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Auf zum Aktionstag Automobil! Gegen den Generalangriff der Auto-Bosse hilft nur Vollstreik

Allgemein / 19. September 2026

Die ‚Sozialpartnerschaft‘ ist tot: Radikale Angriffe erfordern radikale Antworten!

Die Konzernbosse reden von einer Existenzkrise, aber die Zahlen sagen etwas anderes. VW, Mercedes-Benz und Audi machen nach wie vor Milliardengewinne. Dennoch werden Standorte geschlossen und Zehntausende Stellen abgebaut. Die Beschäftigten sollen länger arbeiten und auf Löhne verzichten. Die IG Metall mobilisiert dagegen zu einem „Aktionstag Automobil“ am 21. September. Es ist der richtige, erste Schritt, meinen Jens Feldmann und Karl Naujoks

Es geht nicht mehr um einzelne Marken oder Betriebe. Die Beschäftigten der gesamten Automobilbranche sind mit einem Generalangriff aus den Chefetagen konfrontiert. Gegen diesen Frontalangriff von oben versagen die klassischen Instrumente der Tarifpolitik.

Beispiel VW: Im Dezember 2024 vereinbarten IG Metall und Konzernleitung den Abbau von 35.000 Stellen und eine Nullrunde bei den Löhnen für 2027. Dies wurde damals als „Weihnachtswunder“ verkauft, das die zehn Standorte in Deutschland gesichert hätte. Und nun? Der VW-Konzern kündigte im September 2026 an, weltweit zusätzlich 50.000 Stellen bis 2030 abbauen zu wollen, davon die Hälfte in Deutschland.

Eingeübte Rituale führen in die Niederlage

Es rächt sich heute, dass im Dezember 2024 im Vertrauen auf die Versprechen des Managements der Arbeitskampf abgebrochen worden ist, bevor er überhaupt richtig losging. Damals befanden sich 100.000 VW-Beschäftigte im Warnstreik. Am VW-Werk in Hannover schwenkten Arbeiter Plakate mit der Aufschrift ›Ihr wollt Krieg, wir sind bereit!‹.

Doch zum Vollstreik kam es nicht, stattdessen zu Lohnverzicht im Gegenzug für vagen Versprechen auf Standorterhalt. Dies hat die Konzernleitung ermutigt, keine zwei Jahre später den Abbau von weiteren 50.000 Arbeitsplätzen anzukündigen.

Dies ist eine wichtige Lehre für die Gewerkschaft: Bloße Drohungen der IG Metall-Führung wie damals bei VW, man werde den „Streikhammer“ herausholen, reichen nicht mehr. Es muss auch gebissen werden. Ansonsten werden die Angriffe von oben immer weiter gehen.

Die alten Rituale von Warnstreiks mit Appellen die Vernunft, dann Kompromissfindung, fruchten nicht mehr. Die Chefs verstehen nur noch die Sprache des Klassenkampfs.

Markenübergreifender Widerstand

Was für VW gilt, gilt auch für alle anderen. Alle Autobauer und ihre Zulieferer greifen die Beschäftigten an. Audi streicht bis 2029 rund 7.500 Stellen; ursprünglich hatte das Unternehmen 12.000 gefordert. Dazu wird die Ergebnisbeteiligung gekürzt.

Mercedes-Benz hat 2025 die Standorte Koblenz, Mainz, Dortmund, Neu-Ulm und Lübeck geschlossen, verlagert die A-Klasse nach Ungarn und hat rund 40.000 Beschäftigten Abfindungen angeboten. Jetzt soll die Wochenarbeitszeit für 108.000 Arbeiter und Angestellte von 35 auf 40 Stunden steigen – ohne Lohnausgleich.

Der „Aktionstag Automobil“ der IG Metall sendet gegen diesen Generalangriff ein wichtiges Signal. Die Beschäftigten der gesamten Branche schließen sich firmenübergreifend zusammen. Nur gemeinsame Aktionen können etwas verändern.

