Wie wir Diskriminierung bekämpfen können
„My feminism will bei intersectional, or it will be bullshit“ ist ein weitverbreiteter Spruch auf Demonstrationen und auf Social Media. Die Idee dahinter: Unterdrückung müssen wir „intersektional“ verstehen, um sie zu bekämpfen. Die zugrundeliegende Theorie ist populär in der Linken – aber dennoch als Kompass im Kampf gegen den Kapitalismus nicht zu gebrauchen, meint Anna Nickel
Die sogenannte Intersektionalitätstheorie hat ihren Ursprung an den geisteswissenschaftlichen Fakultäten der Universitäten. Sie beansprucht, Diskriminierung gesellschaftlicher Gruppen wie Frauen, Behinderte oder Migranten nicht isoliert, sondern in ihrem Zusammenwirken zu analysieren.
Soziale Ungleichheiten treten laut Intersektionalitätstheorie nicht isoliert auf, sondern überschneiden und verstärken sich gegenseitig. Dargestellt wird dies häufig mithilfe sich überschneidender Kreise in Diagrammen, die Diskriminierungsverhältnisse sichtbar machen sollen, die sich aus dieser Verschränkung ergeben. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen helfen, gesellschaftliche Machtverhältnisse zu verändern.
Marxismus: Basis und Überbau
Der Marxismus geht nicht von einem Nebeneinander verschiedener Unterdrückungsformen aus, sondern von „Basis und Überbau“. Aus marxistischer Sicht wird Gesellschaft grundlegend dadurch geprägt, wie Menschen produzieren, arbeiten und ihre materiellen Lebensbedingungen schaffen. Die Basis stellt die ökonomischen, materiellen Grundlagen einer Gesellschaft dar, auf die sich ein Überbau aus Institutionen und Ideen erhebt. Diskriminierungen sind Teil des ideologischen Überbaus, die der Herrschaft der ökonomisch herrschenden Klasse dienen.
Die Basis, die ökonomische Struktur der Gesellschaft, umfasst die Produktivkräfte, also Technologie, Wissen und Arbeitskraft sowie Werkzeuge und Maschinen (Produktionsmittel). Die Produktionsverhältnisse ergeben sich daraus, wie diese Arbeit gesellschaftlich organisiert ist.
Im Kapitalismus bedeutet das konkret: Eine Klasse (Kapitalbesitzende) verfügt über Produktionsmittel, während eine andere (Lohnarbeitende) ihre Arbeitskraft verkaufen muss. Dieses Verhältnis bildet die Grundlage für Ausbeutung und Klassenstruktur.
Der Überbau umfasst alle gesellschaftlichen Formen, die sich auf Grundlage dieser Basis entwickeln. Ganz konkret sind das der Staat und seine Institutionen. Dazu gehört das Recht, z. B. Eigentumsrechte, Arbeitsrecht.
Teil des Überbaus bildet aber auch die vorherrschende Ideologie. Individualismus, Leistungsdenken, Moralvorstellungen oder Unterdrückungsformen wie z. B. Rassismus sind alles Ideologien zur Rechtfertigung der Herrschaft der ökonomisch dominierenden Klasse. Diese Ideologien werden durch Wissenschaft, Bildung, Kultur und Medien vermittelt und verbreitet.
Die Elemente des Überbaus sind nicht neutral, sondern stabilisieren und verfestigen die bestehende ökonomische Ordnung; oft, ohne dass dies unmittelbar sichtbar ist.
Dieses Verhältnis ist aber nicht mechanisch. Der Überbau ist kein passiver Spiegel der Basis. Stattdessen gilt: Die Basis prägt die grundlegenden Möglichkeiten und Grenzen gesellschaftlicher Entwicklung. Der Überbau hat eine relative Eigenständigkeit und kann auf die Basis zurückwirken, z. B. durch ideologische oder politische Auseinandersetzungen. Die Ergebnisse von Klassenkämpfen spiegeln sich in der Rechtsprechung, in Sozialreformen und der verbreiteteten Ideologie wider.
Es gibt ein sich ständig veränderndes Gleichgewicht der Kräfte in der ideologischen Auseinandersetzung. Wenn es einen globalen Aufschwung von Klassenkämpfen gibt, wie in den Jahren nach 1968 oder 1999, dann driftet ein Teil der Ideologieproduzenten an den Universitäten, in den Medien etc. nach links. Wenn das Niveau der Klassenkämpfe absinkt, wie in den 80er Jahren, driftet das Spektrum der Meinungsmacher nach rechts.
