{"id":9266,"date":"2026-08-31T13:41:30","date_gmt":"2026-08-31T11:41:30","guid":{"rendered":"https:\/\/revolinks.de\/?p=9266"},"modified":"2026-08-31T13:41:30","modified_gmt":"2026-08-31T11:41:30","slug":"kampfansage-von-ig-metall-arbeitern-aus-der-autoindustrie-unsere-interessen-werden-allein-durch-protest-widerstand-und-streik-durchgesetzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/revolinks.de\/index.php\/2026\/08\/31\/kampfansage-von-ig-metall-arbeitern-aus-der-autoindustrie-unsere-interessen-werden-allein-durch-protest-widerstand-und-streik-durchgesetzt\/","title":{"rendered":"Kampfansage von IG Metall Arbeitern aus der Autoindustrie: \u201eUnsere Interessen werden allein durch Protest, Widerstand und Streik durchgesetzt!\u201d"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Nachdem die Sparpl\u00e4ne der deutschen Autokonzerne bisher auf vergleichsweise wenig Widerstand gesto\u00dfen sind, scheint die Stimmung in einigen Werken nun zu kippen. Die aufgeheizte Lage ergibt sich aus dem Frontalangriff der Bundesregierung auf den Sozialstaat, der verbreiteten Krisenstimmung und den anstehenden Tarifrunden. Mittlerweile ist die Wut so gro\u00df und die Bundesregierung so schwach, dass auch in den Gewerkschaften der Widerstandswille geweckt ist. Sammlungspunkt ist bundesweit der 26. September. Nun folgte in Form eines offenen Briefs eine Kampfansage der IG Metall Betriebsr\u00e4te und Vertrauensleute bei Mercedes Benz, die auch die Gewerkschaftsf\u00fchrung in die Pflicht nimmt.\u00a0<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Zum 31. Oktober 2026 l\u00e4uft der Entgelttarifvertrag in der Metall- und Elektroindustrie ab. Der Tarifvertrag Metall und Elektro betrifft ca. 3,9 Millionen Besch\u00e4ftigte in verschiedenen Branchen, von der Automobilindustrie \u00fcber die Zulieferer bis zur R\u00fcstungsindustrie.<\/p>\n<p><strong>Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall betreibt im Vorfeld dazu und im Windschatten des angek\u00fcndigten Sozialabbaus der Bundesregierung seit Monaten eine ideologische Offensive.<\/strong> Forderungen nach Lohnverzicht, eine Erh\u00f6hung der Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich oder auch die Attestpflicht im Krankheitsfall stehen auf der Tagesordnung.<\/p>\n<p>Gleichzeitig drohen die Arbeitgeber mit noch mehr Stellenabbau und Produktionsverlagerungen. Trotz milliardenschwerer Gewinne \u2013 Mercedes-Benz hat in diesem Jahr noch 4,14 Milliarden Euro an die Aktion\u00e4re ausgesch\u00fcttet \u2013 nutzt die Arbeitgeberseite die aktuelle Krise als Vorwand, um durch Angriffe auf die L\u00f6hne und Geh\u00e4lter der Besch\u00e4ftigten noch mehr Profit machen zu k\u00f6nnen. Die Konfliktlinie zwischen Kapital und Arbeit k\u00f6nnte in dieser Tarifrunde nicht klarer sein. Dennoch beharrt die F\u00fchrung der Gewerkschaft IG Metall auf einem sozialpartnerschaftlichen Kurs.<\/p>\n<p>In einem Gastkommentar im Handelsblatt erkl\u00e4rt die IG Metall-Vorsitzende, Christiane Benner, gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Bundesverbands der deutschen Industrie und dem Vorsitzenden der Gewerkschaft IG BCE (Bergbau, Chemie, Energie): \u201eEs ist nun die Verantwortung aller, aus den ideologischen Gr\u00e4ben herauszukommen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Hier wird so getan, als w\u00e4ren die tiefen Gr\u00e4ben nur ideologisch und nicht Resultat der knallharten Profitinteressen der Arbeitgeber.<\/strong> Jetzt hat die F\u00fchrung der IG Metall nochmal nachgelegt \u2013 es solle auch eine \u201eOffenheit f\u00fcr eine flexible L\u00f6sung\u201d geben.