Der Aufstieg der AfD in den Umfragen ist besorgniserregend. Umso mehr, da er Stiefelnazis genug Selbstvertrauen verleiht, um auf der Straße Präsenz zu zeigen. Doch die Faschisten lassen sich aufhalten – und der antifaschistische Widerstand kann umgekehrt den Aufstieg der Linken beflügeln. Wie das geht, zeigen die Erfahrungen aus der Stadt Münster. Jan Trikole berichet.
Willkommen in Münster, wo Faschisten sich selbst mehr im Weg stehen als ihre Gegner. Die Stadt ist ein hartes Pflaster für die Rechten – nicht zuletzt, weil dort gezielte Blockaden aller AfD-Versammlungen deren Aufbau nachhaltig behindert haben. In keiner Großstadt bekommt die AfD so Wenig Prozente wie in Münster. Dies provozierte die rechten Schläger, die in Münster den Spieß umdrehen wollen.
Mitte Juli riefen Neonazis zum Aufmarsch auf. Es kamen gerade einmal 90 Rechte – und die standen am Anfang erst einmal zweieinhalb Stunden tatenlos herum. Es war bereits der dritte Versuch neonazistischer Gruppen, in den letzten zwei Monaten durch Münsters Straßen zu ziehen.
Den Anfang machten die bundesweit synchronisierten Aufmärsche, bei denen die Braunen sich erstmals seit 13 Jahren wieder offen auf die Straße trauten. Dann folgten Dortmunder Neonazis der rechtsextremen Partei „Die Heimat“ (ehemals NPD), die in Münster marschieren wollten. Und nun bekamen wir Besuch von Dorstfelder Neonazis.
Doch bei allen Versuchen wurden sie von der Münsteraner Zivilgesellschaft deutlich abgelehnt – einer Stadtgesellschaft, die sich klar gegen Neonazis positioniert und aktiv wird, wenn die Polizei sie dennoch schützt und auf die Straße lässt.
31. Mai: Blockaden führen zum Erfolg
Beim ersten Versuch, die Münsteraner „Brandmauer“ zu durchbrechen, konnten Querdenker und ihre braunen Freunde die Stadt nicht genießen: Straßenblockaden trieben sie umher, und egal wie die Polizei die Route änderte – neue Störaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Ein voller Erfolg für Münster!
Zweiter Versuch: Eigene Inkompetenz als Hindernis
Beim zweiten Aufmarsch der Dortmunder Neonazis scheiterte der Aufzug erneut – diesmal vor allem am eigenen Verhalten. Durch martialisches Auftreten, das an braune Paramilitärs erinnerte, stellten sie sich selbst ein Bein. Die Polizei sah sich angesichts des lauten und zahlreichen Auftretens des antifaschistischen Gegenbündnisses die Nazis zu isolieren und aus der Stadt zu begleiten.
Dritter Akt: Spaziergang im Polizeikäfig
Der jüngste Versuch am 19. Juli war kaum weniger peinlich: Wieder martialisches Gehabe, wieder überzogene Aggression, wieder Auflagen der Polizei. Nach zweieinhalb Stunden und etlichen Durchsagen durften sie endlich los – doch es war nur ein „Spaziergang im Käfig“. Die Polizei gewährte unter dem Druck von links nur eine kurze Route, abgesichert mit Doppelreihen von Einsatzwagen und sogenannten Hamburger Gittern. Man kann es Personenschutz für die Braunen nennen – de facto liefen sie in einem beweglichen Käfig abgeschottet vom Rest der Stadt.
Zwar gab es diesmal keine direkten Aktionen gegen die Nazis, aber sie bekamen trotzdem nicht, was sie wollten: 700 laute Antifaschistinnen und Antifaschisten – so viele Menschen standen als Gegenprotest bereit – machten kreativ und entschlossen klar. Die Frustration der 90 Neonazis war unübersehbar.
Breites antifaschistisches Spektrum wichtig
Dass Neonazis ausgerechnet Münster ins Visier nehmen, ist kein Zufall. In einer Stadt, in der die AfD bei den letzten Bundestagswahlen vergleichsweise geringe 6 Prozent holte, versuchen sie, die antifaschistische Kultur zu brechen – mit Provokationen, Einschüchterung und dem Ziel, ihre braun-blaue Ideologie auch hier zu normalisieren.
Der Staat schützt uns nicht vor Faschismus. Geschichte lehrt: Keine Verbotsforderung, nur organisierte Gegenmacht kann ihn aufhalten.
Wenn wir uns nicht spalten lassen, wenn Gewerkschaften, Studierende, Nachbarschaften und Antifaschisten gemeinsam handeln, wird Münster für Nazis unbegehbar bleiben. Um sie nachhaltig zu stoppen, reicht das radikale Kernspektrum nicht aus. Wir brauchen breite Blockaden, die die Rechten demoralisieren und isolieren.
Münster zeigt: Naziaufmärsche scheitern, wenn wir uns entschlossen entgegenstellen.
Am 13. September will die NPD-Nachfolgepartei „Die Heimat“ es erneut ausprobieren, wie es ist, in Münster zu marschieren.
Wir tun, was wir am besten können: Gemeinsam machen wir die Stadt zur Hölle für Faschisten! Kommt zur Demo – kein Meter den Nazis!
Schlagwörter: Antifaschismus, Die Heimat, Münster
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