Ideologie und Recht stabilisieren das System
Die herrschende Ideologie muss die Interessen einer Minderheit als Interessen der Mehrheit darstellen. Dies führt zu Widersprüchen in der Ideologie. Ein Beispiel: Das bürgerliche Recht garantiert formale Gleichheit. Demnach sind alle vor dem Gesetz gleich. Gleichzeitig bleibt die materielle, soziale Ungleichheit bestehen, weil die Produktionsverhältnisse unangetastet bleiben. Die Kapitalisten verfügen über die Produktionsmittel und können somit den Alltag der arbeitenden Klasse diktieren. Das Rechtssystem ändert nichts an der sozialen Ungleichheit, sondern zementiert sie.
Anders als dem Marxismus häufig vorgeworfen wird, betrachtet er Basis und Überbau nicht als in einem mechanischen Verhältnis zueinanderstehend. Ein Beispiel dafür ist Rassismus. Er entstand als Ideologie, die den transatlantischen Sklavenhandel vom 16. bis 19. Jahrhundert rechtfertigte. Seine ökonomische Basis bestand in der Sklaverei auf den Baumwoll- und Zuckerplantagen Amerikas.
Diese Form des Sklavenhandels und der Sklaverei existiert heute nicht mehr, dennoch bleibt der Rassismus in anderer Form bestehen. Denn die herrschende Klasse hat in einer neuen Form Verwendung für ihn gefunden.
Formal gilt zwar Gleichheit vor dem Gesetz: Rassismus ist verboten. Faktisch bleibt er aber bestehen. Studien zeigen, dass Menschen mit vermeintlich „nicht-deutsch“ klingendem Namen bei gleicher Qualifikation deutlich seltener zu Vorstellungsgesprächen eingeladen werden.
Rassismus erfüllt im kapitalistischen System heute eine Funktion. Er trägt zur Spaltung des Widerstands gegen die Politik der Herrschenden bei. Beispiele gibt es reichlich – mal offener, mal subtiler. So sah sich der damalige Finanzminister Christian Lindner im Januar 2024 mit wütenden Bauern konfrontiert. Auf der Bühne vor Protestierenden versuchte Lindner in Berlin die Wut umzukanalisieren und wies darauf hin, auch bei Asylbewerbern werde gekürzt.
Die gleiche Leier spielte jüngst Kanzler Merz, als er in einer Bundestagsdebatte über sexualisierte Gewalt gegen Frauen auf das „Problem“ mit der Gewalt durch Migrantinnen und Migranten zu sprechen kam. Das Rechtssystem verbietet Diskriminierung abstrakt. Aber es ändert nichts an der Klassenspaltung. Die Herrschenden greifen wie eh und je auf das Prinzip des „Teile-und-Herrsche“ zurück.
Für eine marxistische Analyse ist entscheidend: Gesellschaftliche Phänomene (Diskriminierung, Normen, Identitäten etc.) werden nicht isoliert betrachtet, sondern in Beziehung zu den Produktionsverhältnissen gesetzt. Die zentrale Frage muss stets lauten: Welche Funktion hat dieses Phänomen im bestehenden kapitalistischen System?
Kritik an der Intersektionalitätstheorie
Das zentrale Problem der gegenwärtigen Intersektionalitätstheorie liegt darin, dass sie die Unterdrückung unterschiedlicher Gruppen einfach nebeneinanderstellt und als jeweils eigene „Systeme“ betrachtet. Diskriminierungsformen haben keine ökonomische Funktion, sondern werden als erkenntnistheoretische oder diskursive Phänomene behandelt: Als eine Frage der Moral und der Einstellung von Individuen.
Sie fokussiert auf akademische Diskurse und Überbauphänomene. Dies spiegelt ihren Entstehungsort wider: die Intersektionalitätstheorie überhöht die Rolle der Ideologieproduzenten.
Sprechorttheorie: Kompetenzvermutung qua Geburt
Die Sprechort- und Privilegientheorien sind die logische Konsequenz intersektionaler Analyse.