<\/p>\n<p>An der Basis kommt dies vielerorts nicht gut an und es regt sich Widerstand. Wir dokumentieren hier einen offenen Brief von Vertrauensleuten und Betriebsr\u00e4ten in der Mercedes-Benz-AG, der den Protest gegen diese Haltung klar ausdr\u00fcckt:<\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<h6><b>Offener Brief an den Vorstand der IG Metall<\/b><\/h6>\n<p><i>Betrifft: Gastkommentar im Handelsblatt vom 29.06.2026<\/i><\/p>\n<p>In Verantwortung f\u00fcr unsere Mitglieder wenden wir uns mit einem offenen Brief an unsere Organisation und damit auch stellvertretend an den Vorstand der IG Metall.<\/p>\n<p>Liebe Christiane Benner, J\u00fcrgen Kerner, Nadine Boguslawski, Ralf Reinst\u00e4dtler, Andr\u00e9 Arenz,<\/p>\n<p>Mitte Juni beschlossen die IG Metall Bereichs-Vertrauensk\u00f6rperleitungen bei Mercedes Untert\u00fcrkheim <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/DZ-LcJIgoR0\/?img_index=1\">eine Resolution<\/a>, in der sie die aktuelle Politik der Bundesregierung mit klaren Worten beschreiben. <strong>Dort hei\u00dft es, mit dem angek\u00fcndigten Stellenabbau, der geplanten Abschaffung des 8-Stunden-Tags und all den weiteren Angriffen auf unsere Arbeits- und Lebensbedingungen h\u00e4tten die Bosse und ihr Staat uns, den lohnabh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten, den Krieg erkl\u00e4rt.<\/strong><\/p>\n<p>Damit sprechen die Kollegen vielen von uns aus der Seele. Das macht sich nicht nur durch die immense positive Resonanz, sondern auch dadurch bemerkbar, dass andere Standorte und Betriebe nachzogen und \u00e4hnliche Resolutionen ver\u00f6ffentlichten. Auch eine Jugendresolution wurde vor einigen Tagen verabschiedet, welche wir sehr begr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>Umso gr\u00f6\u00dfer waren unser Erstaunen und unsere Emp\u00f6rung, als wir wenige Tage sp\u00e4ter den Gastkommentar von Christiane Benner gemeinsam mit dem milliardenschweren BDI-Pr\u00e4sidenten Peter Leibinger und dem Vorsitzenden der IGBCE, Michael Vassiliadis, lesen mussten. Wie passt das zusammen, dass unsere Vorsitzende auf der einen Seite einen Gastkommentar gemeinsam mit einem eindeutigen Vertreter der Kapitalseite verfasst und auf der anderen Seite auf der 80 Jahre Feier der IGM Stuttgart vom \u201eAutobahn besetzen\u201c schw\u00e4rmt? Mit dem Kapital gemeinsam die Feder zu schwingen und gleichzeitig uns Mitgliedern die Kampfbereitschaft zu predigen hat mit Authentizit\u00e4t nichts zu tun. <strong>Wir fragen uns: welche der beiden Seiten spielt uns etwas vor?<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend in der Resolution dazu aufgerufen wird, den Angriffen von Regierung und Unternehmern entschlossen entgegenzutreten, wird in dem gemeinsamen Gastkommentar \u00f6ffentlich f\u00fcr eine gemeinsame \u201eAgenda\u201c von Industrieverb\u00e4nden und Gewerkschaften geworben, \u201edie Kosten senkt [\u2026] und Produktivit\u00e4t erh\u00f6ht.\u201c<\/p>\n<p>Wir sagen es ganz deutlich: <strong>Damit spricht unsere Vorsitzende weder in unserem Namen noch im Namen der vielen Tausend aktiven betrieblichen Kolleginnen und Kollegen, die hinter uns stehen.<\/strong><\/p>\n<p>Was uns zus\u00e4tzlich verwundert: Warum erscheint dieser Kommentar nur wenige Tage nach der Untert\u00fcrkheimer Resolution? Ist der Gastkommentar als bewusster \u00f6ffentlicher Widerspruch zu der Positionierung aus unseren Betrieben gemeint?