Der US-Angriff auf Venezuela, die Verschleppung dessen Präsidenten und die folgende Erpressungspolitik sind nichts als nackte, imperialistische Aggression. Präsident Donald Trump rühmt sich, den US-Konzernen die Kontrolle über die größten Erdölvorkommen der Welt verschafft zu haben. Doch in dem Konflikt geht es um mehr, erklären Timo König und Karl Naujoks

Monroe-Doktrin: Karikatur von 1905
US-Präsident Trump stellte am Tag nach dem Angriff auf Venezuela diesen in einen größeren Kontext. Er drohte den Regierungen Kolumbien und Kuba. Er wiederholte die Absicht, Grönland zu übernehmen. Verbunden mit Drohungen, auch innerhalb Mexikos mit US-Truppen zu intervenieren, sagte er Fox News: „Die amerikanische Vorherrschaft über die westliche Hemisphäre wird nie wieder in Frage gestellt werden.”
In seiner Pressekonferenz am gleichen Tag zitierte Trump in seiner vorbereiteten Rede die Monroe-Doktrin, die auf eine Erklärung aus dem Jahre 1823 zurückgeht.
Darin erklärte der damalige US-Präsident James Monroe ganz Lateinamerika zur Einflusssphäre der USA, in der Washington unliebsame Regierungen nach Belieben entfernt, und aus der sich fremde Großmächte herauszuhalten hätten. Sie diente zur Rechtfertigung nicht enden wollender militärischer Interventionen in Mittelamerika und der Karibik, sowie der Zusammenarbeit mit Militärdiktatoren in Südamerika.
Konflikt mit China und Russland
Die Warnung damals richtete sich gegen die europäischen Mächte, vor allem gegen Großbritannien und Spanien. Trumps Warnungen gehen darüber hinaus. Auf einer Sitzung, zu der er die Vorstandsvorsitzenden der amerikanischen Ölkonzerne eine Woche nach dem Angriff auf Venezuela öffentlich antreten ließ, erklärte er: Ohne die USA wären China und Russland in Venezuela “einmarschiert”.
Das ist natürlich Unsinn. Aber die Erklärung reflektiert die tieferliegende Motivation hinter dem Angriff. Dahinter verbirgt sich der Versuch, den Verlust an wirtschaftlicher Stärke auf globaler Ebene durch das Ausspielen der militärischen Stärke aufzuhalten.
Relativer Niedergang
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs konzentrierten die USA die Hälfte der Weltproduktion an Waren auf sich. Doch im Verlauf der folgenden Jahrzehnte verlor die US-Wirtschaft im Wettkampf mit Japan und Deutschland an Stärke. Der US-Anteil am globalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) fiel von rund 50 Prozent in den 40er Jahren auf nur noch 22 Prozent im Jahr 1989.
Seitdem ist China zur neuen wirtschaftlichen Supermacht aufgestiegen. Der kaufkraftbereinigte Anteil der USA am globalen BIP ist bis heute auf unter 15 Prozent gefallen. Tendenz: weiter fallend.
Einer der Gründe für den relativen wirtschaftlichen Niedergang sind die Belastungen, die aus den Rüstungsausgaben der USA erwachsen. Sie liegen seit über achtzig Jahren konstant auf einem außerordentlich hohen Niveau.
Trump will nun aus der Not eine Tugend machen. Er will die absolute militärische Überlegenheit und die verbliebene Stärke des US-Marktes nutzen, um im Eins-zu-Eins einem Staat nach dem anderen seinen Willen aufzuzwingen – und daraus wirtschaftliche Vorteile ziehen.
Kaum zurück im Amt, hat er 2025 allen Ländern der Welt unilateral Strafzölle aufgezwungen. Zeitgleich zum Angriff auf Venezuela zogen sich die USA auf Anordnung von Trump aus 66 internationalen Organisationen, Behörden und Kommissionen zurück.
Mit dem gleichzeitigen Ausstieg aus nahezu allen multilateralen Abkommen signalisiert Trump die Aufkündigung der bisher bestehenden, globalen Kräfteverhältnisse.
Washington will, quasi als ersten Schritt, die absolute Dominanz über die Länder Mittel- und Südamerikas zurückgewinnen. Und gegebenenfalls Grönland annektieren.
US-Außenminister Marco Rubio, der Mastermind hinter dem Angriff auf Venezuela, betonte: Seine Regierung werde „nicht mehr zulassen, dass die westliche Hemisphäre als Operationsbasis für Gegner, Konkurrenten und Rivalen der Vereinigten Staaten dient“.
Die Schatten des Weltkriegs
Wie weit die Einflusssphären der anderen Großmächte China und Russland, sowie der europäischen Mittelmächte am Ende noch reichen werden, darüber entscheidet das militärisch-wirtschaftliche Kräftemessen in der nächsten Zukunft.
Es geht um die Neujustierung im internationalen Konkurrenzkampf der kapitalistischen Nationalstaaten. Die Folge ist ein enorm beschleunigter, globaler Rüstungswettlauf: Er wirft die Schatten des nächsten Weltkrieges voraus.
Schlagwörter: Trump, US-Imperialismus, Venezuela
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