Wir brauchen keine ‚konzertierte Aktion‘ mit den Unternehmen zur vermeintlichen Standortrettung. Wir brauchen einen konzertierten Widerstand der Beschäftigten aller Automobilbetriebe. Karl Marx fasste es so zusammen: Nur wenn die Arbeiter aufhören sich untereinander Konkurrenz zu machen, können sie dem Kapital Konkurrenz machen.

„Krise“ – für wen?

Die Unternehmensführungen verbreiten Schreckensszenarien, um die Kampfmoral der Belegschaften zu schwächen. Sie behaupten, die Gewinne brechen ein. Richtig ist: Die Automobilhersteller hatten im Jahr 2023 Rekordgewinne gescheffelt. Die Beschäftigten sahen davon wenig bis nichts.

Seitdem sind die Gewinne zurückgegangen und Panik wird verbreitet. Doch bei genauem Hinsehen sprechen die Zahlen eine andere Sprache.

Nehmen wir das Beispiel Mercedes-Benz. Im Jahr 2025 war der Gewinn um knapp die Hälfte eingebrochen. Verluste wurde indessen nicht gemacht. Die Profite lagen immer noch bei 5,3 Milliarden Euro. Und im zweiten Quartal 2026 stieg das operative Ergebnis wieder um 21,5 Prozent an, auf 1,55 Milliarden Euro. Unter dem Strich stand ein Konzernergebnis von 1,09 Milliarden Euro – plus, wohlgemerkt.

Profite, Krise und Verdrängung

Bei anderen Konzernen sieht es ähnlich aus. Doch diese Gewinne reichen den Bossen nicht. Warum ist das so?

Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens sind Autokonzerne global aufgestellte Aktiengesellschaften, deren Anteilseigner Dividenden erwarten. Diese Profitgier muss bedient werden, sonst fallen die Kurse, und mit ihnen die Kapitalkraft der Konzerne.

Zweitens sind die internationalen Märkte begrenzt. Das Standardargument, die deutschen Chefetagen hätten internationale Trends verschlafen, greift zu kurz. Es mag im Einzelnen so sein, dass deutsche Autobauer Marktanteile verlieren, weil ihre Elektroautos zu teuer sind. Doch dies ist keine ausreichende Erklärung dafür, warum die Krise auch international viele Marken betrifft, nicht zuletzt in China.

In Europa werden heute im Vergleich zum Jahr 2020 rund zwei Millionen Fahrzeuge weniger verkauft. Das wird sich auf absehbare Zeit auch nicht ändern. Dies ist in der Automobilbranche derzeit weltweit zu beobachten. Der Beschaffungsvorstand von VW schätzt, dass der Kernmarke des Konzerns Kunden für 500.000 Fahrzeuge fehlen würden.

Insgesamt stößt der globale Automarkt wie alle Märkte irgendwann an seine Grenzen. Im Kapitalismus führt dies zu einem brutalen Verdrängungswettbewerb unter den Konzernen.

Die „Lösungen“ in solchen Phasen sind immer die gleichen: die Arbeiter, die allen Reichtum schaffen, sollen länger arbeiten für weniger Lohn. Doch ein Blick in die Geschichte zeigt, dass weder einzelne Managemententscheidungen noch die Höhe der Löhne Schuld an der Rezession sind. Wirtschaftskrisen treten vielmehr in regelmäßigen Abständen auf, seit der industrielle Kapitalismus vor rund 200 Jahren entstanden ist.

Er durchlebt dabei sogenannte Überproduktionskrisen. Die Lohnabhängigen schuften immer mehr, die Profite sprudeln, bis irgendwann die Nachfrage stockt.

Dies betrifft nicht nur einzelne Firmen. Alle Autounternehmen leiden unter einem schrumpfenden Markt. Sollte es einem Konzern wie VW oder Mercedes-Benz gelingen, durch Lohnverzicht bei den eigenen Beschäftigten und Intensivierung der Arbeit Kostenvorteile gegenüber den Konkurrenten zu erreichen, dann verlagert sich die Krise lediglich auf andere Unternehmen – die ihrerseits die jeweils eigenen Beschäftigten zu drücken versuchen.