<\/p>\n<p>Falls ja, w\u00fcrde uns interessieren, welche der Einsch\u00e4tzungen aus der Resolution der Vorstand aus welchem Grund f\u00fcr falsch h\u00e4lt. Und warum dann nicht die direkte Diskussion mit uns an der gewerkschaftlichen Basis gesucht wird, anstatt sich \u00f6ffentlich gegen uns betrieblich Aktiven und an die Seite unserer Gegner zu stellen.<\/p>\n<p>Wir fragen uns au\u00dferdem, was denn die in dem Gastkommentar genannten \u201eideologischen Gr\u00e4ben\u201c sein sollen, aus denen \u201ealle herauskommen sollen\u201c. \u201eAlle\u201c? Also auch wir?<\/p>\n<p>Wir denken nicht, dass wir in irgendeinem ideologischen Graben sitzen oder die wirtschaftliche und politische Lage nicht verstehen w\u00fcrden. Wir verteidigen lediglich das, was Generationen von Gewerkschaftern vor uns erk\u00e4mpft haben. <strong>Wir vertreten konsequent unsere Interessen als Besch\u00e4ftigte, anstatt so zu reden, als s\u00e4\u00dfen Besch\u00e4ftigte, Gewerkschaften und Unternehmer pl\u00f6tzlich im selben Boot. Und genau diese Haltung erwarten wir auch von der Vorsitzenden unserer Gewerkschaft.<\/strong><\/p>\n<p>Besonders irritiert uns dabei ein Satz aus dem Gastkommentar:<\/p>\n<p><i>\u201eNotwendig ist jetzt eine Haltungs\u00e4nderung im Land. Wir m\u00fcssen mehr wollen und leisten.\u201c<\/i><\/p>\n<p><strong>Millionen Besch\u00e4ftigte leisten bereits jeden Tag mehr als genug. Sie arbeiten in Schichtsystemen, machen \u00dcberstunden, kompensieren Personalabbau, stemmen den Fachkr\u00e4ftemangel und sorgen daf\u00fcr, dass die Produktion \u00fcberhaupt l\u00e4uft.<\/strong><\/p>\n<p>Von einer Gewerkschaftsvorsitzenden h\u00e4tten wir erwartet, dass sie diese Leistung verteidigt und nicht \u00f6ffentlich Argumentationsmuster \u00fcbernimmt, mit denen Arbeitgeber seit Jahren l\u00e4ngere Arbeitszeiten, niedrigere Standards und weitere Verschlechterungen begr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Mindestens ebenso unverst\u00e4ndlich ist die wirtschaftspolitische Argumentation, mit der die \u201eAgenda\u201c jetzt erkl\u00e4rt werden soll. In jeder Tarifrunde erkl\u00e4rt die IG Metall den Kollegen, dass h\u00f6here L\u00f6hne die Massenkaufkraft st\u00e4rken, Arbeitspl\u00e4tze sichern und die Wirtschaft ankurbeln. Pl\u00f6tzlich soll nun ausgerechnet die Senkung der Massenkaufkraft ein Weg aus der Krise sein? Das widerspricht unserer eigenen Argumentation grundlegend. Wie sollen wir das den Kollegen glaubw\u00fcrdig erkl\u00e4ren, nachdem wir jahrzehntelang genau das Gegenteil vertreten haben?<\/p>\n<p>Das Absenken der Massenkaufkraft bedeutet weniger Nachfrage, weniger Auftr\u00e4ge und letztlich noch mehr Druck auf unsere Arbeitspl\u00e4tze. Der Regionale Markt und die Zukunft unserer Kollegen werden mit unseren Zugest\u00e4ndnissen zerst\u00f6rt. Wer behauptet, man k\u00f6nne sich durch Absenkung der Stundenl\u00f6hne aus einer Krise herausarbeiten, muss auch der Frage Stand halten k\u00f6nnen, wie das funktionieren soll. Doch genau diese Antworten bleiben aus.<\/p>\n<p>Wir kennen es doch schon \u2013 hinter Vorschl\u00e4gen wie diesen steht am Ende immer dasselbe: Personalabbau. Die aktuelle Krise in der Automobilindustrie bedeutet f\u00fcr uns weiteren Personalabbau. Auch bei den Zulieferern. Deshalb nutzen die Arbeitgeber jetzt unsere Unsicherheit, um ohne gro\u00dfen Gegenwind Arbeitszeitverl\u00e4ngerungen und weitere Verschlechterungen durchsetzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wir wollen es deshalb noch einmal klar sagen:<\/p>\n<p><strong>Die Unternehmerverb\u00e4nde, die Bundesregierung und wir Besch\u00e4ftigten verfolgen gegenw\u00e4rtig offensichtlich sehr unterschiedliche Interessen. Sie wollen auf unsere Kosten ihre Krise \u00fcberwinden und ihre Profite sichern oder ausweiten. Wir dagegen wollen gute Arbeitsstandards erhalten, soziale Sicherheit, bezahlbaren Wohnraum, gute Bildung, Gesundheit und Frieden.