>\n<h6><strong>Welche bundespolitischen Auswirkungen werden die Wahlen haben?<\/strong><\/h6>\n<p>Sachsen-Anhalt ist Versuchslabor f\u00fcr Kanzler Merz und die Bundesregierung. L\u00e4ngst tobt innerhalb der Union ein Streit \u00fcber die sogenannte \u201eBrandmauer\u201d. Sachsens CDU-Ministerpr\u00e4sident Kretschmer meint, \u201eWir m\u00fcssen mit jedem reden, der reden will&#8220;.<\/p>\n<p>In Sachsen-Anhalt drohten Landtagsabgeordnete der CDU damit, eine eigene Fraktion gr\u00fcnden zu wollen, sollte die Parteispitze eine Regierung durch die Tolerierung der Linkspartei bilden. Diese neue konservative Fraktion w\u00fcrde der AfD dann zu einer \u201eGestaltungsmehrheit\u201d verhelfen, was die Wahl des AfD-Kandidaten zum Ministerpr\u00e4sidenten einschlie\u00dfen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Als Merz aus der Opposition heraus im Januar 2025 mit Stimmen der AfD das rassistische \u201eZustrombegrenzungsgesetz\u201d verabschieden wollte, haben bundesweit Hunderttausende, wenn nicht Millionen demonstriert \u2013 gegen die CDU. Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt kann massenhafter Widerstand dazu f\u00fchren, dass die konservative Union sich die Finger verbrennt, sollte sie sich der AfD noch weiter ann\u00e4hern.<\/p>\n<p>Dies w\u00fcrde die Bundesregierung schw\u00e4chen, und die gesellschaftliche Linke st\u00e4rken und Widerstand gegen Sozialabbau erleichtern.<\/p>\n<h6><strong>Mit der CDU koalieren, um die AfD zu verhindern?<\/strong><\/h6>\n<p>Noch ist unklar, wie die Wahl tats\u00e4chlich ausgeht. Rein rechnerisch scheint es m\u00f6glich, dass die \u00dcbernahme der Regierungsgesch\u00e4fte durch die AfD verhindert werden kann \u2013 sofern sich alle anderen ins Parlament gew\u00e4hlten Parteien zusammenschlie\u00dfen. Dies w\u00fcrde eine Regierungskoalition von Linkspartei und CDU bedeuten. Es ist deutlich geworden, dass zumindest in der Linken daf\u00fcr Vorbereitungen getroffen werden.<\/p>\n<p><strong>Ein solches Szenario w\u00e4re tats\u00e4chlich noch schlimmer als alle anderen. Denn es w\u00fcrde nicht nur bedeuten, dass die Linkspartei mit einer Partei koaliert, deren Wahlkampagne die rassistischen Parolen der AfD nachplappert. Vor allem w\u00fcrde es bedeuten, dass sich die Linkspartei f\u00fcr die unsoziale Politik der CDU mitverantwortlich macht und jede Glaubw\u00fcrdigkeit verl\u00f6re. Dies w\u00e4re gleichbedeutend mit ihrem politischen Bankrott.<\/strong><\/p>\n<p>Die AfD h\u00e4tte so schlagartig das Monopol f\u00fcr den Widerstand auf der Stra\u00dfe gegen die Regierungspolitik. Dies w\u00fcrde der AfD nicht nur immer weitere W\u00e4hler zutreiben, sondern ihr auch einen Weg zum Aufbau einer Stra\u00dfenarmee ebnen. Also genau das, \u00fcber was sie heute noch nicht verf\u00fcgt.<\/p>\n<h6><strong>Was tun?<\/strong><\/h6>\n<p>Die Massenmobilisierungen gegen die AfD in Erfurt und Gie\u00dfen mitsamt Blockadeaktionen von Tausenden haben die Linke auf den Stra\u00dfen gest\u00e4rkt und ein Beispiel gesetzt. Dass die Kampagnenorganisation \u201eWidersetzen\u201c nun Sachsen-Anhalt zum Fokus der Bewegung erkl\u00e4rt, ist der richtige Schritt. F\u00fcr den Tag vor der Wahl ruft ein B\u00fcndnis zu Protesten in der Landeshauptstadt Magdeburg auf. Auch am Wahlabend des 6. September sollen Proteste stattfinden und m\u00f6gliche Ann\u00e4herungen zwischen CDU und AfD &#8211; oder BSW und AfD &#8211; mit Widerstand bestraft werden. Die m\u00f6gliche Einsetzung eines AfD-Ministerpr\u00e4sidenten soll blockiert werden.<\/p>\n<p>Diese Form des Massenwiderstands von unten wird eine AfD-Regierung von vornherein unter Druck setzen. Die antifaschistische Mobilisierung kann Anziehungspunkt f\u00fcr Hunderttausende sein, die \u00fcber einen langen Zeitraum im ganzen Bundesland f\u00fcr den Widerstand im Alltag gegen Entscheidungen der neuen, rechten Regierung gebraucht werden.