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Streikende im öffentlichen Dienst an die Arbeitgeber: „Ohne uns seid ihr alle nix!“

Arbeitskämpfe & Gewerkschaft / 10. Februar 2026

„Unendliche Milliarden in Rüstung… Friedrich Merz? Ganz schlimme Type!“

Die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst der Länder gehen diese Woche weiter. Betroffen sind über 900.000 Beschäftigte. Sie fordern 7 Prozent mehr, mindestens aber 300 Euro. An vielen Orten gingen Beschäftigte in den Warnstreik, um den Druck zu erhöhen. Unsere Genossinnen Claudia, Franzi, Lea, Cora und Anton haben Streikende am Uniklinikum in Münster und an den Universitäten Duisburg-Essen, Bonn und Freiburg jeweils drei Fragen zum Arbeitskampf gestellt. Hier findet ihr die Antworten.

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Interview mit Pflegekräften des Uniklinikums in Münster

RevoLinks: Wir stehen hier auf dem Streikposten vor dem Schloss in Münster. Ich würde euch gerne drei Fragen stellen. Was ist eure Ansage an die Arbeitgeber?

Bettina: Ohne uns seid ihr alle nix!

Christine: Eine verantwortungsbewusste Entscheidung fällen, weil die Arbeit, die wir leisten, sehr wichtig ist.

RevoLinks: Und warum dürfen es nicht weniger als 7 Prozent werden?

Bettina: Weil wir es wert sind. Nach oben hin immer ganz viel Geld da ist! Alles Mögliche wird doch subventioniert.

Christine: Schon allein, um den Inflationsausgleich zu gewährleisten, damit am Ende doch ein bisschen mehr überbleibt.

RevoLinks: Und was sagst Du denen wie Merz und Co., die sagen, wir können uns mehr Geld für euch nicht leisten?

Bettina: Du brauchst mir mit Merz überhaupt nicht kommen. Ganz schlimme Type und wo Merz sein Geld gerne hin transferiert, das wissen wir alle.

Christine: Das kann ich nicht nachvollziehen. Wir haben ganz viel Geld für die Waffen, für die Rüstungsindustrie über. Ich würde denen einfach empfehlen, mal im Krankenhauswesen oder in den Betrieben vorbeizukommen und selber mal eine Woche im Schichtdienst mitzuarbeiten.

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Interview mit studentischen Hilfskräften an der Universität in Bonn

RevoLinks: Was ist deine Ansage an die Arbeitgeber?

Elisa: Also, ich würde mir von den Arbeitgebern wünschen, dass sie uns ernst nehmen, gerade auch als studentische Hilfskräfte unsere Arbeit wertschätzen und sie eben nicht nur als Hobby neben dem Studium oder als notwendigen Leidensweg zur wissenschaftlichen Karriere sehen.

Bert*: Also, die Arbeitgeber stellen sich halt jetzt quer. Geld ist ja genug da. Wir geben Milliarden für Waffen und Aufrüstung auf, für irgendeinen Scheiß. Und dann tun sie wieder so, als müssten jetzt hier alle den Gürtel enger schnallen und keiner hätte nen höheren Lohn verdient. Ich meine, ich bekomme 10 Cent über Mindestlohn. Und auch die anderen Beschäftigten hier an der Uni bekommen nicht so viel Geld. Wie soll man sich das Leben da noch leisten?

RevoLinks: Warum dürfen es nicht weniger als 7 Prozent werden?

Elisa: Ja, das ist für uns als studentische Hilfskräfte ja gar nicht so direkt relevant, weil wir ja eh gerade mal 8 Cent über dem Mindestlohn verdienen. Also mit 7 Prozent sind es bei uns wahrscheinlich immer noch relativ wenig. Aber es ist natürlich für die anderen Beschäftigten an der Uni Bonn relevant, weil das eben auch das ist, was andere Beschäftigte im öffentlichen Dienst erhalten. Und das ist einfach ungerecht, dass Leute, die oft bei den Ländern beschäftigt sind, also gerade die Leute an Universitäten halt nicht bekommen.

