Erklärung der Internationalen Sozialistischen Tendenz *)
- Der US-Überfall auf Venezuela in der Nacht vom 2. auf den 3. Januar, sowie die Entführung und Inhaftierung von Präsident Nicolás Maduro, ist ein Akt nackter imperialistischer Aggression. Donald Trumps Erklärung, „wir werden von nun an Venezuela führen“, bringt die Arroganz der US-Macht auf den Punkt. Trumps Rechtfertigung, Maduro sei der Boss eines Drogenkartells an der Spitze eines undemokratischen Regimes, ist nur vorgeschoben – nichts als fake, um es mit seinem Lieblingswort auszudrücken. Tatsächlich geht es um die Entfernung eines Regimes, das beginnend mit Hugo Chávez Washington stets ein Dorn im Auge war. Es geht um die Erbeutung der größten Erdölreserven der Welt. Trump prahlt: „Unsere riesigen US-Ölfirmen, die größten in der Welt, werden sich darum kümmern.“ Damit entlarvt er die Verlogenheit seiner Angriffe gegen vorhergehende US-Regierungen, denen er „Kriege ohne Ende“ und versuchte Regimewechsel vorwarf.
- Der Angriff auf Venezuela muss vor dem Hintergrund von Trumps Rückbesinnung auf die Monroe-Doktrin verstanden werden, die in der neuen US-amerikanischen Nationalen Sicherheitsstrategie zum Ausdruck kommt. Diese Doktrin zielte nach Gründung der Vereinigten Staaten auf die Vorherrschaft über die westliche Hemisphäre. Sie war verbunden mit der Warnung an die europäischen Staaten, sich aus den lateinamerikanischen Staaten fernzuhalten. Allerdings war Washington erst Ende des 19. Jahrhunderts stark genug, um Großbritannien dort hinauszudrängen, die bis dahin stärkste imperialistische Macht in Lateinamerika. Dieser Prozess ging einher mit Krieg gegen Spanien und zahlreichen militärischen Interventionen in Mittelamerika.
- Als Antwort auf den Vormarsch der Linken in Lateinamerika nach dem Zweiten Weltkrieg heckten die USA Militärstreiche in Guatemala, Brasilien, Chile, Argentinien aus. US-Truppen überfielen die Dominikanische Republik und Grenada. Daneben unterstützten die USA konterrevolutionäre Kriege in Bolivien, Guatemala, El Salvador und Nikaragua. 1989 folgte die US-Invasion von Panama, sowie die Entfernung und Inhaftierung dessen Präsidenten Manuel Noriega, ein vormaliger CIA-Kollaborateur.
- Heute ist stehen die USA und ihre globale Vorherrschaft unter wachsendem Druck. China ist zum größten militärischen und technologischen Rivalen und zum größten Absatzmarkt für Rohstoffe und landwirtschaftliche Exporte aus Lateinamerika geworden. Die Trump-Regierung hat die Stärkung der US-Vorherrschaft über die westliche Hemisphäre und dessen Ressourcen zur höchsten strategischen Priorität gemacht. Dies erklärt die Drohungen gegenüber Panama, Grönland und Kanada. Ebenso wie die finanzielle Unterstützung der ultraliberalen Regierung von Javier Milei in Argentinien. Der Angriff gegen Venezuela fügt sich hier ein.
- Mit dem Sturz Maduros hält Trump zugleich jedem anderen lateinamerikanischen Präsidenten die Waffe an den Kopf. Wenn die USA damit durchkommen, einen Regierungswechsel in Venezuela durchzusetzen, wird Kuba möglicherweise als nächstes drankommen. Trump und sein Außenminister Marco Rubio, ein Sohn kubanischer Exilanten, wollen alle Überbleibsel revolutionärer Erhebungen gegen den US-Imperialismus in Lateinamerika beseitigen. Die meisten Regierungen werden sich wahrscheinlich mit verbalen Protesten begnügen oder sich bei Trump einschmeicheln wollen. Staaten, die für sich in Anspruch nehmen, die Demokratie zu unterstützen, müssen auch unzweideutig die US-Intervention verurteilen und Schritte zur Isolierung des Aggressors unternehmen.
- Die einzig wirksame Antwort auf den US-Angriff kann nur von unten kommen, vor allem von den arbeitenden Massen in Venezuela und der umgebenden Region. Der Widerstand gegen diese Angriffe hat nichts mit der Unterstützung von Maduros korruptem, autoritärem Regime zu tun. Nur die venezolanischen Massen mit ihrer langen revolutionären Geschichte haben das Recht, ihn zu stürzen. Sie brauchen dabei die Unterstützung einer weltweiten Solidaritätsbewegung. Wir fordern all jene auf, die den Kampf des palästinensischen Volkes gegen Israels genozidale Besatzung unterstützen, sich auch dieser Bewegung anzuschließen.
Hände weg von Venezuela! Nieder mit Trumps Piratenimperium!
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Koordination der Internationalen Sozialistischen Tendenz, 3. Januar 2026
*) Die Originalerklärung in englischer Sprache findest Du: hier
Schlagwörter: Trump, US-Imperialismus, Venezuela
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