Wenn sich die Gewerkschaften auf dieses Spiel einlassen, führt dies unweigerlich zu einer Abwärtsspirale bei Löhnen und Arbeitsbedingungen.

Argumente gegen ihre Angriffe

Die Arbeiterinnen und Arbeiter haben Milliarden Werte geschaffen. Sie haben die Profite der Bosse erarbeitet. Jetzt, wo das System in der Krise, sollen sie die Suppe auslöffeln, die uns der Kapitalismus eingebrockt hat. Warum sollen Beschäftigte auf Lohn verzichten, wenn die Aktionäre weiter Dividenden einfahren?

Wenn heute Stellen abgebaut und Werke geschlossen werden, dann zerstört das erarbeiteten Reichtum. Die Verteidigung von Standorten, Löhnen und angemessenen Arbeitszeiten ist auch eine Verteidigung gesellschaftlicher Werte, gegen die destruktiven Angriffe des Kapitals.

Wir dürfen uns nicht auf die Standortlogik einlassen. Uns wird erzählt, wir müssten den Gürtel enger schnallen, damit „unsere“ Konzerne im Wettbewerb bestehen. Gemäß dieser Logik lässt sich jeder Verzicht begründen. Die Kolleginnen und Kollegen in China, Ungarn oder Mexiko sind nicht unser Problem. Sie stehen unter demselben Druck. Wer sich auf den Standort einlässt, kämpft am Ende gegen sie statt gegen die Vorstände und lässt sich auf eine Abwärtsspirale ein. Gegen diese Logik können wir uns nur gemeinsam wehren.

Aufrüstung ist Teil des Problems, nicht der Lösung. Panzerbauer Rheinmetall dachte über die Komplettübernahme des VW-Werks in Osnabrück nach und winkte dann ab. Alles, was bleibt, ist die Produktion von gepanzerten Fahrerkabinen. Das sichert rund 100 Arbeitsplätze – von 2.300! Das ist keine Standortsicherung, sondern eine Werksvernichtung auf Raten.

Schlimmer noch: Die massive Aufrüstung zahlt der Staat mit Kreditaufnahmen von insgesamt 850 Milliarden Euro bis 2030. Das sind Schulden, die – geht es nach dem Willen der Bundesregierung – durch massiven Sozialabbau gegenfinanziert werden sollen. Wenn ein VW-Arbeiter Panzerteile baut und zugleich Jahre länger bis zur Rente arbeiten muss, dann ist auch das Lohnraub. Obendrein ist die Militarisierung der Produktion Teil einer gigantischen Aufrüstungsspirale, die uns alle direkt in den nächsten Krieg führt.

Niederlage bei Tesla warnt uns

Was passiert, wenn wir uns gegeneinander ausspielen lassen, haben wir kürzlich bei Tesla in Schweden gesehen. Dort streikten Beschäftigte über tausend Tage für einen Tarifvertrag. Es war der längste Arbeitskampf des Landes seit hundert Jahren.

Tesla flog Streikbrecher aus einem Dutzend EU-Länder ein, vom Flughafen per Taxi direkt in die Werkstatt. Der Streik endete in einer Niederlage. Wer Streikbrecher nicht aufhält, streikt ins Leere.

Wenn die Arbeitgeberseite härtere Mittel wie Verlagerungen, Einfliegen von Streikbrechern und Werksschließungen ins Spiel bringt, müssen die Arbeiterinnen und Arbeiter ihrerseits mit Streiks, Blockaden und schlussendlich auch Werksbesetzungen antworten.

Politischer Generalstreik für Sondervermögen

Die Stimmung in den Autobetrieben ist am Siedepunkt. Wird diese Stimmung genutzt, um die Organisation eines flächendeckenden Streiks in verschiedenen Autofirmen vorzubereiten, kann dies zum Sieg führen: bei der Abwehr von Lohnkürzungen, Arbeitszeitverlängerungen und Stellenabbau.