<\/p>\n<h6><strong>Warum sind die Gewerkschaften zentral f\u00fcr den Widerstand?<\/strong><\/h6>\n<p>Die Gewerkschaften sind der Schl\u00fcssel im Kampf, auch gegen die AfD. Nicht nur, weil diese Massen an Mitglieder haben. Sie k\u00f6nnen den antifaschistischen Widerstand auch mit Widerstand am Arbeitsplatz und auf der Stra\u00dfe gegen unsoziale Ma\u00dfnahmen verbinden. Dies hat das Potenzial, auch jene Lohnabh\u00e4ngigen gegen die AfD zu mobilisieren, die sie am Wahltag gew\u00e4hlt haben.<\/p>\n<p><strong>Insbesondere kann dies ein Klima erzeugen, dass von der Hoffnung auf soziale Verbesserungen gepr\u00e4gt ist. Nur so ist es m\u00f6glich, der AfD den N\u00e4hrboden zu entziehen, auf dem sie gedeiht.<\/strong><\/p>\n<p>Gemeinsame Kampferfahrungen, insbesondere erfolgreiche, k\u00f6nnen das Ruder herumrei\u00dfen. Die Kampagne \u201eLohnmauern einrei\u00dfen\u201c der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gastst\u00e4tten (NGG) ist ein Beispiel daf\u00fcr. Erreicht werden soll eine Angleichung der L\u00f6hne in West- und Ostdeutschland, wo Kolleginnen und Kollegen in der Ern\u00e4hrungsindustrie im Monat 500 bis 1.000 Euro weniger Lohn erhalten im Vergleich zu westdeutschen Standorten. Daf\u00fcr traten zum Beispiel Angestellte beim Brezelb\u00e4cker <em>Ditsch<\/em> in Oranienbaum im Juli dieses Jahres in einen 40-st\u00fcndigen Warnstreik. Bei einer Streikversammlung in Magdeburg im Mai 2026 forderten 600 Angestellte: \u201eSchluss mit Lohnunterschied Ost West!\u201c Und: \u201eLohnmauer leck Eier\u201c.<\/p>\n<p>Erfahrungen wie diese zeigen Wege aus der Ohnmacht \u2013 dazu braucht es entschlossene Gewerkschaften mit starker, mitbestimmender Basis und hohem Organisierungsgrad. Eine deutschlandweit schlagkr\u00e4ftige Initiative gegen Sozialabbau mit Streiks und massenhafter Unterst\u00fctzung kann durchsetzen, dass dieser Widerstand auch nach Sachsen-Anhalt \u00fcberspringt.<\/p>\n<p>Zusammen mit der antifaschistischen Bewegung w\u00e4re dann eine andere Z\u00e4sur m\u00f6glich: Hin zu einer Verschiebung des gesellschaftlichen Klimas nach links, in dem die Menschen in Sachsen-Anhalt, wie auch andernorts, gemeinsam ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Solidarit\u00e4t kann so real erlebte Alternative zu Rassismus, Kahlschlag und Hetze werden.<\/p>\n<h4><strong>Fazit: Sozialer Widerstand und Antifaschismus geh\u00f6ren zusammen<\/strong><\/h4>\n<p>Die AfD gewinnt dort, wo Menschen frustriert sind, ohne zu k\u00e4mpfen. Eine antifaschistische Welle nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kann ein Funke sein, der den Widerstand auch gegen die Bundesregierung von Kanzler Merz generalisiert. So kann aus Frustration Klassenkampf werden.<\/p>\n<p>Ein weiterer entscheidender Termin daf\u00fcr wird der 26. September sein, drei Wochen nach der Wahl in Sachsen-Anhalt. An diesem Tag ruft der DGB deutschlandweit in jedem Bundesland zu Protesten gegen den Kahlschlag-Kurs des Merz-Gruselkabinetts auf. In Sachsen-Anhalt wird in Magdeburg demonstriert: Ganz gleich, wer dann dort regiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass aus Frust Faschismus entsteht, ist kein Naturgesetz Fragen und Antworten zur Landtagswahl Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt gew\u00e4hlt. In den Umfragen steht die AfD seit Monaten bei \u00fcber 40 Prozent. Nun bereiten sich die Faschisten auf die \u00dcbernahme der Regierungsgesch\u00e4fte vor. Der b\u00fcrgerliche Politikbetrieb ist ratlos. Wie konnte es soweit kommen. 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