In der Sprechorttheorie wird argumentiert, dass Aussagen über Diskriminierung nur von jenen getroffen werden können, die selbst der jeweiligen diskriminierten Gruppe angehören. Konkret bedeutet das, dass beispielsweise einer schwarzen Frau eine höhere Kompetenz zugesprochen wird, sich über Rassismus und Sexismus, bzw. deren Verschränkung zu äußern.
Betroffenen zuzuhören ist grundsätzlich wichtig. Doch Betroffenheit an und für sich ist kein Argument. Die Sprechorttheorie ignoriert, dass unter den Betroffenen einer bestimmten Gruppe ein politischer Kampf besteht, der nicht zuletzt die Klassenspaltung innerhalb dieser Gruppe reflektiert.
AfD-Bundesvorsitzende Alice Weidel ist eine Frau, lesbisch und lebt mit einer aus Asien stammenden Frau in der Schweiz. Führt das zu kompetenteren Aussagen über diese diskriminierten Gruppen? Tatsächlich ist Weidels Bewusstsein vor allem das einer wohlhabenden Vermögensberaterin an der Speerspitze einer faschistischen Partei in Deutschland.
Privilegientheorie: Individualisierung politischer Fragen
Nicht besser als die „Sprechorttheorie“ ist die Privilegientheorie. Sie fordert einzelne Individuen dazu auf, die nicht einer diskriminierten Gruppe angehören, dies als ein vermeintliches „Privileg“ zu reflektieren.
Das heißt nichts anderes, als dass Grundrechte zu „Privilegien“ – also „Vorrechten“ – umdefiniert werden. Diskriminierung wird so zur Normalität erklärt. Dies nutzt jenen, die tatsächlich privilegiert sind, den Reichen und Superreichen.
Politische Praxis reduziert sich in diesem Zusammenhang ansonsten auf reine Selbstreflexion: Wer spricht? Wer ist betroffen? Wer profitiert? Ziel dabei ist es, selbst ein „besserer Mensch“ zu werden, der die eigenen Privilegien wie eine Erbsünde bereut.
Anstatt das System als Ganzes zu bekämpfen, sollen durchschnittlicher Lohnabhängige mit einem schlechten Gewissen herumlaufen. Die Intellektuellen, die diesen Unsinn ausgeheckt haben, erheben sich bei der Gelegenheit als Aufgeklärte und Achtsame über die dumpfe Masse.
Die zugrundeliegenden materiellen Bedingungen geraten dabei vollständig aus dem Blick. Die Privilegientheorie reduziert stattdessen alles auf eine Frage individueller Haltung und Sensibilität. Zu Ende gedacht erklärt die Privilegientheorie den gemeinsamen Kampf gegen Diskriminierung und Unterdrückung für unmöglich.
In der realen Welt stellt Diskriminierung ein Hindernis im Klassenkampf dar, denn sie entfremdet die Angestellten eines Betriebs voneinander. Sie kann zugleich in der Realität durch die Erfahrung von Solidarität im Klassenkampf überwunden werden.
Beschreibung von Symptomen statt gemeinsamer Kampf
Die Betonung von Vielfalt, Komplexität und Mehrdimensionalität führt zudem zu einer Zersplitterung sozialer Analyse: Wenn Ungleichheit als ein Geflecht unzähliger, sich überlagernder Achsen erscheint, wird es zunehmend schwieriger, eine zugrundeliegende Ursache zu benennen. An die Stelle eines klar bestimmbaren gesellschaftlichen Gegners tritt eine Vielzahl von Differenzlinien, die sich schwer fassen und nicht gemeinsam bekämpfen lassen.
Eine Strategie zur gesellschaftlichen Veränderung setzt voraus, zugrundeliegende Interessen und Herrschaftsstrategien zu erkennen. Diese Erkenntnis ist dann ein Kompass im Kampf. Die Intersektionalitätstheorie begnügt sich demgegenüber auf eine Symptombeschreibung und ignoriert dabei die wirtschaftlichen Interessen.
Blinde Flecken: Kapitalismus und materielle Grundlagen
Was immer wieder ins Auge fällt, ist das weitgehende Fehlen einer expliziten Analyse von Kapitalismus, Eigentumsverhältnissen und Ausbeutung. Ungleichheiten werden detailreich beschrieben, ohne systematisch zu klären, warum sie entstehen und welche Funktion sie im ökonomischen Gefüge erfüllen. Diskriminierung erscheint so als eigenständiges Phänomen; nicht als Ausdruck oder Bestandteil materieller Verhältnisse.
