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Hände weg von Venezuela!

International / 11. Januar 2026

Der US-Imperialismus überfällt, erpresst und bestiehlt seine Nachbarn

In der Nacht vom 2. auf den 3. Januar haben die USA Venezuela bombardiert und dessen Präsidenten Nicolás Maduro entführt. Der Befehl kam von US-Präsident Trump, der sich mit dem erbeuteten Erdöl brüstet. Der imperialistische Überfall war dreist und gut vorbereitet. Doch die langfristigen Konsequenzen können den Imperialisten auf die Füße fallen.

Von Timo König und Karl Naujoks

Die Art und Weise, wie das US-Militär zuschlug und den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro entführte, kam überraschend. Doch dass etwas kommen würde, bahnte sich monatelang an.

‘Kill them all’

Seit dem September 2025 ließ die Trump-Regierung mindestens 25 zivile Boote in der Karibik und im Pazifik bombardieren, angeblich um den Drogenschmuggel in die USA zu stoppen. Dafür zahlten über hundert Menschen mit ihrem Leben. Die Trump-Regierung sah es nicht für nötig an, irgendwelche Beweise über eine Verbindung der angegriffenen Boote zu Drogen nachzuweisen.

Der Kampf gegen den Drogenhandel war ein bequemer Vorwand für die Trump-Regierung, um die militärische Präsenz in der Karibik aufzubauen, die für den Überfall auf Venezuela gebraucht wurde: Ein Dutzend Kriegsschiffe, darunter ein Flugzeugträger, sowie 15.000 Soldaten.

Zugleich nutzte Trump dies, um auch innenpolitisch die Machtposition auszubauen. Demonstrativ wurden bestehende Rechtsbefugnisse überschritten: Weder steht in den USA auf Drogenhandel die Todesstrafe, noch haben Regierungsmitglieder das Recht, Hinrichtungen in internationalen Gewässern zu befehlen.

Und um nichts anderes handelte es sich. Beim ersten Angriff am 2. September überlebten zwei Personen. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth verfolgte die Operation live und gab laut Washington Post die Order, auf die Schiffbrüchigen einen weiteren Angriff zu starten mit den Worten: “Kill them all”.

Der Raub des Erdöls

Im Dezember verhängte die Trump-Regierung eine Seeblockade gegen Venezuela, die den Export von Erdöl unterbinden sollte. Doch dabei blieb es nicht. Es dauerte nicht lang, da kaperte die US-Marine den ersten venezolanischen Tanker, die Skipper. Er wurde in einen US-Hafen gebracht und das Erdöl abgepumpt. Weitere Beschlagnahmungen von venezolanischem Öl folgten, darunter ein Schiff unter russischer Flagge.

Trump ist stolz auf diesen Raub. Er schrieb auf seiner Social Media-Plattform: “Venezuela ist vollkommen umzingelt – von der größten Armada in der Geschichte Südamerikas. Sie wird immer größer werden. Dies wird ihnen [den Regierenden in Caracas] mehr Angst einjagen als alles, was sie je gesehen haben. Bis sie den Vereinigten Staaten all das Öl, Land und andere Besitztümer zurückgeben, die sie uns zuvor gestohlen haben.”

Venezuela verfügt über die weltweit größten Erdölvorkommen. Nicht, dass die USA Erdöl bräuchten – die Vereinigten Staaten sind längst zu einem der großen Erdölexporteure weltweit aufgestiegen. Aber die Tatsache, dass das Erdöl in der westlichen Hemisphäre, dem “Hinterhof” der USA liegt, macht die Kontrolle darüber zu einer Prinzipienfrage in der Strategie von Trump seinem Außenminister, Marco Rubio.

Die venezolanische Erdölindustrie ist zum größten Teil bereits vor Jahrzehnten, also lange vor Maduro und seinem Vorgänger Hugo Chávez, verstaatlicht worden. Dies ging einher mit der Verstaatlichung des Erdöls in vielen anderen Ländern, die zuvor kolonial unterworfen waren. Trump will wieder zurück und Venezuela in eine Art halbkolonialen Status zurückwerfen.

