Ausgerechnet zum 1. Mai wollten sich die Faschos des NPD-Nachfolgers „Die Heimat“ in Essen breit machen: Bundesweit mobilisierten die Nazis und haben mit 500 Rechtsextremen kalkuliert. Diesen dreisten Angriff auf den Kampftag der Arbeiterklasse hat sich das Ruhrgebiet nicht gefallen lassen. Tausende Antifaschistinnen und Antifaschisten machten den rechten Aufmarsch zum Fiasko. Als Revolutionäre Linke haben wir uns an den Gegenprotesten beteiligt, unsere Genossin Christina Schulte war in Essen dabei und berichtet
Nicht nur aus Essen, sondern aus der ganzen Region kamen Tausende, um den 1. Mai zu verteidigen. Zu den Gegenprotesten hatte das antifaschistische Bündnis „Essen stellt sich quer“ gemeinsam mit dem DGB aufgerufen. In einem großen Demozug liefen alle zusammen über die traditionelle Route aus dem Stadtteil Rüttenscheid Richtung Hauptbahnhof.
Innerhalb des Demozugs herrschte kämpferische Stimmung: Die Parolen richteten sich sowohl gegen den Sozialabbau durch die Bundesregierung als auch gegen Aufrüstung und Militarisierung, durch ganz Essen schallte wie auch in anderen Städten an diesem Tag die Parole „Merz leck Eier!“.
Aufgrund des angekündigten Aufmarschs der Rechten lag der Fokus des Protests in diesem Jahr auf dem Antifaschismus. Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter waren dabei eine treibende Kraft, die die riesige Versammlung zum Protest am Rand des Hirschlandplatzes entscheidend mitgetragen und praktisch gezeigt haben, dass die Forderungen nach höheren Löhnen und fairen Arbeitsbedingungen sowie der Widerstand gegen den Sozialabbau Hand in Hand mit Antifaschismus funktionieren.
Alle zusammen: Gegen Sozialabbau, gegen Krieg, gegen Faschismus!
Mit Verspätung tröpfelten kleine Fascho-Grüppchen eskortiert von der Polizei ein. Insgesamt nahmen an ihrer Demonstration wohl 200 bis 250 Rechte teil – lediglich die Hälfte der angekündigten 500 trauten sich auf die Straße.
Mehr als 10.000 Gegendemonstranten stellten sich ihnen entgegen, die sich in der gesamten Innenstadt auf mehrere kleine Kundgebungen und Blockadeaktionen verteilten. So konnte der Aufmarsch der Nazis insgesamt stark gestört und um mindestens zwei Stunden verzögert werden. Den ganzen Nachmittag über sah, spürte und hörte man den entschlossenen Widerstand in ganz Essen.
„Die Heimat“ und das Ruhrgebiet
Dass die Nazis sich ausgerechnet Essen ausgesucht haben, ist kein Zufall. Rund um die im Stadtteil Essen Kray gelegene Landesparteizentrale der „Heimat“ kommt es bereits seit Monaten immer wieder zu Naziaufmärschen von zwar wenigen, aber dafür umso aggressiveren Faschos.
Dabei zitierten sie nicht nur laut und offen Hitler. Im Anschluss an eine rechte Versammlung kam es auch zu einem körperlichen Angriff auf Teilnehmende der Gegenproteste auf deren Heimweg. Glücklicherweise blieb es bei leichten Verletzungen. Die bundesweite Mobilisierung am 1. Mai nach Essen scheint also Teil eines längerfristigen Plans der „Heimat“ zu sein, sich im Ruhrgebiet zu verankern.
Diese Plage der „Heimat“ ist nicht die einzige Erfahrung, die Essenerinnen und Essener in der jüngsten Vergangenheit mit der erstarkenden Rechten in Deutschland machen mussten.
Bereits im Juni 2024 veranstaltete die AfD ihren Bundesparteitag in Essen. Der damals massenhafte Gegenprotest brachte 70.000 Menschen auf die Straße und legte den Grundstein für eine neue Dynamik in der antifaschistischen Bewegung im Ruhrgebiet. An diese Entwicklung muss auch nach dem 1. Mai unbedingt angeknüpft werden. Der Pott darf nicht zur Nazihochburg werden!
Zerschlagung der Gewerkschaften am 2. Mai 1933
Der 1. Mai gehört den Arbeiterinnen und Arbeitern. Schon die Vorbilder der „Heimat“, die Nazis der NSDAP, haben versucht, uns diesen Tag zu stehlen. Die Arbeiterbewegung stellte die letzte Bedrohung und damit eines der ersten Angriffsziele der NS-Diktatur dar. Noch im Jahr von Hitlers Machtergreifung inszenierte die NSDAP Großveranstaltungen und Aufmärsche, um den Arbeiterinnen und Arbeitern vorzugaukeln, sie stünden für ihre Interessen ein.
Am nächsten Tag, dem 2. Mai 1933, folgte dann die blutige Zerschlagung der Gewerkschaften: Gewerkschaftshäuser wurden besetzt, Gewerkschafter verhaftet, misshandelt und ermordet. Außerdem begann mit der Machtergreifung Hitlers am 30. Januar bereits die Verfolgung von Kommunisten und Sozialdemokraten. Viele von ihnen waren bis zum Mai 1933 bereits verhaftet oder tot.
Nach dem 2. Mai 1933 war die Arbeiterbewegung zerschlagen. Streiks, das wichtigste Mittel zur Erkämpfung fairer Löhne und Arbeitsbedingungen, wurden verboten und Rechte von Arbeiterinnen und Arbeitern massiv eingeschränkt.
Vor diesem historischen Hintergrund zeigt sich: Die Nazis waren ebenso wenig wie die AfD-Faschisten heute auf der Seite der Lohnabhängigen!
Der antifaschistische Kampf geht weiter!
Im ganzen Bundesgebiet steht die antifaschistische Bewegung vor Herausforderungen. Für die AfD könnte 2026 das Jahr werden, in dem sie in Sachsen-Anhalt zum ersten Mal einen Ministerpräsidenten stellt. Aktuell bricht sie bundesweit Rekorde in Wahlumfragen.
Der Zeitpunkt dafür ist bezeichnend: Die Bundesregierung sät mit ihrem massiven Sozialabbau die Verzweiflung, die die Menschen den Faschisten und ihren Lügen in die Arme treibt. Der „Erfolg“ der AfD-Faschisten ist der Rückenwind der Stiefelnazis, die am 1. Mai Essen terrorisieren wollten.
Am 4. und 5. Juli plant die AfD in Erfurt, der Heimat vom Chef-Faschist Björn Höcke, ihren nächsten Bundesparteitag, 100 Jahre nach dem NSDAP-Parteitag im nahegelegenen Weimar. Dieser Termin wie auch der Versuch, in Essen am 1. Mai aufzumarschieren, zeigt, in welche Tradition sich die Nazis von heute stellen.
Der Protest im Juli wird der voraussichtlich wichtigste Termin für alle Antifaschistinnen und Antifaschisten in Deutschland in diesem Jahr. Wir werden dabei sein und gemeinsam zeigen, dass die Nazis auf der Straße geschlagen werden!
Schlagwörter: AfD, Antifaschismus, Die Heimat, Nazis
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