Warum wir die neue Jugendorganisation der AfD stoppen müssen
Die AfD will Ende November in Gießen eine neue Jugendorganisation gründen, nachdem die ›Junge Alternative‹ (JA) zu Beginn des Jahres aufgelöst worden ist. Angeblich geht es um mehr als eine Umbenennung. Unser Redakteur Jan Trikole erklärt, was tatsächlich dahintersteckt. Und warum wir diese neue Jugendorganisation stoppen können – und müssen.
Die ›Junge Alternative‹ (JA) wurde zu Beginn des Jahres in Folge des Bundesparteitages der AfD in Riesa aufgelöst. Der Bundesvorstand der AfD zielt mit der Neugründung darauf ab, den eigenen Jugendverband besser kontrollieren zu können. In Zukunft muss jedes AfD-Mitglied, anders als bisher, auch AfD-Mitglied sein.
Die AfD ist bemüht, dies als einen Neustart aussehen zu lassen. An den Positionen der neuen Jugendorganisation ändert sich tatsächlich nichts. So wird der bisherige Bundesvorsitzende Hannes Gnauck wird auch der neue Bundesvorsitzende sein.
Gnauck, ein früherer Oberfeldwebel, ist so weit rechts, dass die Bundeswehr gegen ihn ein gerichtliches Disziplinarverfahren angestrengt hat – wegen Hassäußerungen gegen Ausländer und Geflüchtete.
›Bevölkerungsaustausch‹
Gnauck verbreitet unter anderem rassistische Verschwörungstheorien. So sagte er 2023 bei einem Auftritt in Prenzlau: »Die Altparteienregierungen von Bund, Land betreiben hier einen Bevölkerungsaustausch. Und sie werden nicht ruhen, bis jeder Winkel unseres Landes und jedes friedliche Dorf mit illegalen Migranten vollgestopft ist.«
Gnauck will mit solchen Parolen die Bereitschaft für gewalttätige Aktionen der JA-Mitglieder anstacheln. Die JA war und wird unter seiner Führung Anziehungspunkt für Schlägertypen, die die rassistischen Parolen der AfD auf die Straße tragen und ihren Hass in die Tat umsetzen wollen.
Risikofaktor Jugendorganisation
Die AfD hatte ein Problem mit der JA: Junge Leute konnte eintreten, ohne zugleich der AfD beizutreten. Insofern war die JA immer ein Stück unkontrollierbar – und somit ein Risiko. Dies macht die staatliche Verfolgung und einhergehende Diskreditierung der Gesamtpartei wahrscheinlicher.
Deutlich wurde das, als im April 2023 der Inlandsgeheimdienst (›Bundesamt für Verfassungsschutz‹) der JA »gesichert rechtsextremistische Bestrebungen« bescheinigte – eine Bewertung, die gerichtlich bestätigt wurde.
Begründung: Die Organisation vertrete einen völkisch-rassistischen Volksbegriff, agiere ausländerfeindlich und pflegt enge Kontakte in offen rechtsextreme Netzwerke wie die Identitäre Bewegung, rechte schlagende Burschenschaften oder internationale Nazigruppierungen.
Als eigenständiger Verein war die JA ein leichtes Ziel für ein Vereinsverbot. Dieses Risiko umgeht die AfD nun, indem sie die JA offiziell auflöst und vollständig in die Partei eingliedert.
Täuschung als Strategie: Eine neue, alte Jugend
Die geplante Nachfolgeorganisation, voraussichtlich ›Patriotische Jugend‹ genannt, orientiert sich am Modell der Jusos bei der SPD. Das bedeutet, dass alle AfD-Mitglieder unter 35 Jahren automatisch Mitglied der Jugendorganisation werden. Das Ziel ist es, junge Mitglieder enger an die ›Mutterpartei‹ zu binden, größeren Einfluss auf ihre inhaltliche und personelle Ausrichtung zu nehmen und ihr öffentliches Auftreten besser kontrollieren zu können.