<\/strong><\/p>\n<p>Das \u201epositive Zukunftsbild\u201c, von dem Christiane im Handelsblatt-Kommentar schreibt, ist deshalb nicht einfach eine Frage der \u201eVerbindung von technischer und gesellschaftlicher Innovation\u201c, wie es dort hei\u00dft. <strong>Es ist letztlich eine Frage gesellschaftlicher Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse.<\/strong> Also der Frage, welche Interessen sich politisch und wirtschaftlich durchsetzen.<\/p>\n<p><strong>Unsere Interessen werden nicht dadurch verwirklicht, dass wir die Gegens\u00e4tze zwischen Kapital und Arbeit ausblenden. Sie werden allein durch Arbeitskampf, also durch Protest, Widerstand und notfalls durch Streik durchgesetzt.<\/strong> Nur so k\u00f6nnen wir die Profitlogik dort zur\u00fcckdr\u00e4ngen, wo sie unseren Arbeits- und Lebensbedingungen entgegensteht, denn \u201eUnternehmer werden nie zu Menschenfreunden, wenn man sie nicht dazu zwingt.\u201c (Michael Moore)<\/p>\n<p>Wenn K\u00e4llenius [Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz Group] meint, Mercedes als Rammbock der Verschlechterung durch die deutschen Betriebe zu jagen, <strong>dann m\u00fcssen wir die Schilder hochhalten und unseren Platz als starke Sturmtruppe endlich wieder aufnehmen!<\/strong><\/p>\n<p>Deshalb raten wir unserer IG Metall dringend zu Folgendem:<\/p>\n<p>\u2666 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 Kein Zur\u00fcckweichen in der kommenden Tarifrunde. Wir wollen und m\u00fcssen k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>\u2666 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 Eine Erh\u00f6hung der 35-Stunden-Woche ist nicht verhandelbar. Wie k\u00f6nnen wir an unserer Glaubw\u00fcrdigkeit festhalten, wenn wir bereit sind, einen unserer gr\u00f6\u00dften tariflichen Erfolge kampflos wieder her zu geben? Jeder Kompromiss, der die Arbeitszeit steigen l\u00e4sst, ist eine Niederlage, die wir als Gewerkschaft nicht verkraften k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u2666 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 Sollte der Arbeitgeberverband den Manteltarifvertrag k\u00fcndigen, um seinen Forderungen nach l\u00e4ngeren Arbeitszeiten Taten folgen zu lassen, oder sollten Unternehmensvorst\u00e4nde den Arbeitgeberverband verlassen, um uns auf Unternehmensebene anzugreifen, haben wir keine Angst vor einer Eskalation. Die Forderungen der Kapitalseite sind eine Ohrfeige. Es ist jetzt h\u00f6chste Zeit f\u00fcr uns zu reagieren! Mit der entsprechenden Haltung, auch unserer F\u00fchrung, k\u00f6nnen wir diesen Konflikt gewinnen.<\/p>\n<p>\u2666 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 Kein Schritt zur\u00fcck! Es sieht so aus, als k\u00f6nnten Mercedes und VW der Rammbock dieser Offensive gegen tarifliche und soziale Standards werden. Sollten wir zur\u00fcckweichen oder passiv bleiben, werden die Angriffe in vielen anderen, weniger gut organisierten Betrieben umso heftiger ausfallen. Wenn wir den Damm bei Mercedes und VW brechen lassen, dann wird die Flut nicht mehr aufzuhalten sein.<\/p>\n<p>\u2666 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 Wir wollen keine weiteren Differenzierungsklauseln im Tarifvertrag. Sinn des Fl\u00e4chentarifvertrags ist es, Arbeitsbedingungen entlang der gesamten Wertsch\u00f6pfungskette zu vereinheitlichen und gemeinsame K\u00e4mpfe in der gesamten Branche zu erm\u00f6glichen. Deshalb ist es falsch, den Tarifvertrag durch immer neue betriebliche Abweichungsm\u00f6glichkeiten auszuh\u00f6hlen oder gar davon zu sprechen, \u201edie interne Organisationslogik von [\u2026] Gewerkschaften [zu] \u00fcberwinden.