Ein Beispiel dafür ist die Analyse von Frauenunterdrückung. Intersektionale Ansätze beschreiben differenziert, wie Frauen je nach Herkunft, Klasse oder Sexualität unterschiedlich von Diskriminierung betroffen sind. Was dabei unterbelichtet bleibt, ist die ökonomische Funktion dieser Unterdrückung.
Reproduktionsarbeit wie Kinderbetreuung, Pflege oder Hausarbeit, die überwiegend von Frauen geleistet wird, ist schlecht oder gar nicht bezahlt. So spart das Kapital Geld und Ressourcen auf dem Rücken der arbeitenden Klasse. Frauenunterdrückung ist damit nicht nur ein kulturelles oder ideologisches Phänomen, sondern in die Produktionsverhältnisse eingebettet.
Wissenschaft als Teil des Überbaus
Auch die Rolle von Wissenschaft bleibt unzureichend reflektiert. Zwar werden Begriffe und Methoden kritisch hinterfragt. Die Abhängigkeit wissenschaftlicher Praxis von gesellschaftlichen Macht- und Produktionsverhältnissen wird aber ignoriert, wenn nicht sogar verschleiert. Wissenschaft ist aber selbst Teil des Überbaus und damit in ideologische und institutionelle Strukturen eingebunden.
So werden staatliche Universitäten vom bürgerlichen Staat errichtet und finanziert und sind von finanziellen Zuwendungen kapitalistischer Unternehmen abhängig. Staat und Unternehmen bestimmen dabei, wer forschen darf und was beforscht wird. Durch reine Ideologiekritik ändert sich daran gar nichts.
Intersektionalitätstheorien sind letztlich harmlos. Sie bilden einen theoretischen Rahmen, in dem Kritik an bestehenden Diskriminierungs- und Unterdrückungsformen geübt wird, ohne die grundlegende kapitalistische Ordnung infrage zu stellen. Sie sind Teil des akademischen Diskurs an bürgerlichen Universitäten, die Illusionen über die Machbarkeit einer gerechteren kapitalistischen Ordnung streuen.
„Klassismus“ als eine Kategorie unter vielen
Die Intersektionalitätstheorie ignoriert nicht die Existenz von Arm und Reich. Sie spricht sogar von „Klassen“ und „Klassismus“.
Tatsächlich wird „Klasse“ in der Intersektionalitätstheorie nur als eine von vielen Kategorien aufgeführt. Der Begriff verliert dabei aber seinen besonderen Gehalt zur Bezeichnung von Menschen im Produktionsprozess. Sie reduziert ihn auf eine Art sozialen Status oder subjektiv empfundene kulturelle Lage.
Dies geht einher mit der Theorie des Soziologen Pierre Bourdieu, der das Kapital ähnlich vage begriffen und willkürlich zerlegt hat. Er unterschied zwischen „sozialem“, „kulturellem“, „symbolischem“ und „ökonomischem“ Kapital. Bourdieu meint, dass jemand über „kulturelles“ Kapital verfügen kann, ohne real Kapital zu besitzen.
Das verwischt real bestehende Klassenunterschiede. Das eigene kulturelle Empfinden kann man durch individuelles Reflektieren ändern, seine Stellung im Produktionsprozess nicht.
Wie kämpfen wir gegen Diskriminierung und Unterdrückung?
Wenn es größere Klassenkämpfe gibt, zum Beispiel in Form von Generalstreiks, dann ist die Intersektionalitätstheorie hilflos, weil sich die Beteiligten auf Grundlage ihrer wirtschaftlichen Macht basierend auf ihrer realen Stellung im Produktionsprozess als Arbeiter zusammenschließen, und nicht wegen sich überschneidender subjektiver Erfahrungen als Diskriminierte.
In Zeiten, in denen es wenige größere Klassenkämpfe, aber einzelene politische Bewegungen gibt, kann ein solcher Ansatz verlockend erscheinen. Aufkommende Protestbewegungen wie z. B. die Klimabewegung, Black Lives Matter oder die Palästinabewegung mobilisieren auf der Grundlage bestimmter politischer Einzelanliegen. Vertreterinnen und Vertreter der Intersektionalitätstheorie argumentieren für Bündnisse verschiedener unterdrückter Gruppen auf der Basis von gemeinsamer subjektiver Diskriminierungserfahrungen.