Und ganz wie frühere Kolonialmächte ihre Eroberungen als eine “zivilisierende Mission” rechtfertigten, die die kolonisierten Gebiete entwickeln würden, erklärte die US-Regierung am 9. Januar: “Präsident Donald J. Trump sichert sich die venezolanischen Öleinnahmen zum Wohle des amerikanischen und des venezolanischen Volkes.“

Trump und das Kapital

Handelt Trump auf Geheiß der amerikanischen Erdölindustrie? Nein. Eine Woche nach der Entführung Maduros versammelte Trump die Vorstandsvorsitzenden dieser Branche, um sie zu überzeugen, dass er in ihrem Interesse handelt. Und um sie dazu zu bringen, die notwendigen Milliarden an Investitionen zu mobilisieren, um die petrochemische Industrie in Venezuela aufzubauen.

Die Ölbarone begrüßen die Aneignung des venezolanischen Erdöls. Aber sie beäugen Trump skeptisch, ob er mit seiner Daueroffensive am Ende tatsächlich auch dauerhafte und stabile Rahmenbedingungen schafft, um die notwendigen Milliardeninvestitionen nicht zu riskieren.

Trumps Feldzug in Venezuela ist Teil des Versuchs, eine Art Bonapartismus in den USA durchzusetzen: Also eines Systems, in dem ein Mann vermeintlich über den Klassen schwebt, gestützt auf den Gewaltapparat, und instinktiv die größeren strategischen Interessen gegen widerstreitende Einzelinteressen durchsetzt.

Dieses größere Interesse ist es, den wichtigsten imperialistischen Konkurrenten, China, zurückzudrängen. China war bislang der wichtigste Kunde venezolanischen Erdöls und hat auch in Südamerika zunehmend Marktanteile und Einfluss gewinnen können.

Wie reagiert das venezolanische Regime?

Als Maduro entführt worden ist, nahmen zunächst alle an, die Trump-Regierung wolle einen Regimewechsel durchsetzen. Erst vor ein paar Monaten hat die Oppositionsführerin und Tochter eines Stahlmagnaten, María Machado, den Friedensnobelpreis gewonnen. Machado hat eine US-Invasion herbeigesehnt und ihren Nobelpreis niemand anderem als Donald Trump gewidmet.

Doch der brüskierte sie, kaum dass Maduro in US-Haft war. Auf der Pressekonferenz nach dem Angriff erklärte Trump, Außenminister Rubio habe mit Maduros Stellvertreterin, Delcy Rodríguez telefoniert, und diese zeige sich kooperationswillig. Wenn nicht, so drohte er, würde eine zweite Angriffswelle rollen. Rodríguez würde es dabei schlechter ergehen als Maduro – eine kaum verhüllte Morddrohung.

Ein Regimewechsel in Venezuela ist für Trump und Rubio offenbar nur Plan B. Ihr Plan A ist die Stabilisierung des Maduro-Regimes, nur ohne Maduro, stattdessen mit willfährigen Marionetten an der Spitze.

Rodríguez gab in der Folge durchaus versöhnliche Töne von sich. Nach ihrer Vereidigung als Interimspräsidentin Venezuelas appellierte sie: “Präsident Donald Trump: Unsere Völker und unsere Region brauchen Frieden und Dialog, keinen Krieg”. Sie fügte die Hoffnung an, mit der US-Regierung auf der Basis einer “Agenda der Kooperation” zusammenarbeiten zu können.

In den Tagen darauf nahm die Regierung in Caracas es ohne Proteste hin, dass der amerikanische Ölmulti Chevron drei Öltanker voll mit venezolanischem Erdöl auf den Weg in die USA brachte. Trump “bedankte” sich bei der venezolanischen Regierung für diese Lieferung zynisch und kündigte zugleich an, dass insgesamt 30 bis 50 Millionen Barrel Öl aus Venezuela in die USA kommen würden.

Natürlich steht Rodríguez nicht allein. Wie lange akzeptiert der venezolanische Herrschaftsapparat diese Unterwerfung und Demütigungen? Verteidigungsminister Vladimir Padrino López trat als Hardliner des Regimes auf. Er verurteilte im Fernsehen umringt von Militärs die “feige Entführung” von Maduro und die kaltblütige Ermordung seiner Leibwächter. Die Nation solle geeint der “imperialen Aggression widerstehen”.

Das Problem: Breite Teile der armen Bevölkerung rühren für Maduro keinen Finger mehr. Das System ist korrupt und autoritär, das Elend grassiert. Es ist symptomatisch, dass als erste Reaktion auf den US-Schlag die Repression nach innen massiv verschärft worden ist.

