Breaking

Angriffswelle gegen kurdische Viertel in Syrien

International / 16. Januar 2026

Stellungnahme der Strömung Revolutionäre Linke in Syrien

Nicht einmal ein Jahr nach dem Sturz Baschar al-Asads spitzt sich die Lage in Syrien kontinuierlich zu.

Syrien bleibt nach dem Bürgerkrieg weiterhin gespalten – immer wieder richtete sich die Gewalt der neuen Übergangsregierung unter Ahmed al-Schar’a gegen religiöse und ethnische Minderheiten wie etwa Alawiten, Drusen und Kurden.

Nun kam es letzte Woche zu heftigen Angriffen des neuen Regimes auf kurdisch dominierte Viertel im Nordosten des Landes.

Bundeskanzler empfängt Gewaltherrscher

In Deutschland kritisieren Abgeordnete zwar die jüngste Eskalation, doch Bundeskanzler Merz will trotz des orchestrierten Terrors am kommenden Montag den syrischen Premierminister al-Schar’a in Berlin empfangen.

Die Motivation dahinter wird immer klarer, auch nach der jüngsten Ankündigung der EU, das syrische Regime mit 620 Millionen Euro “Aufbauhilfe” zu legitimieren: Nach dem Sturz des Diktators Baschar al-Assad im Dezember 2024 bietet sich für die Bundesregierung ein Möglichkeitsfenster, an Einfluss im Nahen Osten zu gewinnen – und „unliebsame“ syrische Geflüchtete loszuwerden.

Wir dokumentieren unten das Statement unserer syrischen Schwesterorganisation zu den Geschehnissen, zusammen mit einer Einordnung zum besseren Verständnis.

Was ist zuletzt passiert?

Truppen der Übergangsregierung unter Ahmad al-Schar’a blockierten Zufahrtsstraßen zu den kurdisch geprägten Vierteln Scheich Maqsud und Aschrafija in Syriens größter Stadt Aleppo. Sie riegelten diese Stadtteile mit Erdwällen und Barrikaden ab, wodurch die Bewegungsfreiheit der Bevölkerung stark eingeschränkt wurde.

Auf friedliche Proteste der Bevölkerung reagierten die Truppen des neuen Regimes unter anderem mit scharfer Munition und Tränengas.

Am 6. Januar 2026 kam es in beiden Vierteln zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Einheiten der syrischen Armee und den Einheiten der kurdisch dominierten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF). Infolge der Gefechte wurden bislang mehr als 140.000 Menschen zur Flucht gezwungen, zudem kamen mindestens 22 Personen ums Leben, darunter auch Zivilisten. 

Einen Tag später erklärte das Militär die beiden Stadtteile zu militärischen Sperrgebieten.

Nach Gesprächen unter Vermittlung der USA kündigte das syrische Verteidigungsministerium am 9. Januar eine Waffenruhe an und stellte den kurdischen Kräften einen sicheren Rückzug in den Nordosten des Landes in Aussicht. In der Folge rückten Regierungstruppen in Aschrafija vor.

Die kurdischen Selbstverwaltungsräte lehnten die Vereinbarung jedoch als faktische Kapitulationsaufforderung ab und erklärten, ihre Stadtviertel verteidigen zu wollen. Nachdem die Frist für den Abzug verstrichen war, eskalierten die Kämpfe erneut.

Wir dokumentieren im Folgenden die Stellungnahme unserer Schwesterorganisation Revolutionäre Linke in Syrien zu den Kämpfen.

Respekt für die Standhaftigkeit von Scheich Maqsud:
Es gibt keine Alternative zum gemeinsamen Kampf der Unterdrückten

Während das thermidorianische [An. d. Red.: thermidorianisch meint in diesem Kontext, dass das Regime den revolutionären Prozess, der 2011 begonnen hat, verraten hat und versucht ihn zu begraben] Regime in Damaskus weiterhin versucht, Syrerinnen und Syrer durch Belagerung und Beschuss zur Kapitulation zu zwingen, schreiben die Helden unseres kurdischen Volkes im Stadtteil Scheich Maqsud in Aleppo ein neues Epos der Standhaftigkeit. Was heute geschieht, ist nicht nur eine militärische Konfrontation, sondern eine lautstarke Weigerung, sich dem „Kartell“ der Milizen und den Banden der herrschenden Clique zu unterwerfen, die dem Land nichts als Ruin und Abhängigkeit bringen.

Wir, die Revolutionäre Linke in Syrien, bekräftigen die folgenden Positionen:

Der heldenhafte Widerstand: Der Widerstand der einfachen Bevölkerung gegen die Horden des sektiererischen Regimes ist ein Ehrenabzeichen auf den Fahnen der Freiheit und Würde. Dieser Widerstand ist die natürliche Antwort auf ein Regime, das in Blut und Spaltung investiert, um sein Überleben zu sichern.

Demografischer Wandel: Die Versuche, Kurdinnen und Kurden aus Aleppo in den Norden und Osten Syriens zu vertreiben, sind nicht nur Sicherheitsmaßnahmen, sondern ein systematisches Verbrechen der „demografischen Manipulation”, das darauf abzielt, gewaltsame ethnische und konfessionelle Grenzen zu ziehen. Diese Politik dient der Teilung und Fragmentierung des syrischen Sozialgefüges zum Vorteil der Besatzungsmächte und der Gönner der herrschenden Clique.

Das Meer aus Blut: Ein „Meer aus Blut”, das nicht überquert werden kann, trennt nun das massakerbegehende Regime in Damaskus von der überwiegenden Mehrheit unseres Volkes, über alle ethnischen und sozialen Bevölkerungsteile hinweg. Das Überleben dieser Clique, die Reichtum und Macht kontrolliert, stellt das größte Hindernis für eine demokratische Zukunft Syriens dar.

Einheit im Kampf: Die Schlacht von Scheich Maqsud ist integraler Bestandteil des Kampfes aller Unterdrückten in Syrien. Unsere einzige Rettung liegt darin, die von imperialistischen Mächten und ihren regionalen Sponsoren geschürten Spaltungen zu überwinden und uns um die Option eines unabhängigen Volkswiderstands zu scharen, bis eine dezentrale demokratische Republik errichtet ist.

Wir begrüßen die Standhaftigkeit unseres Volkes in Scheich Maqsud und sehen in seiner Entschlossenheit die Verkörperung des Willens der Syrerinnen und Syrer, ihr Schicksal selbst zu bestimmen, fernab von der Vormundschaft sektiererischer Milizen oder dubioser internationaler Abkommen.

Lang lebe der Widerstand des kurdischen Volkes gegen Tyrannei und Vertreibung! Nein zur demografischen Manipulation! Ja zur Einheit des Kampfes der Unterdrückten! Schande über die Herrschaft der Massaker! Sieg der Revolution!

Revolutionäre Linke in Syrien

https://revoleftsyria.org/en/

  1. Januar 2026

Schlagwörter: ,








Previous Post

Venezuela: Der tiefere Sinn hinter dem US-Angriff

Next Post

Weder Washington, noch Kopenhagen: Grönland den Inuit!





You might also like


More Story

Venezuela: Der tiefere Sinn hinter dem US-Angriff

Der US-Angriff auf Venezuela, die Verschleppung dessen Präsidenten und die folgende Erpressungspolitik sind nichts als nackte,...

14. January 2026