\u201c<\/p>\n<p>\u2666 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 Wir brauchen echte Beteiligung statt fauler Kompromisse! Wenn wir die Kollegen in der Auseinandersetzung mitnehmen, werden sie sich nicht verraten f\u00fchlen. In einem Manager-Magazin eine gemeinsame \u201eAgenda\u201c mit der Kapitalseite anzuk\u00fcndigen ist jedenfalls keine Basisbeteiligung. Beteiligung bedeutet auch nicht, die Belegschaft auf den Hof zu rufen, Protest zu simulieren und sie dann wieder ans Band zu schicken. Unter Beteiligung verstehen wir, dass ihr als unser Vorstand mit uns Besch\u00e4ftigten in Diskussion geht und uns mitentscheiden lasst. Wir brauchen einen Platz am Tisch und nicht die Kapitalseite.<\/p>\n<p>\u2666 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 So bald wie m\u00f6glich braucht es weiteren Protest. Deshalb freut uns, dass es am 21. September einen bundesweiten Automobil-Aktionstag geben soll. Ebenso begr\u00fc\u00dfen wir die f\u00fcr den 26. September angek\u00fcndigten DGB-Aktionen gegen Sozialabbau.<\/p>\n<p>Auf gar keinen Fall d\u00fcrfen unsere Kollegen den Eindruck bekommen, unsere Gewerkschaft protestiere nur mit angezogener Handbremse. Wenn wir den Sozialabbau nicht entschlossen bek\u00e4mpfen und in der Gesellschaft nicht unmissverst\u00e4ndlich deutlich wird, dass die Gewerkschaften eine konsequente Gegenmacht zu Regierung und Kapitalseite sind, dann werden wir zwangsl\u00e4ufig einen weiteren Aufstieg der AfD bekommen. <strong>Mit Akzeptanz von Verschlechterungen im Rahmen einer Agenda f\u00fcr den Standort Deutschland tragen wir zu weiterer Unzufriedenheit in der Gesellschaft bei und f\u00f6rdern die Grundstimmung unter denen die AfD weiter anwachsen kann.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Menschen wenden sich nicht deshalb nach rechts, weil Gewerkschaften zu k\u00e4mpferisch sind, sondern weil sie den Eindruck gewinnen, dass niemand ihre sozialen Interessen konsequent vertritt.<\/strong> Die Vergangenheit zeigt, die AfD gewinnt ihre Stimmen nicht durch eigene Leistungen, \u00fcberzeugende Ideen oder tragf\u00e4hige Konzepte. Sie lebt davon, als Lautsprecher von Unzufriedenheit und Perspektivlosigkeit zwar keine konkrete Antwort zu formulieren, aber konsequent auf das Versagen etablierter Parteien oder Institutionen wie dem DGB hinzuweisen, um daraus politischen Profit zu schlagen. Wir h\u00f6ren dann immer wieder die gleich Parole: \u201eDie IG Metall hat Euch verraten!\u201c.<\/p>\n<p>Man kann fast froh sein, dass das Handelsblatt in den meisten Betrieben kaum gelesen wird. Sollte dieser Kommentar in der Belegschaft die Runde machen, w\u00fcrden viele Kollegen sich in ihrer Entfremdung nur best\u00e4tigt f\u00fchlen. Als Gewerkschaft, die eine Kampforganisation sein sollte, ein gemeinsames Statement mit der Kapitalseite zu ver\u00f6ffentlichen ist ein schwerer Fehler. Die <strong>Angriffe der Bosse sind f\u00fcr uns alle sp\u00fcrbar \u2013 wenn wir jetzt klein beigeben, bedeutet das im Umkehrschluss direkten Zuwachs bei den Rechten. Jeder weitere Stimmenzuwachs der AfD ist eine Niederlage f\u00fcr die gesamte Arbeiterbewegung.<\/strong><\/p>\n<p>K\u00f6nnen und wollen wir uns das als Gewerkschaft leisten?