Von Chávez zu Maduro

Es ist offensichtlich, dass der US-Angriff nicht nur auf einen unverhüllten Raub an den Ressourcen Venezuelas hinausläuft, sondern auch auf die Stabilisierung des Regimes und die Verschärfung der Repression im Land. Umso erbärmlicher ist die Reaktion aus der deutschen Bundesregierung. Diese konnte sich bislang keine Verurteilung des US-Angriffs abringen.

Stattdessen zeigen Kanzler Friedrich Merz und Außenminister Wadephul mit dem Finger vor allem auf eine Person– den entführten Maduro.

Diese Heuchelei erklärt sich zum einen aus dem Versuch, Trump nicht zu reizen, solange sie auf weitere US-Unterstützung im Ukrainekrieg hoffen. Zum anderen erklärt es sich aus der reflexhaften Abneigung gegen das venezolanische Regime, das sich selbst als “sozialistisch“ darstellt.

Dies bedarf einer Erklärung. Maduro verkauft sich als in der Tradition von Hugo Chávez stehend. Seit dessen Wahlerfolg im Jahre 1998 ist die venezolanische Regierung den USA, aber auch der Bundesregierung in Berlin, ein Dorn im Auge.

Hugo Chávez ging aus einem gescheiterten Putschversuch von linken bzw. antiimperialistischen Teilen des Offizierkorps im Jahr 1992 hervor. Nachdem er aus der Haft entlassen wurde, gewann er im Jahr 1998 die Präsidentschaftswahlen in Venezuela. Er ging daran, den Ölreichtum des Landes zu nutzen, um soziale Verbesserungen für die Mehrheit der Bevölkerung durchzusetzen. Im gleichen Zuge versuchte er den US-amerikanischen Einfluss im Land zurückzudrängen.

2002 unterstützten die USA einen Putsch gegen Chávez. Doch Massenmobilisierungen von Arbeitern und Armen schlugen dies zurück. Der bereits von den Putschisten verhaftete Chávez konnte befreit werden.

Dies machte Chávez zur Legende und trieb seine Politik nach links. 2005, im Kontext eines globalen Aufschwungs linker Bewegungen, verkündete Chávez den Aufbau des „Sozialismus im 21. Jahrhundert“. Kernidee: durch Ölverkauf unter staatlicher Kontrolle die Lebensbedingungen für die arme Bevölkerung in Venezuela zu verbessern und die einheimische Wirtschaft anzukurbeln. Diese Politik war klassischer Reformismus gepaart mit Anti-Imperialismus.

Das chavistische Regime sah und sieht die Massen nur als unterstützende Kraft, die vom Präsidenten zur Verteidigung mobilisiert werden können. Veränderungen und die Politik im Allgemeinen soll der herrschenden Clique überlassen werden.

Es bildete sich eine Staatsbürokratie heraus, die die Basis für die zunehmende Korruption unter Chávez‘ Nachfolger Maduro ist. Der zeitweise einbrechende Ölpreis und das rein instrumentelle Verhältnis zu den Massen hat die Maduro-Regierung in den letzten Jahren zunehmend durch krumme Geschäfte mit ausländischen Kapitalisten ergänzt.

Dies erklärt, warum eine tiefe Entfremdung unter den Armen und Lohnabhängigen gegenüber dem Regime einsetzte. Auf den Angriff der USA eilten denn auch nur Menschen aus dem direkten Umfeld der herrschenden Partei dem Regime zu Hilfe – und das auch erst, nachdem sie dazu aufgefordert worden sind.

Teil des globalen Kampfes

Trotzdem ist es im Interesse der übergroßen Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung Venezuelas, sich Trumps Raubzug zu widersetzen. Die Hoffnung besteht darin, dass dieser Widerstand Teil einer wachsenden globalen Bewegung gegen den Imperialismus wird und die globale Linke beflügelt.

Denn ganz gleich, wie sich die Lage in Venezuela weiterentwickelt: Der Appetit des US-Imperialismus ist geweckt, und der Konflikt mit anderen imperialistischen Mächten wie China, Russland oder Deutschland wird eskalieren. Weitere militärische Konflikte und imperialistische Unterwerfungsaktionen werden daraus folgen.

Der Widerstand dagegen kann potenziell eine Dynamik entfalten, die den Herrschenden auf die Füße fällt – nicht zuletzt in den USA selbst. Wir stehen am Beginn einer neuen Ära aus Kriegen und Revolutionen.


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