RevoLinks: Und was sagst Du den Leuten wie Merz und Co., die sagen, ja nee, wir haben da gar kein Geld für?

Bert: Ich sag denen nur ‚Halt’s Maul!‘

Elisa: Man sieht gerade an der Uni, dass doch immer Geld für bestimmte Projekte da ist, genau wie ja in unserem Staat auch einfach Geld für bestimmte Projekte da ist und für andere eben nicht. Und es ist schon auffällig, dass dann eben immer gerade bei den Löhnen, gerade auch im Mittelbau, gekürzt wird. Obwohl das ja die Leute sind, die das System am Laufen halten.

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Interview mit einem Chemietechniker der Uni Duisburg-Essen

RevoLinks: Die erste Frage ist, was ist deine Ansage an die Arbeitgeber?

Helmut*: Es kann so nicht weitergehen, es wird alles teurer, wir haben immer mehr Probleme. Aber das wird einfach immer ignoriert. Wir haben Nullrunden mitgemacht, als die Inflation im zweistelligen Bereich war.

RevoLinks: Und warum dürfen es nicht weniger als 7 Prozent werten?

Helmut: Weil in der letzten Zeit die Sachen um 20 Prozent teurer geworden sind. Was soll man machen? Mehr arbeiten als 40 Stunden in der Woche kann ich nicht, weil ich mich auch zu Hause noch um die Familie kümmern muss.

RevoLinks: Und was sagst Du denen wie Merz und Co., die sagen, dass sie das Geld für euch nicht mehr leisten können?

Helmut: Sollen sie mal ein paar Dienstwagen weniger fahren. Ein bisschen weniger Großprojekte fahren. Einfach mal darauf achten, dass die Projekte, die sie fahren, auch im Rahmen bleiben.

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Interview mit einer Mitarbeiterin und einer studentischen Hilfskraft an der Freiburger Universität

RevoLinks: Wir sind in Freiburg auf der Streikdemo. Was ist deine Ansage an die Arbeitgeber?

Ute*: Also mein Arbeitgeber ist die Uni Freiburg und meine Ansage ist, dass wir heute hier für die Rechte von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen stehen. Wir wünschen uns bessere Löhne, bessere Konditionen, vor allem auch für die sehr prekär Beschäftigten unter uns, wie HiWis [Anm. d. Red.: Hilfswissenschaftler] oder Doktorantinnen und Doktoranten.

Rolf*: So kann es nicht weitergehen. Das wird nicht funktionieren. Ohne uns funktioniert hier sowieso überhaupt nichts und wir müssen dafür auch fair bezahlt werden. 7 Prozent ist, würde ich sagen, immer noch zu wenig, aber mal ein Anfang, den man uns auf jeden Fall geben sollte.

RevoLinks: Und was sagst Du denen wie Merz und Co., die sagen, wir können uns mehr Geld für Euch nicht leisten?

Ute: Naja, ich würde denen sagen, Meinungsfreiheit, Forschung und Informieren in einem neutralen Kontext ist super wichtig hier an der Uni. Und vor allem auch in meinem Arbeitsgebiet tragen wir gesellschaftlich relevante Themen in die Gesellschaft, die ohne uns nicht in die breite Gesellschaft getragen werden könnten. Und diese Arbeit nicht zu unterstützen ist für die Demokratie gefährlich. Deswegen verstehe ich nicht, warum da nicht mehr getan werden kann.

Rolf: Ja, also ich würde sagen, das ist einfach falsch. Das Geld wird halt falsch ausgegeben, wenn wir hier unendliche Milliarden in Rüstung pumpen. Das muss an uns gehen, an die Arbeiterklasse müssen diese Milliarden gehen und nicht in irgendwelche Rüstungsunternehmen. Ich würde sagen, das Geld ist offensichtlich da und das Geld muss halt an die Leute gehen, die wirklich arbeiten.

Vielen Dank an alle Streikenden für die Antworten!

 

*) Name geändert


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