In der Praxis bleibt dies aber fast immer auf Appelle beschränkt. Der Grund dafür ist, dass sich nur über ökonomische Interessen oder gegen einzelne Herrscher gerichtet übergreifende Zielsetzungen formulieren lassen.
Unterdrückte Gruppen sind in sich nach Klassenlagen gespalten und können daher auch keine dauerhafte Einheit herstellen. Es kann noch nicht einmal eine Einheit aller Frauen oder aller Behinderten geben, denn es gibt reiche und arme Behinderte, es gibt Kapitalistinnen und Arbeiterinnen. Möglich ist es allerdings, erfolgreich in Klassenkämpfen wie Streiks gegen die Spaltung der arbeitenden Klasse zu argumentieren.
Grenzen intersektionaler Praxis in verschiedenen Bewegungsphasen
Die Intersektionalitätstheorie addiert Diskriminierungsformen auf. Sobald es einen Rückgang an Straßenbewegungen gibt, muss sie sich darin erschöpfen, Leute zur individuellen Selbstreflexion über Unterdrückung, von der sie betroffen oder nicht betroffen sind, aufzurufen. Dieser Ansatz führt dann in die Selbstbeschäftigung.
Gesellschaftliche Veränderung wird nicht durch individuelle Reflexion erreicht. Weder das Bewusstsein über vermeintliche Privilegien noch die bloße Anerkennung von erlebter Diskriminierung reicht aus, um die gesellschaftlichen Verhältnisse grundlegend zu verändern. Ebenso wenig garantiert persönliche Betroffenheit automatisch eine zutreffende Analyse gesellschaftlicher Zusammenhänge.
Klassenkampf und Einheit: eine marxistische Perspektive
Die große Mehrheit derjenigen, die von Rassismus, Queerfeindlichkeit, Frauenunterdrückung oder anderen Unterdrückungsformen betroffen sind, sind Teil dieser Arbeiterklasse. Gleichzeitig ist ihre Unterdrückung oder Diskriminierung im Kapitalismus angelegt. Eine marxistische Analyse betont deshalb den Kampf gegen Unterdrückung auf Grundlage der gemeinsamen Klassenzugehörigkeit.
Das bedeutet nicht, dass Kämpfe gegen Unterdrückung zurückgestellt werden sollen, sondern dass der Kampf gegen Unterdrückung und Diskriminierung integraler Bestandteil des Klassenkampfes ist.
Kämpfe vom Klassenstandpunkt aus verbinden
Wie eine solche Einheit im Kampf aussehen kann, konnte man in Nordrhein-Westfalen im Krankenhausstreik 2022 beobachten. Innerhalb der Belegschaften gab es mehrere Spaltungslinien. So blickte zum Beispiel ein Teil der Pflegekräfte auf die Beschäftigten im Servicebereich herab, da diese weniger komplexe Aufgaben übernahmen und schlechter ausgebildet und bezahlt waren.
Doch im Streik zeigte sich klar, dass beide Teil derselben Klasse sind und ein gemeinsamer Kampf notwendig ist, um Verbesserungen zu erreichen. Dafür war es notwendig, die Vorurteile auf Grundlage von Berufsstand und Einkommen bei den Pflegekräften zu bekämpfen, um den Service für den Streik zu gewinnen.
Zudem waren an einigen Kliniken zahlreiche philippinische Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter beschäftigt. Wären rassistische Vorurteile innerhalb der weißen Belegschaft geduldet worden, hätte dies den gemeinsamen Kampf erheblich erschwert oder sogar verhindert.
Schon ein gewöhnlicher Arbeitskampf setzt also voraus, dass sowohl Standesdünkel von Facharbeiterinnen und Facharbeitern als auch rassistische Spaltungslinien aktiv bekämpft werden müssen, wenn er erfolgreich sein soll.
Das heißt, dass diese Kämpfe von einem Klassenstandpunkt aus geführt werden müssen. Denn nur eine über alle Spaltungslinien vereinte Arbeiterklasse kann Verbesserungen erkämpfen und den Kapitalismus stürzen.
Schlagwörter: Basis und Überbau, Intersektionalität, Materialismus
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