<\/p>\n<p>Umso unverst\u00e4ndlicher ist es, dass in diesem gemeinsamen Auftritt keinerlei Antwort darauf gegeben wird, wie eine solche gemeinsame \u201eAgenda\u201c den Rechtsruck und den Mitgliederverlust auf unserer Seite aufhalten oder auch nur bremsen soll. Im Gegenteil: <strong>\u201eGemeinsam\u201c mit dem Kapital bedeutete f\u00fcr uns lohnabh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigte immer, unsere Kampfkraft abzugeben.<\/strong> Es hei\u00dft f\u00fcr unsere Gewerkschaft, ihre Unabh\u00e4ngigkeit an den Nagel zu h\u00e4ngen und sich an die Seite derjenigen zu stellen, die den Sozialabbau seit Jahren mit vorantreiben. Diesen Schritt k\u00f6nnen wir besten willens nicht gehen.<\/p>\n<p><strong>Die Aktionen Ende September m\u00fcssen st\u00e4rker sein, als die bisherigen und fortgef\u00fchrt werden, bis die Unternehmer ihre Forderungen nach der Wiedereinf\u00fchrung der 40-Stunden-Woche vollst\u00e4ndig zur\u00fccknehmen und die Bundesregierung ihren sozialen Kahlschlag beendet, sowie bereits beschlossene Verschlechterungen zur\u00fccknimmt.<\/strong> Dies glaubw\u00fcrdig vertreten und unsere Kollegen f\u00fcr diese Forderungen mobilisieren k\u00f6nnen wir aber nur, wenn sich unsere Gewerkschaftsf\u00fchrung nicht gleichzeitig \u00f6ffentlich an die Seite der Arbeitgeber stellt und deren Argumentation \u00fcbernimmt.<\/p>\n<p><strong>Wir erleben in unserem Betrieb jeden Tag, dass wir in einer Klassengesellschaft leben.<\/strong> Wir erleben, dass die Interessen von uns lohnabh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten und die Interessen von Unternehmensleitungen und der Regierung immer h\u00e4ufiger diametral gegen\u00fcberstehen. Gleichzeitig sehen wir aber auch die Chance, aus diesen Konflikten gest\u00e4rkt hervorzugehen. Als Gewerkschaft, die sich nicht alles gefallen l\u00e4sst. Als Gewerkschaft, die wieder k\u00e4mpft. Und als Gewerkschaft, die ihre St\u00e4rke aus den Betrieben und den Kollegen bezieht. Die Errungenschaften, die unz\u00e4hlige Kollegen vor uns hart erk\u00e4mpft haben, d\u00fcrfen wir uns nicht zahnlos aus der Hand nehmen lassen. Wie Willi Bleicher schon vor uns richtig erkannt hat, sind auch wir der Meinung: \u201eWer k\u00e4mpft kann verlieren, wer nicht k\u00e4mpft hat schon verloren.\u201c<\/p>\n<p>Lasst uns gemeinsam und mutig in das n\u00e4chste Rennen gehen \u2013 und das, ohne schon von vornherein davon auszugehen, dass wir nicht gewinnen werden. Wir sind \u00fcberzeugte Gewerkschafter und engagierte Betriebsr\u00e4te. Gerade deshalb melden wir uns zu Wort und wollen \u00fcber den Kurs unserer gemeinsamen Organisation diskutieren. Wenn wir in diesen schwierigen Zeiten gemeinsam etwas bewegen wollen, dann braucht unsere Gewerkschaft keine gr\u00f6\u00dfere N\u00e4he zu den Vorstandsetagen und Unternehmerverb\u00e4nden. Sie braucht wieder eine st\u00e4rkere Verankerung in den Betrieben, bei den Vertrauensleuten, den Betriebsr\u00e4ten und den Kollegen an den B\u00e4ndern, in den Werkst\u00e4tten und B\u00fcros.<\/p>\n<p>Dort entscheidet sich letztlich die Zukunft unserer Organisation.<\/p>\n<p>Mit solidarischen Gr\u00fc\u00dfen<\/p>\n<p><b>IGM &#8211; Vertrauensleute und Betriebsr\u00e4te in der Mercedes-Benz AG<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem die Sparpl\u00e4ne der deutschen Autokonzerne bisher auf vergleichsweise wenig Widerstand gesto\u00dfen sind, scheint die Stimmung in einigen Werken nun zu kippen. Die aufgeheizte Lage ergibt sich aus dem Frontalangriff der Bundesregierung auf den Sozialstaat, der verbreiteten Krisenstimmung und den anstehenden Tarifrunden. 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