Solche Streiks wären politische Streiks. Sie würden zugleich ein mächtiges Signal gegen den von der Bundesregierung geplanten Sozialkahlschlag bei Rente und Gesundheit sein.

Mut machen uns die Kolleginnen und Kollegen bei Mercedes-Benz in Stuttgart-Untertürkheim. Der Unmut über die Einsparpläne der Konzernführung – und der lauwarmen Reaktion der Gewerkschaftsführung – ist so groß, dass sich die IGM-Vertrauensleute öffentlich gegen die versöhnlerische Strategie der IGM-Führung gestellt haben.

In einem offenen Brief schreiben sie: »Wir sollen gezwungen sein, auch noch die letzte mies bezahlte Stelle anzutreten, wenn die Bosse unseren Job vernichten.« Und: »Auch die Regierung tut nichts für uns. Sie will den gesetzlichen Acht-Stunden-Tag abschaffen. Wir sollen länger arbeiten für das gleiche Geld oder sogar für noch weniger. Zusätzlich plant sie die ›Rente mit 70‹. Das Geld, was in den Sozialkassen durch die Sparmaßnahmen fehlt, fließt auch in die Aufrüstung. Unsere Jugend soll wieder für die Profite der Konzerne in den Krieg ziehen.«

Die Kolleginnen und Kollegen haben den Nagel auf den Kopf getroffen. Die Konsequenz daraus: Wenn Regierung und Kapital uns gemeinsam angreifen, muss sich die Antwort ebenfalls gegen beide richten. Nur ein politischer Massenstreik über die Betriebsgrenzen hinweg kann den Angriff der Bosse stoppen.

Konkrete Forderungen

Solche eine Kampfform braucht politische Forderungen, hinter die sich alle stellen können. Die liegen auf der Hand: Das sogenannte „Sondervermögen Infrastruktur“ sieht insgesamt 500 Milliarden Euro über 12 Jahre für Investitionen in Infrastruktur vor.

Warum kann es nicht auch ein Sondervermögen zum Erhalt von Arbeitsplätzen in der Automobilindustrie geben?

Der Staat schwimmt derzeit in Geld, dank der Aufnahme von Hunderten von Milliarden von Schulden. Anstatt alles in die Aufrüstung zu stecken, könnten Werke und Produktionsstandorte der Autokonzerne in die Treuhand des Staates übergehen, um die Produktion mit staatlichen Milliarden gestützt fortzusetzen und dabei in Herstellung sinnvoller Produkte zu lenken.

Die zweite Forderung wäre: Stopp aller Sozialkürzungen!

Beides kann über Mittel des politischen Streiks durchgesetzt werden. In Frankreich hat die Regierung letztes Jahr unter dem Druck von unten eine bereits beschlossene „Rentenreform“ ausgesetzt. Das Renteneintrittsalter dort liegt weiter bei unter 63 Jahren. Hierzulande will die Regierung es in Richtung 70 anheben.

Widerstand von unten kann den Preis für die sozialen Angriffe von oben so hochtreiben, dass die Herrschenden zurückweichen.

Der Aktionstag Automobil kann deshalb der Auftakt zu viel mehr sein. Am 26. September folgt der bundesweite DGB-Aktionstag gegen die Sozialkürzungen unter dem Motto „Hart verdient!“. Ab Oktober beginnt dann die Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie.

Der Kampf gegen die Angriffe der Autobosse und der Widerstand gegen der den Sozialabbau der Bundesregierung kann sich gegenseitig verstärken und motivieren. Ein heißer Herbst des Widerstandes kann die Autobosse stoppen und den Bundeskanzler stürzen.

KAMPF UM JEDEN ARBEITSPLATZ!

KEINE LOHNKÜRZUNGEN!

KEINE ERHÖHUNG DER WOCHENARBEITSZEIT!


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