Dieses taktische Manöver dient dazu, einem Verbot und rechtlichen Risiken auszuweichen, während die radikale Ideologie der alten JA beibehalten wird. Die JA galt lange als Brutstätte der Radikalisierung für den gesamten Parteinachwuchs. Dasselbe ist von der neuen Organisation zu erwarten – nun jedoch professionalisiert und mit einem ›demokratischen‹ Deckmantel versehen. Strategisch verfolgt die AfD damit ein ähnliches Ziel wie Giorgia Meloni in Italien: Regierungsfähig zu erscheinen, um Berührungsängste beim großen Kapital zu überwinden, ohne dabei die völkisch-nationalistische Grundausrichtung aufzugeben.
Symbolik wie aus der NS-Zeit
Diese Strategie spiegelt sich in den Namensvorschlägen wider. Für ›Patriotische Jugend‹ oder ›Deutschland-Jugend‹ wurden sich bereits die Markenrechte gesichert. Das geplante Logo mit einem stilisierten Adler erinnert an eine Mischung aus Bundesadler und Symbolik der NS-Zeit. Angedeutete, implizite Rückbezüge auf den Nationalsozialismus werden mit der Inszenierung als staatstragende Kraft verknüpft.
Doch die größte Gefahr liegt nicht in der Symbolik. Die größte Gefahr durch eine solche Organisation ist die systematische Rekrutierung junger Menschen. Sie dient als verlängerter Arm der Faschisten in Schulen, Social Media, Betriebe und alle anderen Lebensbereiche der Jugend. Die begleitende Indoktrination mit ihrer faschistischen, rassistischen und queerfeindlichen Ideologie – verpackt in Jugendsprache, Memes und Musik – zielt darauf ab, einen loyalen, ideologisch gefestigten Kader für den Kampf auf der Straße und in den Institutionen heranzuziehen.
Es ist bereits jetzt zu beobachten, dass eine wachsende Zahl jüngerer Menschen wieder an Neonazi-Aufmärschen teilnehmen. Die AfD hat offiziell nichts mit diesen Märschen zu tun, doch die Organisatoren sind eng mit dem AfD-Milieu vernetzt. Die JA war und wird auch nach der Neugründung eine Brücke der AfD zu den verbotenen rechtsextremen Schlägergruppierungen sein. Sie ist die Saat für eine neue faschistische Jugend- und spätere Kampforganisation – wie die SA der 20er und 30er Jahre.
Stoppt den braunen Nachwuchs in Gießen!
Die Gefahr durch die AfD und ihre neue Jugendorganisation ist nicht zu unterschätzen. Wir können und dürfen uns nicht auf den Staat verlassen. Es liegt an uns, aktiv zu werden. Der Massenwiderstand gegen AfD-Parteitage und Naziaufmärsche im laufenden Jahr in Riesa, Berlin oder Frankfurt am Main hat gezeigt, was möglich ist. Doch das ist erst der Anfang.
In allen faschistischen Bewegungen der Geschichte spielten Jugendorganisationen eine zentrale Rolle. Was die AfD in Gießen neu starten will, ist keine harmlose Nachwuchstruppe, sondern das Werkzeug zum Aufbau der Nazi-Partei und -Bewegung von morgen. Langfristig könnte sie zur größten rechtsextremen Nachwuchsbewegung der deutschen Nachkriegsgeschichte heranwachsen.
Deshalb heißt es für alle Antifaschistinnen und Antifaschisten: Schließt euch lokalen Bündnissen wie Widersetzen an und kommt am 29. November 2025 nach Gießen! Wir müssen ihre Aufmärsche, Parteitage und Gründungskongresse stören, und am besten komplett verhindern. Gemeinsam und entschlossen können wir den Vormarsch der extremen Rechten stoppen und den Aufbau neuer Braunhemden verhindern!
Schlagwörter: AfD, Antifaschismus, JA
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